Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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d. Klima. 
33. Deutschland erfreut sich eines milden, gemäßigten Klimas. Im allge- 
meinen herrschen die West= und Südwestwinde vor. Da diese aus einer wärmern 
Gegend und vom Meere herkommen, so bringen sie uns nicht nur Wärme, son- 
dern auch häufig Regen. Die Ost= und Nordostwinde dagegen, die glücklicher- 
weise nicht allzuhäufig eintreten, wehen über die ausgedehnten Ländermassen Ruß- 
lands hin und bringen uns daher meistens trockne Kälte im Winter oder lästige 
Hitze im Sommer. Im Winter herrscht namentlich der Südwestwind vor. Er 
spendet uns dann vom noch warmen atlantischen Meere her Wärme. Beim 
Fortzuge nach Nordost erkaltet er aber allmählich, da er seine Wärme an den 
winterkalten Boden abgiebt. Daher kommt es, daß in Deutschland die Wärme 
nicht nach Norden, sondern nach Nordosten hin abnimmt. So ist z. B. der 
Rhein durchschnittlich nur 26 Tage, die Oder aber 70 Tage im Jahre mit Eis 
bedeckt. Je weiter ein Ort bei uns nach Nordosten liegt, desto größer wird 
außerdem auch der Unterschied zwischen Winter und Sommer. (S. 102.) Die 
Stadt Berlin hat z. B. kältere Winter und heißere Sommer als die Stadt Trier. 
Der Süden Deutschlands ist im allgemeinen nur wenig wärmer als der Norden; 
die Ursache davon ist in der weit höhern Lage Süddeutschlands zu suchen. 
Daher ist es z. B. in München durchschnittlich kälter als in Berlin. 
  
II. Die Staaten Deutschlands. 
1. Das fNönigreich Preußen. 
(352 T. akm — 32 M. E. — ¼ kath.) 
Der Norden und fast der ganze Osten liegen in dem großen norddeutschen 
Tieflande, das von dem nördlichen und südlichen Landrücken durchzogen 
wird. (S. 87.) Der Süden und Westen sind gebirgig. Die wichtigsten Gebirge 
sind: die Sudeten, der Harz, der Thüringer Wald, das Weserbergland 
und das rheinische Schiefergebirge (S. 88—89). Die größten Flüsse sind: 
Weichsel, Oder, Elbe, Weser und Rhein (S. 91—93). Das König- 
reich Preußen zerfällt in 12 Provinzen. 
a. Drovinz Ostpreußen. (37 T. akm — 2 M. E. — 1 kath.) 
1. Das Küstengebiet. Die Küste Ostpreußens ist eine Haffküste. An ihrer 
Bildung sind häufige Nordweststürme besonders beteiligt. (S. 87.) Durch die 
kurische Nehrung wird das kurische Haff, durch die frische Nehrung das 
frische Haff von der Ostsee getrennt. 
Die kurische Nehrung ist etwa 100 km lang und ½—4 km breit. Wer 
von Norden her diesen Landstreifen betritt, erblickt nichts als einzelne, verkrüppelte 
Kiefern und 50 bis 60 m hohe Sandberge. Mit diesen treibt der Wind sein 
Spiel, und wenn man sie betritt, sinkt man tief ein. Ehedem war die Nehrung 
mit üppigen Wäldern bestanden. Als aber die Russen im siebenjährigen Kriege 
die dichten Wälder lichteten, da trieb der Westwind den Dünensand immer weiter 
vor sich gegen das Haff hin, und Wälder und Wiesen, ja, selbst ganze Dörfer 
wurden vom Sande verschüttet. Nur bei dem Dorfe Schwarzort findet man 
noch einen ausgedehnten Hochwald. Doch auch in diesen dringen die wandernden 
Dünen — jährlich etwa 6 m nach Osten vorrückend — von Jahr zu Jahr 
tiefer ein. Nach einigen Jahrzehnten wird sehr wahrscheinlich nicht nur der 
Wald, sondern auch das Dorf selbst von ihnen begraben worden sein.