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beiden Seiten wurde der Krieg mit großer Erbitterung geführt. Die Sachsen stritten
für Wodan und ihre Freiheit, die Franken für das Kreuz und ihre Weltherrschaft.
9. Der Sachsenkrieg. Mit einem wohlgerüsteten Heere zog Karl 772 ins
Sachsenland und verwüstete alles mit Feuer und Schwert. Auch zerstörte er hier die
Feste Eresburg mit der Irminsäule. (Das war ein riesenhafter Baum, der nach dem
Glauben der Sachsen das Weltall trug und daher göttlich von ihnen verehrt wurde.)
Dann drang er bis an die Weser vor und machte hier Frieden mit den Sachsen. Unter
Anführung Wittekinds, eines Edelings der Westfalen, empörten sich die Sachsen zu
wiederholten Malen gegen Karl, da er sie mit Gewalt zur Taufe sowie zur Entrichtung
des „Zehnten“ (aller ihrer Habe) an die Geistlichen zwang. Sie zerstörten die neu—
erbauten christlichen Kirchen und erschlugen oder vertrieben die ihnen von Karl ein—
gesetzten Priester. Einmal (782) vernichteten sie Karls Heer fast vollständig. Da war
dessen Geduld zu Ende. Bei Verden a. d. Aller hielt er Gericht über die Aufrührer
und ließ ihrer 4500 hinrichten. Wittekind war entflohen, kehrte aber bald zurück, um
die Sachsen zur Rache für diese Blutthat zu entflammen. Sein Heer wurde jedoch an
der Haase so vollständig geschlagen, daß er den ferneren Kampf für den alten Glauben
und die alte Freiheit aufgab. Er ging zu Karl, der ihn sehr freundlich aufnahm, und
empfing mit vielen sächsischen Edlen die heilige Taufe. — Noch mehrmals versuchten die
Sachsen, das Joch der Franken abzuschütteln, aber ihr Widerstand erlahmte ohne Witte—
kind nach und nach, bis sie endlich nach 31 Jahren sich Karl vollständig unterwarfen.
10 Zug nach Spanien. Im Jahre 777 veranstaltete Karl einen Reichstag zu
Paderborn, lud hierzu alle unterworfenen Fürsten und Edlen ein und suchte sie durch
Freundiichkeit und Milde zu gewinnen. Hier erschien vor ihm eine merkwürdige Ge-
sandtschaft aus Spanien, mit langen Kaftans und buntgeschmückten Turbans bekleidet.
Es waren Mauren, von ihren unterdrückten Fürsten gesandt, um den mächtigen König
der Franken zu Hilfe zu rufen. Karl zog nach Spanien und gründete dort zwischen
den Pyrenäen und dem Ebro die „spanische Mark“, die fortan einen Teil seines
Reiches ausmachte Als Karl auf dem Rückwege war, wurde die Nachhut seines Heeres
in einer Schlucht der Pyrenäen überfallen und vollständig vernichtet. Unter den ge—
fallenen Helden befand sich auch der aus der Sage wohlbekannte Roland.
11. Ausdehnung des Reiches. Durch fortwährende Kriege vergrößerte Karl
sein Reich nach Süden, Osten und Norden hin. Bei seinem Tode umfaßte es das
heutige Frankreich, Spanien bis zum Ebro, den größten Teil Italiens sowie Deutsch-
land bis zur Elbe und Eider hin.
12. Kaiserkrönung. Der Papst Leo III. war bei einer feierlichen Prozession
vom Volke auf der Straße arg mißhandelt und dann in den Kerker geworfen worden.
Er entkam aber und ging nach Paderborn, um hier Karl persönlich um Hilfe anzu—
rufen. Karl zog mit seiner Macht nach Rom und hielt hier Gericht über die Schuldigen.
Am Weihnachtsfeste erschien er in der Peterskirche, wohnte hier dem Gottesdienste bei
und kniete nach der Messe vor dem Altare. Da nahte sich ihm der Papst mit der
höchsten Geistlichkeit, setzte ihm die goldene Krone aufs Haupt und salbte ihn zum
Kaiser und weltlichen Oberherrn der gesamten katholischen Christenheit. Dadurch
wurde Karl der höchste Herrscher der Welt, alle andern Könige, Herzöge 2c. gleichsam
seine Lehnsleute. Zugleich war er nun der oberste Schirmherr der Kirche, dem sich
der Papst sowie die gesamte Geistlichkeit unterordneten. An der Spitze des geistlichen
Staates, der Kirche, aber stand der Papst, aus dessen Händen der höchste irdische Fürst,
der Kaiser, seine Krone empfangen sollte. Wie ehemals von Rom, so sollte jetzt von
Deutschland aus die christliche Welt beherrscht werden.