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mehr als ½ aller waffenfähigen Männer einberufen werden. Die übrigen losten sich frei.
Bei der Neubildung des Heeres fand er an seinem Kriegsminister von Roon und dem
Leiter des Generalstabs von Moltke vorzügliche Berater. Da aber diese geplante Neu-
bildung der Armee bedeutende Kosten verursachte, so wollte der Landtag die erforder-
lichen Geldmittel dazu nicht bewilligen. Jetzt berief der König den bisherigen Ge-
sandten in Paris, von Bismarck-Schönhausen, zum Ministerpräsidenten. Dieser erklärte,
daß die deutsche Frage nicht durch Reden, sondern nur durch Blut und Eisen gelöst
werden könne. Deshalb aber müßte jeder Vaterlandsfreund auch das Mittel zum
Zweck, die Armee-Neubildung, gutheißen. Da er aber kein Verständnis bei den Ab-
geordneten fand, so wurde die Umgestaltung des Heeres schließlich ohne Zustimmung
des Landtages durchgeführt. Er hoffte, daß die Zukunft ihm recht geben werde.
c. Der deutsch-dänische Krieg. 1864.
1. Entstehung. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein hatten früher ein
eigenes Herrscherhaus. Als dieses aber im 15. Jahrhundert ausstarb, wählten sich
die Schleswig-Holsteiner den König von Dänemark zu ihrem Herzoge. Dieser mußte
ihnen jedoch in einem Vertrage die Zusicherung geben, daß die Herzogtümer „up
ewig ungedeelt“ bleiben und niemals Dänemark einverleibt werden sollten. 1815
wurde Holstein in den deutschen Bund aufgenommen. Als aber 1863 ein neuer
König den dänischen Thron bestieg, erklärte er Schleswig für eine dänische Provinz.
Damit war jedoch der deutsche Bund nicht einverstanden, und die beiden Großmächte
desselben, Ostreich und Preußen, schickten unter dem Generalfeldmarschall Wrangel
ein Heer in die Herzogtümer, die Freiheit der Schleswiger zu erkämpfen.
2. Sturm auf die Düppeler Schanzen. Die Dänen stellten sich bei den
„Danewerken“ zur Wehr, zogen sich aber, als Prinz Friedrich Karl über die Schlei
gesetzt war, nach den „Düppeler Schanzen"“ zurück. Auf einer kleinen Halbinsel, dem
Sundewitt, waren bei Düppel zehn gewaltige Schanzen errichtet, deren Eroberung
noch durch Pallisaden, Drahtzäune und tiefe Gräben erschwert war. Am 18. April
sollte der Sturm auf diese Schanzen stattfinden. In der Nacht vorher begaben sich
die dazu bestimmten Regimenter in die Laufgräben. Mit Anbruch des Tages be-
gannen die Kanonen noch einmal ihre Arbeit. Plötzlich um 10 Uhr entsteht eine
Pause; dann fällt noch ein Schuß. Das ist das Zeichen zum Angriff. Mit Hurra
und unter dem Klange der Musik brechen die Krieger aus den Laufgräben hervor und
stürzen auf die Schanzen los. Da starren ihnen mannshohe Pallisaden entgegen; es
entsteht ein Aufenthalt. Doch Pionier Klinke weiß Rat. Mit den Worten: „Wartet,
Brüder, ich öffne euch die Thür!“ wirft er seinen Pulversack gegen die Planken, legt
ein Stück brennenden Schwamm darauf, und mit furchtbarem Gekrach fliegen die Palli-
saden in die Luft — der tapfere Klinke mit. Bald sind die Stürmer oben; mit Kolben
und Bajonett wird der Widerstand der Dänen gebrochen, und um Mittag sind sämt-
liche zehn Schanzen im Besitz der Deutschen. (Gedicht: „Der Tag von Düppel.“)
3. Ubergang nach Alsen. Mit dem Rest des Heeres zogen sich die Dänen auf
die Insel Alsen zurück. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni setzten die Preußen
unter Herwarth von Bittenfeld auf 160 Kähnen nach Alsen hinüber. Mit Hurra
stürmen die Krieger das steile Ufer hinan. In wenigen Stunden ist die Insel erobert.
3000 Dänen sind gefangen, die andern eilen auf ihren Schiffen davon.
4. Friede. In dem Frieden zu Wien trat Dänemark die beiden Herzogtümer
Schleswig und Holstein an Ostreich und Preußen ab.
d. Der deutsche Krieg. 1866.
1. Ursache. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein wurden anfänglich von
Ostreich und Preußen gemeinsam verwaltet. Es kam jedoch bald zu Streitigkeiten.