IV. Reformation und sitändisches Regiment. 203
seine Unzuverlassigkeit aber bald von neuem bethatigte. Nicht
ohne Bedenken hatte er den Kurprinzen die Ehe seines Erstgeborenen
Johann Sigiômund mit Anna, der Tochter des
blöden Preußenherzogs und Marie Eleonorens von Jilich, betreiben
lassen: sie verhieß den brandenburgischen Rechten auf
Preußen Stärkung und übertrug das Aurecht, das Marie
Eleonore beim Fehlen männlicher Nachkommenschaft von ihrem
Vater und ihren Brüdern auf Jülich, Cleve und Berg zustand,
auf ihren künftigen Schwiegersohn und dessen Leibeserben.
Als aber nach dem Tode des- älteren von den beiden Söhnen
Herzog Wilhelms der jüngere, ebenfalls kinderlose, geisteskrank
wurde und das Land, von Parteiungen zerrissen, die Beute
entweder der Spanier oder der Niederländer zu werden drohte,
da versuchte die kaiserliche Politik sich dieser wichtigen Position
zu bemächtigen und trat damit Brandenburg schroff entgegen.
Nun konnte Johann Georg seine Entwürfe durchsetzen nur
im Anschluß an die Habsburg feindlichen Mächte, das heißt die,
welche sich zu Vorkämpferinnen der Reformation aufgeworfen
hatten. Ein erster Schritt in dieser Richtung war es, daß er
1501 Heinrich von Navarra die früher verweigerten Werbungen
in der Mark gestattete. Damit war sein ganzes volitisches System
bedroht: er sah sich vor eine schwere Entscheidung geseellt.
Er verkannte nicht, daß Großes dabei zu gewinnen sei, wenn
das Glück gut war, meinte aber im anderen Fall selbst den
bioher sicheren Besitz gefahrdet zu sehen. Dennoch drang der
Kurvrinz durch. Nach einem Besuche Johann Sigiomunds in
Preußen wurde im Frühjahr 1592 bei Gelegenheit der Anwesenheit
Marie Eleonorend und ihrer Tochter in Berlin die
Verlobung vollzogen. Die entscheidende Wendung schien geschehen:
märkische Edelleute nahmen unter Christian von Anhalt
mit dem Bourbonen an der Belagerung von Nouen teil.
Mit wachsender Sorge sah Johann Georg sich durch die
Macht der Thatsachen aus der bioher verfolgten Bahn gedrängt:
nur im Widerstreit mit den Haboburgern und den Katholiken
schien sein Haus aufkommen zu können. Noch war die Magdeburger
Sache nicht beglichen, und schon sah er seine Pläne an
einem anderen Ende durch den leidigen geistlichen Vorbehalt