Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

III.  Der  siegreiche  Schwedenktrieg.  215

mächtigt,  die  Stände  im  Notfall  zur  Aufbringung  des  Nötigen
zu  zwingen.

Waldemar  Wrangel  aber  glaubte  den  Kurfürsten  noch  in
Franken.  Inzwischen  hatte  dieser  nach  geheimer  Verständigung
mit  Erfurt  schon  Anfang  März  zwei  Regimenter  dorthin  ge—
legt,  um  seinen  Marsch  über  den  Thüringer  Wald  zu  sichern.
Aber  die  Stabilität  der  politischen  Lage,  Krankheit  und  die
Reise  nach  Cleve  und  dem  Haag  hatten  immer  neuen  Aufschub
veranlaßt.  Erst  am  23.  Mai  2.  Juni  war  er  wieder  in  Schwein—
furt.  Den  26.  wurde  der  Marsch  angetreten.  Mit  den  be—
rittenen  Trabanten,  dem  Leibregiment  und  dem  Regiment  Kur—
prinz  zog  der  Kurfürst  durch  den  Thüringer  Wald,  den  die
übrigen  Truppen  umgingen,  der  linke  Flügel  —  fünf  Regimenter
—  unter  Prinz  Friedrich  von  Hessen-Homburg  in  der  Richtung
auf  Langensalza,  der  rechte  —  sechs  Regimenter  —  unter
Generallieutenant  von  Görtzke  über  Schleiz  und  Freiburg  an  der
Unstrut.  Am  10.  Juni  war  die  Armee  bei  Magdeburg  vereinigt.
Der  Rat  der  Stadt  empfing  den  Kurfürsten  festlich  und  sorgte
dafür,  daß  seine  Ankunft  nicht  über  die  Mauern  hinaus  bekannt
  wurde.  Die  wichtige  Elbfeste  vor  den  Schweden  zu  retten,
hatte  man  in  Wien  für  unmöglich  gehalten  und  damit  die  bisherige
  Unthätigkeit  entschuldigen  wollen.  Auch  scheint  dort
ernste  Gefahr  gedroht  zu  haben:  bei  einem  schwedischen  Emissär
gefundene  Papiere  verdächtigten  den  Kommandanten  Ocberst
Schmidt  von  Schmiedeseck  verräterischer  Verbindungen  mit  den
Schweden  und  Hannoveranern.  Er  wurde  verhaftet  und  ist,
freilich  ohne  überführt  zu  sein,  als  Staatsgefangener  in  Peitz
gestorben.  Rekognoscierungen  bis  gegen  Brandenburg  hin  ergaben,
  daß  der  Feind  des  Kurfürsten  Nähe  nicht  ahnte:  er
scheint  es  für  unmöglich  gehalten  zu  haben,  daß  die  vierzig
Meilen  von  Franken  her  in  sechzehn  Tagen  zurückgelegt  würden.
Um  so  freudiger  waren  die  Märker  überrascht:  alle  Morgen
hatten  sie  sich  seit  Anfang  Juni  in  den  Kirchen  zu  Gebeten  um
Erlösung  ans  der  Schwedennot  versammelt.

Am  12.  Juni  fand  ein  Kriegsrat  statt.  Die  Vereinigung
der  Schweden  und  Hannoveraner  zu  hindern,  sollte  durch  Wegnahme
  Nathenows  die  Verbindung  zwischen  den  beiden  schwe-