Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Achter Band. (8)

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Apparat  ausgekocht.  Blieb  das  Durchfchnittsergebnis  der  Ernten  auch  etwas  hinter  dem
Vorjahre  zurück,  so  lag  das  zum  Teil  daran,  daß  absichtlich  die  Impfschnitte  nicht  mehr
so  dicht  nebeneinander  gemacht  wurden,  um  dem  einzelnen  Schnitt  mehr  Entwicklungsfeld
zu  lassen.  Die  Verreibung  erfolgte  wie  bisber  in  großen  Porzellanmörsern  ohne  irgend
welche  sonstigen  Apparate,  durchschnittlich  wurden  2  Teile  Wasser  und  5  Teile  Glyzerin
zugesetzt.  Meist  wurde  die  Lymphe  in  dieser  Zusammensetzung  auch  zum  Kälberimpfen
verwandt,  nur  einzelne  gleich  bei  der  Verreibung  zu  Stammlymphe  bestimmte  Ernten  waren
dicker  hergestellt,  die  Retrovaccine  erster  Generation  von  Kalb  7  sogar  1:  1/3  4  2,  da  dieselbe
unter  Umständen  1  Jahr  und  länger  sich  halten  muß.

In  München  hatte  die  Tierimpfung  nicht  unerhebliche  Ausfälle  zu  verzeichnen.  So
wurde  1  Tier  ohne  jeden  Erfolg  geimpft,  während  sich  auf  einem  Tiere  nur  Abortivpusteln
entwickelten,  welche  nicht  abgeerntet  wurden.  Die  Lymphe  von  2  Tieren  wurde  vernichtet,
weil  sie  sich  bei  der  Probeimpfung  als  nicht  genügend  wirksam  erwiesen  hatte.  Desgleichen
wurde  eine  Lymphesorte,  welche,  in  frischem  Zustande  verimpft,  eine  ganz  gute  Wirkung
gezeigt  hatte,  von  der  Versendung  ausgeschlossen,  weil  ihre  Wirksamkeit  auffallend  rasch
abnahm.  Endlich  scheint  auf  die  Pustelentwicklung  in  zwei  Fällen  im  Laufe  des  Monats
Juni  die  außergewöhnliche  Wärme  ungünstig  eingewirkt  zu  haben,  so  daß  auch  von  der
Austeilung  dieser  beiden  Lymphesorten  abgesehen  werden  mußte.  Die  gesamte  nicht  zur
Abgabe  gelangte  Lymphe  betrug  im  Berichtsjahre  31868  Portionen  Emulsion.  Die  Gesamtmenge
  des  gewonnenen  Rohertrages  betrug  609,25  g  und  zwar  wurden  von  48  Tieren,
welche  mit  Menschenlymphe  geimpft  worden  waren,  489,90  g,  von  den  25  Tieren,  welche
mit  Tierlymphe  und  Blatternstoff  geimpft  waren,  119,35  g  Rohertrag  geerntet.  Die  Durchschnittsausbeute
  betrug  im  ganzen  8,34  g  für  jedes  Impftier.  Auf  ein  mit  Menschenlymphe
geimpftes  Tier  entfiel  ein  Durchschnittsrohertrag  von  10,20  g,  auf  ein  mit  Tierlymphe
geimpftes  Tier  hingegen  nur  ein  solcher  von  4,49  g.  Als  Grenzwerte  der  Rohstoffausbeute
ergaben  sich  0,5  g  einer  —  und  19,21  g  andererseits.  Die  kleinste  Rohstoffmenge  entsprach
einer  Emulsion  von  100  Einzelgaben,  die  größte  einer  solchen  von  14900  Einzelgaben.
Im  ganzen  wurden  477  650  Einzelgaben  Lymphe-Emulsion  bereitet.  Die  Verarbeitung  des
Rohstoffes  geschah  fast  in  allen  Fällen  mittels  der  Reibemaschine  von  Chalybäus.
Wenn  sehr  geringe  Mengen  gewonnen  wurden,  so  trat  Handverreibung  ein.

Die  Erfahrung,  daß  bei  der  Impfung  der  Tiere  mit  animaler  Lymphe  die  Entwicklung
  und  Reifung  der  Pusteln  langsamer  vor  sich  geht,  als  bei  Verimpfung  von  Menschenlymphe,
  fand  im  Berichtsjahre  wieder  ihre  volle  Bestätigung.  Am  Ende  des  4.  Tages
wurde  die  Lymphe  abgenommen  in  8  Fällen,  im  Laufe  des  5.  Tages  in  32  Fällen  (3)
am  Ende  des  5.  Tages  in  11  Fällen  (4),  im  Laufe  des  6.  Tages  in  16  Fällen  (12),  am
Ende  des  6.  Tages  4  mal  (4),  im  Laufe  des  7.  Tages  1  mal  (1).  Die  in  Klammern  eingeschlossenen
  Ziffern  bedeuten  die  Anzahl  der  mit  Tierlymphe  sowie  mit  Blatternstoff  geimpften
  Tiere.  Die  Gesamtzahl  von  24  Tieren  ergibt  sich  hier  deshalb,  weil  ein  Tier
wegen  erfolgloser  Impfung  nicht  zur  Abnahme  kam.

In  Dresden  betrug  die  Menge  des  gewonnenen  Impfstoffes  1  bis  15/1  g  von  einem
Kalbe,  im  Durchschnitt  6,/  g.  Zwei  Kälber  gaben  keine  abimpfbaren  Pocken.  Die  Abnahme  der
Lymphe  wurde  7  2mal  am  lebenden,  65  mal  am  eben  getöteten  Tiere  vorgenommen.  Es  wurde
dazu  ein  scharfer  Löffel  benutzt.  Die  Abimpfung  erfolgte  30  mal  5  Tage  25mal  4½  Tage,
82  mal  4  Tage  nach  der  Impfung.  Die  Pocken  brauchten  längere  Zeit  zur  Reifung,  wenn  die
Stammlymphe  (über  3  Monate)  alt  war,  und  in  der  kalten  Jahreszeit  (Januar  bis  Mitte  März).

Die  Zubereitung  des  Impfstoffes  geschah  wie  bisher  mit  verdünntem  Glhyzerin
(1  Teil  Wasser  auf  3  bis  4  Teile  Glyzerin).  Dem  in  der  Lymphereibmaschine  verriebenen