396 Josef Grunzel, Die Industrie.
sprechenden Ziffern der Gewerbestatistik erklären. Für die Hausindustrie ergaben die letzten
Gewerbezählungen folgende Ziffern:
Jahr der Betriebe Hausgewerbetreibende Personen
Gewerbezählung Haupt- Neben- zusammen männliche weibliche zusammen
1882 352.079 34.337 386.416 269.843 209.691 479.534
1895 300.901 41.656 342.557 256.131 201.853 457.984
1907 279.513 36.107 315.620 170.712 234.550 405.262
Die Gesamtziffern zeigen einen allgemeinen Rückgang an. Das richtige Bild aber erhält man
erst im Detail, wenn man die wichtigsten Gruppen der Hausindustrie zusammenstellt. Abge-
nommen haben
Zahl der beschäftigten Personen
1895 1907
Baumwollweberei ......2222seeeseseseensenne nenn 33.208 21.358
Leinenweberei .......c22eeeessenenenne essen rennen 26.291 14.216
Wollweberei .......2222222o0eeeeeneensennennn nenne 27.790 13.087 .
Seidenweberei .....uerooecsensneneeeennsennnnn nenn 18.656 13.264
Weberei von gemischten und anderen Waren ......... 17.442 8.325
Strickerei und Wirkerei .....2.2.--2cscresnsnenenenn 27.762 22.069
Näherei ......22220202@oeneunenenennennrenne nennen 40.850 29.261
Schubmacherei ..........-erseseenenseenennenn nn 26.553 18.617
Zugenommen haben dagegen:
Kleider- und Wäschekonfektion ............--.-..... 72.919(45 % wbl.) 85.610 (61 %, wbl.)
Spitzen-Erzeugung .........r22occnesneessnnnsenennn 14.378 20.375
Handschuhmacherei ..........2222200ceeereennonen une 3.905 (82%, wbl.) 14.033 (95 %, wbl.)
Tabakfabrikation ...........-.-20cscsseecnenenennnnn 15.457 19.435
Erzeugung von Spielwaren und Puppen .............. 3.776 12.744
Korbflechterei .....-..-.s2r0s0seereennesser nennen 8.399 10.679
Häkelei und Stickerei .....--...--.-2r-00nenennnene: 5.863 7.611
Verfertigung künstlicher Blumen ............sr 2.000. 1.941 1.867
Geigenbau .....-.2oeereeenenesnnnsnenensnnnnn nennen 943 1.351
Danach geht die hausindustrielle Textilindustrie und Schuhmacherei unaufhaltsam zurück.
In Riesendimensionen dagegen wächst die Kleider- und Wäschekonfektion, und zwar unter stärkerer
Zunahme der weiblichen Arbeitskräfte. Voran steht die Herrenkonfektion mit den norddeutschen
Produktionszentren Berlin und Stettin, den süddeutschen Frankfurt a. M., Aschaffenburg, Nürn-
berg und Stuttgart und die rheinisch-westfälische Arbeiterkleiderkonfektion von München-Glad-
bach, Elberfeld-Barmen usw. Die Damenkonfektion, nämlich die Verfertigung von Damenmänteln
und Jacketts, hat ihren Hauptsitz in Berlin, doch werden auch in Breslau und Erfurt besonders die
billigeren Massenartikel hergestellt. Die Wäschekonfektion konzentriert sich in Berlin, Breslau und
Köln. In starker Verbreitung sind die Spitzen- und Stickerei-Erzeugung und besonders die Hand-
schuhmacherei und die Herstellung von künstlichen Blumen. Die Korbflechterei und Tabakfabri-
kation erhalten sich, weil in diesen Industrien die Maschinenarbeit keinen Boden findet. Die Spiel-
warenerzeugung ist in Sonneberg und dem sächsischen Erzgebirge noch vorwiegend Hausindustrie,
dagegen hat in der Herstellung der Metallspielwaren in Nürnberg und Fürth bereits der Fabriks-
betrieb mit Maschinenarbeit Eingang gefunden.
Die Darstellung der charakteristischen Einzelheiten bedarf nun einer Ergänzung durch ein
Bild der allgemeinen Entwicklung. Nach den amtlichen statistischen Aufnahmen zählte man in der
Industrie und im Bergbau des Deutschen Reiches:
Betriebe tätige Personen
1882 2,270.339 5,933.663
1895 2,146.972 8,000.503
1907 2,086.368 10,852.873