Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

728  Schwaben  u.  Neuburg.

eine  außerordentliche  Hitze  oder  eine  ungewöhnliche  Kälte  beobachtet  wird,
und  unsere  Frage  spaltet  sich  in  die  2  folgenden:  1)  Zwischen  welchen  Gränzen
  schwankt  die  Wärme  eines  Monates  in  der  Regel,  welches  ist  der  Mittelwerth
  der  Extreme  verschiedener  Jahrgänge?  Was  ist  Regel?  2)  Welche
sind  die  äußersten  Gränzen,  die  absoluten  Extreme,  die  an  einem  Orte  beobachtet
  wurden?  Was  ist  Ausnahme?  Zur  Beantwortung  dieser  Fragen  geeignete
  Beobachtungen  für  Schwaben  sind  in  Kempten,!)  Augsburg?)  und  Dillingen?)
  gemacht  worden.  Diese  3  Punkte  repräsentiren  das  Allgäu,  Mittelschwaben
  und  die  Donaugegend.  Wir  stellen  die  Resultate  der  Beobachtungen
  in  den  Tabellen  III  und  IV  zusammen;  Kempten  und  Augsburg  gehören
eher  zu  den  bevorzugteren  als  zu  den  rauheren  Punkten  ihres  Bezirkes,  während
  Dillingen  ziemlich  den  Mittelwerth  angibt;  auch  darf  bei  der  Tabelle  IV,
welche  die  abnormen  Temperaturen  angibt,  nicht  übersehen  werden,  daß  bei
einer  längeren  Dauer  der  Beobachtungen  Ueberschreitungen  um  so  eher  möglich
  sind,  je  geringer  die  Anzahl  der  jeweilig  repräsentirten  Jahre  ist.  So
wurde  der  Winter  187½/0  seither  an  Kälte  nicht  übertroffen.  Würden  die
Beobachtungen  von  Kempten  und  Dillingen  bis  zu  jener  Zeit  zurückgehen,  so
würde  an  beiden  das  beobachtete  Extrem  noch  etwas  weiter  herabgehen.  Die
Tabelle  der  mittleren  Schwankungen  würde  dadurch  weniger  geändert,  da  seitherige
Jahre  mit  geringerer  Kältedie  damalige  Temperaturerniedrigung  nahe  ausgleichen.

Tab.  III.  Mittelwerthe  der  monatlichen  Temperaturwechsel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kempten  Augsburg.  Dillingen.
Monat.

Mar.  Min.  Dif.  Max.  Min.  Diff.  mar  Min.if.
Janur%%2  220  50,9-130,3  16%2  Zo,O  -10,8  150,8
Februr6  750  -110  180
März.11,911,  823,  14,  6  20,  5  -  7653  180
April17,1  5,022,  18,  99  1,  520,  1564-  33  187
Mai  20,8  0,  8  21,6%2%
Jun.24,8B82,2  22  ,623,55817,O  1.  44%
Ini.225.  5%
August25,53,322,22%5
September  1614  2101144
Octobre,.20  1%S„
November82O02  „B1,G6  6,  18  ,,.,149  0é  6,  14,  2
Deeember
Durchschn  Schwankung  22  9  #  18,6  16,1

l

 

 

 

 

 

 

 

1)  Beobachtungen  des  Herrn  Hofapothekers  Fuchs  (Oct.  1852  bis  Dec.  1860)  MSC.
*)  Stark,  Meteorologisches  Jahrbuch  (1812—1834).
!)  Beobachtungen  des  Herrn  Pref.  Dr.  Pollak  (1842—1859)  MSC,