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lande empfangen. Noch war der Jubel, mit dem unzählige treue Herzen mich
begrüßt hatten, nicht verhallt, so mischte ein Haufe Ruhestörer aufrührerische und
freche Forderungen ein und vergrößerte sich in dem Maße, als die Wohlgesinnten
sich entfernten. Da ihr ungestümes Vordringen bis ins Portal des Schlosses mit
Recht arge Absichten befürchten ließ und Beleidigungen wider meine tapferen und
treuen Soldaten ausgestoßen wurden, mußte der Platz durch Kavallerie im
Schritt und mit eingesteckter Waffe gesäubert werden, und zwei Gewehre der
Infanterie entluden sich von selbst, gottlob! ohne irgend jemand zu treffen. Eine
Rotte von Bösewichten, meist aus Fremden bestehend, die sich seit einer Woche,
obgleich aufgesucht, doch zu verbergen gewußt hatten, haben diesen Umstand im
Sinne ihrer argen Pläne durch augenscheinliche Lüge verdreht und die erhitzten
Gemüter von vielen meiner treuen und lieben Berliner mit Rachegedanken um
vermeintlich vergossenes Blut erfüllt und sind so die greulichen Urheber von
Blutvergießen geworden. Meine Truppen, Eure Brüder und Landsleute, haben
erst dann von der Waffe Gebrauch gemacht, als sie durch viele Schüsse aus der
Königsstraße dazu gezwungen wurden. Das siegreiche Vordringen der Truppen
war die notwendige Folge davon.
An Euch, Einwohner meiner geliebten Vaterstadt, ist es jetzt, größerem Unheil
vorzubeugen. Erkennt, Euer König und treuester Freund beschwört Euch darum
bei allem, was Euch heilig ist, den unseligen Irrtum! Kehrt zum Frieden zurück;
räumt die Barrikaden, die noch stehen, hinweg, und entsendet an mich Männer
voll des echten, alten Berliner Geistes mit Worten, wie sie sich Eurem Könige
gegenüber geziemen, und ich gebe Euch mein königliches Wort, daß alle Straßen
und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden sollen und die militärische
Besatzung nur auf die notwendiger Gebäude, des Schlosses, des Zeughauses und
weniger anderer, und auch da nur auf kurze Zeit beschränkt werden wird. Hört
die väterliche Stimme Eures Königs, Bewohner meines getreuen und schönen
Berlins, und vergesset das Geschehene, wie ich es vergessen will und werde in
meinem Herzen um der großen Zukunft willen, die unter dem Friedenssegen
Gottes für Preußen und durch Preußen für Deutschland anbrechen wird.
Eure liebreiche Königin und wahrhaft treue Mutter und Freundin, die sehr
leidend darniederliegt, vereint ihre innigen, tränenreichen Bitten mit den meinigen.
Geschrieben in der Nacht vom 18.—19. März 1848. Friedrich Wilhelm.
2. Quelle: Brief des Prinzen Wilhelm von Preußen an seine Schwester
Charlotte, Kaiserin von Rußland.½)
Fundort: Erich Brandenburg a. a. O. S. 43—46.
London, 28. März 1848.
Ghldlich blieb man bei dem Entschluß stehen, daß die Proklamation des
Königs von der Nacht in Ausführung kommen sollte, daß nämlich da, wo eine
Barrikade von den Bürgern eingeebnet wurde, man dies als einen Beweis des
Friedensantrages betrachten werde und vis-à-vis derselben die Truppen zurückziehen
würde. Mit dieser Antwort, die unter den vielen Deputationen völligen
Anklang zu finden schien, entfernten sich die Mitglieder derselben, die Prokla-1)
Der Brief gibt uns einen streng sachlichen und wahrheitsgetreuen Bericht über
die Verwirrung, die im Berliner Königsschlosse herrschte, und die Vorgänge, die zu dem
verhängnisvollen Befehl der Zurückziehung der Truppen führten.