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norddeutschen Gemeinden sich mit dem Geiste der neuen Lehre
erfüllt und in einem schweren Konflikt mit dem Landesherrn, dem
Kardinal-Erzbischof Albrecht, das Banner des Evangeliums unentwegt
hochgehalten hatte. War dann auch die unmittelbare Gefahr,
welche die Stadt hierdurch über sich heraufbeschwor, durch den
Ausbruch der grofsen Empörung der Unterthanen fürs erste verscheucht
worden, so bedurfte es doch keines grolsen Scharfblicks,
um vorauszusehen, dafs ein Sieg der katholischen Reaktion in
Norddeutschland fast ın erster Linie wider Magdeburg würde ausgebeutet
werden. Von den grofsen oberdeutschen Kommunen aber,
denen es durch das gemeinsame Bekenntnis nahestand, war Magdeburg
nicht nur durch seine geographische Lage getrennt, sondern
auch durch den Umstand, der seine Stellung überhaupt noch besonders
erschwerte, dafs es sich der Reichsunmittelbarkeit wenigstens
rechtlich nicht erfreute. Da entschlofs sich nun aber die
kühne Gemeinde, die Gelegenheit, welche ihr die Versammlung der
Evangelischen in den Mauern ihrer Stadt darbot, nicht aus der
Hand zu lassen: sie bat um Aufnahme in das Bündnis zum Schutz
des Gotteswortes. Und die evangelischen Fürsten zögerten keinen
Augenblick, ihr diesen Wunsch zu gewähren: alle trennenden Momente
zerstoben in ein Nichts der vereinigenden Kraft des gemeinsamen
Bekenntnisses des Gottesworts gegenüber. Allerdings hatten
es die Versammelten — augenscheinlich im Hinblick auf die bevorstehende
Eröffnung des Reichstages — so eilig, dafs die neue
Bündnisurkunde, welche die Stadt als Teilnehmerin der Vereinigung
anführte, nicht mehr ausgefertigt werden konnte. Die Stadt
erhielt daher zunächst nur eine Erklärung der Herren, welche besagte,
sie hätten in die Einigung‘, zu welcher sie sich jetzt aus
Verleihung göttlicher Gnade zu Förderung und Ausbreitung des
heiligen Wortes und Evangeliums und was demselben anhängig
aus christlicher guter Wohlmeinung mit einander entschlossen, die
Stadt Magdeburg auf deren sonderliches, unterthäniges Bitten, Erbieten
und Ansuchen mitaufgenommen; die förmliche Aufnahmeurkunde
aber versprachen sie der Stadt innerhalb vier Wochen
gegen einen Revers zuzustellen'), was denn auch geschehen
») Dafs die Initiative zur Aufnahme der Stadt von dieser ausgegangen
ist, erhellt schon aus dieser Erklärung der Herren; wir sehen, dafs diese gar
nicht darauf vorbereitet waren, die Stadt aufzunehmen (vgl. auch die Urk.
vom 25. Juni, nächste Anm.). Die Erklärung ist gedruckt bei Hortleder
a.24. 0. 8.1494; datiert Magdeburg 14. Brachmonat; im Weimarer Archiv