316
vorbei. Der Messerabstand entspricht der gewünschten
Halmlänge.
Zur Verleihung größeren Nährwertes suchte man
den Häcksel mit Rübenmelasse durch Rührwerke möglichst
innig zu vermischen. Diese auf anderen Gebieten
schon verbreiteten Mischmaschinen, ebenso wie
auch Mahlgänge zum Verarbeiten des Häcksels zu
dem leichter verdaulichen Strohmehl, sind erst unter
der Not des Krieges in weitere Kreise der Landwirtschaft
eingedrungen.
Die schwierigste Lösung lag für den Landwirt in der
Beschaffung und Erhalbung der Futtermittel.
Bei unserem inländischen Hauptfuttermittel, der
Kartoffel, beträgt der jährliche Durchschnittsverlust
infolge von Fäulnis 9—10 Proz. des Ernteertrages,
also 6ei- einem durchschnittlichen Fahresertrag von 50
Mill. t ein sehr erheblicher Posten, der sich in ungünstigen
Jahren noch steigert. Diesen Verlust hofft man
durch Trockenverfahren auszuschalten, wobei man zugleich
weitere Vorteile erreicht. Es enthalten:
Wafser Kohlehydrate
Rohe Kartofsen. 175 Prozent 21 Prozent
Trockenkartoffeln . 14 " 78
Es hat sich also beim Trocknen geradezu eine Umkehrung
in diesem Bestandteilsverhältnis vollzogen. Diese
Anreicherung der Nährstoffe macht die Trockenkartoffeln
zu einem hochwertigen Kraftfutter. Da nun zur
Herstellung von 1 Zentner Trockenkartoffeln ungefähr
4 Zentner rohe Kartoffeln verbraucht werden, 6 liegen
die weiteren Vorteile bezüglich Lagerung und Beförderung
auf der Land. eachtet man ferner, daß
rohe Kartoffeln vor dem Verfüttern gedämpft werden
müssen, so leuchtet ein, daß beim Vergleich die Kosten
der Trocknung nicht einmal voll in Rechnung zu stellen
sind. Dest Kosten schwankten im Frieden zwischen
0,30 und 0,70 Mk. für den Zentner Rohkartoffeln je
nach Kohlenpreis und Geschick des Heizers und der
Maschinenbedienung, wobei die größeren, selbstäudigen
Werke meist günstiger abschneiden als die kleinen,
der Gutswirtschaft als Nebenbetrieb angegliederten.
Unter dem Einfluß der Kriegsteuerung wird man nach
Angabe der Trochnungsanstalten den Trocknungspreis
für den Zentner Rohkartoffeln zu O,9o—1 Mk.
ansetzen müssen.
Zwei Verfahren sind zu unterscheiden: die Schnitzeltrocknung
und die Erzeugung von Kartoffelflocken,
die weiter zu Grieß und Walzmehl
verarbeitet und dann auch * den menschlichen Gebrauch
geeignet werden. Bis zu 20 Proz. davon kann
man ohne Schaden dem Brotmehl beimengen. Bei der
Schnitzeltrocknung werden die gewaschenen Kartoffeln
auf Maschinen mit umlaufenden Messertrommeln oder
scheiben zu Schnitzeln oder Scheiben zerkleinert; unter
ständigem Umlagern werden die Schnitzel im Heißluftstrom
getrocknet. Man verwendet hierzu umlaufende
Trommeln mit im Innern angebrachten Rieselflächen
(TafelIV, Fig. 6). Nach dem anderen Verfahren werden
die Kartoffeln zunächst gedämpft und dann zu Brei
gequeischt. Auf mit Dampf geheizten Walzen trocknet
er Kartoffelbrei zu einer dünnen, beim Abschaben
in zartweiße Flocken zerfallenden Schicht. Schon im
Frieden waren ungefähr 500 Kartoffeltrocknungs-III.
Technik und Kriegführung
anlagen im Betrieb, denen sich jetzt mit Unterstützung
des Staates mindestens 300 hinzugesellt haben. —
Kurze Erwähnung verdient noch ein drittes Verfahren,
das eine Herabsetzung der beim Verdampfen des Bassers
entstehenden Kosten durch Entfernen des Wassers
auf kaltem Wege, durch Pressen, anstrebt. Die erhaltenen
Preßkuchen können sogleich oder kurz vor dem
Verfüttern zerkleinert werden. Ein Teil der Eiweißtoffe
entweicht mit dem abgepreßten Wasser, so daß diees
aufgefangen und weiter verarbeitet werden muß.
Es ist selbstverständlich, daß ebenso wie Kartoffeln
auch Futterrüben und ähnliche Erzeugnisse auf
Trockenschnitzel verarbeitet werden können. Die Vorteile
einer Trocknung des Kornes für seine Bermahlung
und Backfähigkeit sind allgemein bekannt.
Goße Trocknungsanlagen ermöglichen dem Landwirt,
die Halmfrüchte auch bei ungünstiger Witterung
zu trocknen. Der Hordentrockner von Dr. Zimmermann,
Ludwigshafen, besteht aus einzelnen Horden
mit doppeltem Boden. Auf dem oberen Siebboden
wird das Trockengut ausgebreitet, worauf ein Gebläse
Luft in den Hohtraum zwischen den Böden einbläst.
Dort erwärmt sie sich an den Abdampfrohren
der Lokomobile, tritt durch den Siebboden und durch
das aufgehäufte Gut, um, mit Feuchtigkeit beladen.
zu entweichen. Gras, Getreide, Kartoffeln, Schnipell.
kurz alle möglichen Erzeugnisse, können auf diesem
Trockner behandelt werden.
Es konnte hier nur ein kurzer Überblick gegeben
und nur die wichtigsten Maschinengruppen konnten
in einzelnen Vertretern vorgeführt werden: zum
Teil sind sie erst im Kriege, vielfach durch diesen veranlaßt,
entstanden oder weiter ausgebildet worden.
Der deutsche Erfindergeist hat auch im Kriege nicht
erastet, und viele Landwirte, die jetzt der Not gegorchend
den Nutzen der Maschinenhilfe erfahren,
werden auch ferner treue Abnehmer der deutschen Judustrie
bleiben, deren Leistungsfähigkeit hoffentlich
jetzt auch jene erkannt haben werden, die früher auf
die Überlegenheit englischer oder amerikanischer Waschinen
geschworen haben. Ein „Verein zur Förderung
des Absatzes landwirtschaftlicher Maschinen und
Geräte= hat sich durch Zusammentritt zahlreicher hervorragender
Landwirte, Wissenschaftler und Fabri.
kanten gebildet, der natürlich seine Aufgabe darin
sieht, die deutsche Industrie zu stärken und in diesem
Sinne aufklärend unter Händlern und Landwirten zu
wirken. Die eroberten Gebiete, besonders Polen, haben
sich als aufnahmefähiger Markt erwiesen, und die
durch Zettel gekennzeichneten Gerätesendungen unter
Vermittlung der amtlichen Handelsstelle der deutschen
Handelskammer in Russisch-Polen genießen Bahn.
frachtvorzug. Aus Ungarn gingen zahlreiche Bestellungen,
vor allem auf Motorpflüge, ein, und es
steht wohl zu hoffen und zu erwarten, daß der Absas
unserer Maschinen nach den Ländern unserer übrigen
Verbündeten sart ansteigen wird. Und wenn außerdem
die Einschränkung der Einfuhr ausländischer
landwirtschaftlicher Maschinen auch nach dem Kriege
freiwillig aufrechterhalten bliebe, so könnten dem deutschen
Wirtschaftsleben allein auf diesem Gebiete 19
bis 20 Millionen Mark im Jahre erhalten bleiben.