Nur die mit einem “ bezeichneten Abschnikte sind zum Abdrucke freigegeben.
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* die Rriegsrohskoff-Gesellschaften.
Von Prokfessor Dr. Kurt Wiedenfeld.
1
Echon im August 1614 stellte sich slir die amtliche
Priegsrohstoff-Wirtschaft die Notwendigkeit heraus, noben
vem eigentlich behördlichen Apparat Organe zu schaften.
molche die technisch-#eschäftliche Seite der Nohsloff-Verwalzuug
erledigen sollten. Man sah. daß für die Vewertung
und Sortierung der eingelnen Roquisitiont-Posten, kür das
ransportioren und Lagern, für die Verteilung an die Verurbeiter
eine Summe von Sonderkenntnissen ersorherlich
ifl, welche in einer Behörde selbst dann nicht zusammengebracht
werden kann, wenn man ihre Mitalieder aus dem
Kreise der nurtschaftlichen und technischen Praxis enknimmt:
dor Umfang der Friegs-Rohstoff-Abteilung des HriensministeriumS
mwäre ins völlig Unütberiehbare gemachsen.
Dazu legte man Wert darauf, die Interessenten der einzelnen
Gewerbezweige in möglichst grostem Umtang an der
einheitlichen Rohstolf-Wirtschaft zu beteiligen. Endlich
sollte auch die Oeffentlichkeit einen Einblick in die Grundlinien
dos ganzen Systems erbalten.
Deszhalb wurde unter die Kriegs--Nohstoff-Abteilung.
wie sie am 8. August 1914 beim Nrensschen Kriegsministerium
errichtet worden ist, eine größere Anzahl bon Kriegsrohstofs-Gesellschaften
gestellt, die für ie ein Rohstoffgeblet
jene technisch-geschäftlichen Ausgaben erfüllen sollten. Alk
erste wurde am 2. September 1814 die Kriegs#retall-Aktiengesellschaft
gegründet. Die Kriegschemikalien-NA.-G., die
Kriegöwollbedarf-A.-G., die Kriensleder-A.-G. folgten sehr
rasch, und heute sind es — ungerechnet natürlich jene
Kriegsgesellschaften, die nicht dem Kriegsministerium
(K.N. A.), sondern dem Reichsamt des Innern und dem
Kriegs-Ernährungsami unterstehen und bier nicht behandelt
werden sollen — im ganzen 30 Organisationen. welche
diesem Zwecke dienen. Die größeren haben dabe die Form
der Akliengesellschaft bekommen, die kleineren die Form
der G. m. b. H., und da, wo ein Neuerwerb von Nobstoffen
nur in geringem Umfang in Frage kam, sind auch bei
einigen Großbanken Abrechnungsstellen errichtet worden,
welche zwar ohne eigenes Kapital arbeiten, sachlich aber den
Gesellschoften gleichzustellen sind. Die eingezahlten Kapitalien
bewegen sich zwischen 25.000 Mark und 1 800 000
Mark. Das höchste Nominalkapital hat die Kammwoll-Aktiengesellschaft
mit 6.25 Millionen Mark: die Kriegs-Chemikalien-Aktiengesellschaft
und Krieas-Metall-Aktiengesellschaft
mit je 6 Millionen Mark folgen ihr dicht.
Diese Kriegs-Rohstoff-Gesellschaften maren ursprünglich
als Selbstverwaltungskörper von Industrie und Handel
gedacht. Deshalb ist in den Sabungen ganz allgemein
jedem Jnleressenten der Beitritt offengehalten und mit den
ursprünglichen Gründern vereinbart worden daß sie aus
ihrem Anteilbesitz die für neneintretende Mttalieder erforderlichen
Beträge zur Verfügung zu stellen haben. Die
Form der Akliengesellschaft ist für die gröheren Unternehmungen
gerade deshalb gewählt. weil bei ibr der Beitritt
neuer Mitglieder sich am einfachsten bewirken lüsle
und weil eine gewisse Oessentlichkeit der Verwaltung, rechtlich
gefordert wird. Die A ktien lauten natürlich auf Namen
und können nur mit Genehmigung des Aufsichtsrates libertragen
werden. Jeder Aktionär ist vervflichtet — unabhängig
von der später eingeführten nesetzlichen Meldepflicht
— der Gesellschaft jederzeit alle eingeforderten Angaben
über seine Bestünde an marhon.
Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt, die Gemeinnilbigkeit
der neu geschaffenen Mohstoff- Organe satzungsmäszig
festzulegen. Den amtlichen Zentralstellen deß Reichs
und Preusens ist desbalb das Recht eingeräumt, staatliche
Kommissare in die Auslichtsräte der Gesellschaften zu ent—
senden mit dem Wetorecht genenüber allen Beschlüssen, die
lich auf die Boschaffung. Verteilung oder Verwertung der
bewirtschafteten Uuren beziehen, und die letzte Enkscheidung
ist in die Hand des Reichskanzlors gelegt worden. NI#
Gegonstand der Unternehmungen ist die Bewirtschaftung
von Nohstosken und Ergens#nissen bezeichnet. „someit sle zur
Sicherstellung des industriellen Bedarfs für Heer und
Marine erforderlich sind.“ Endlich ist die Verzinsfung des
Aktienkapitals eniweder ganz ausneschlosien — lo bei den
größten Nohstofs-Gesellschasten — oder aber auf 4, #
einigen Fällen auf 5 Wroz. beschräukt; bon der Erzlelung
eines Gewinns für die Aktronäre kann also ebensowensg die
Rede sein, wie Vorstand und Mufsichtsrat Gewinnanteile bekommen
können. chluß des
——.
3 Der gunze Ueberschun, der am Sch
Krieges etwa noch verbleibt, kliebt ungekürzt dem Nelche zu.
II.
Vel dsesem Ausban als Sesbswerwaltungslörper sind
die Nohftoss-Gesellichaften nicht lange verblieben. Gerade
weil jede Gelinuverteilung kür die Aktionäre ansgeschiofsen
war, machie sich alehald, nachnem dutch die Roqnisigionen
in den besetzten Gebieten und durch Aufkauf im Inland
und AusSland betrüchtliche Mongen von Nohstossen in die
Verwaltung der Gesesischaften nelangt waren. bei ihren
Mitgliedern die Auffassung geltend. daß die Nohfstofk-Vorräte.
welche mit Hilfe ihres Tapitalt berangebracht oder
doch aus ihrem Kapital bezahlt warden, nn auch in ersser
Linie den Aklionären zuflioßen müßten. Itgendein Eutgelt
für die zins- oder doch gewinnlose Hingabe des Kapitals
glaubte man erwarsen zu dürfen. Die Forderung
nach bevorzugter Berücksichtigung bei der Verteilung lourde
baher auch ganz offen, nicht etwa gebeim, aufaestellt
66 staakliche Interesse ging ledoch in anderer Nichtung.
Als Aktionäre waren nämlich selbstverständlich zunächst
diesenigen Firmen herangezogen worden, die man als
führend und als besonders kapitalkräftig kannte, d. b. die
größten Industrie- und Handels-Unternehmungen der einzelnen
Gewerbezweige. Eben diese mußten aber wegen der
Gröbe ihrer Betriebe in jedem Augenblick über besondere
große Vorräte an Rahstossen und sonstigen Verarbeitungs=Matertalien
verfügen. Wie soll denn der Belrieb einer so
gewaltigen Gefellschaft, wie etwa- der A.E.G. oder der grosten
Farbenfabriken störungslos verlausen, wenn nicht sodergeit!
für eine größere Anzahl von Wochen und selbst Monaten
Nohstoffe vorhanden sind. Sie waren mithin auch in den
Krieg mit größeren Beständen hineingegangen. Daneben
gab es aber kleinere Firmen, die für die Deckung des Kriegsbedarfs
ebenfalls wichtig waren, zum Teil sogar in dert
ersten Zeit des Krieges dank den ichon im Frlieden abgeschlossenen
Kriegslieferungsverträgen wesentlich wichtiger
als jene großen. Bei ihnen fehlte es hald an Nohstoffen.
wöhrend doch in Gestalt von Arbeitskräften und Malchinen:
die Verarbeitungsmöglichkeit vorhanden war. Ihnen nun
mehr Rohstoffe zuzuführen, mußte also der behördlichen
Rohsloff-Wirtschaft als bedeutsamste Aufgabe erscheinen
Der technssche Gedanke, ungenutzte Arbeitskräfte in Betrie