Full text : Zwischen Krieg und Frieden. Band 11. Das Deutsche Elend in London. (11)

Einer  deutschen  Pfarrfrau  wird  aus  dem  Lager  mitge—
teilt,  ihr  Mann  koͤnnte  durch  Hinterlegung  von  1000  Mk.
und  Bürgschaft  dreier  angesehener  Engländer  eventuell  frei
werden.  Nachdem  alles  beigebracht,  wird  die  Freilassung
nicht  bewilligt.  Als  sie  auf  der  Bank  das  Geld  zurückholen
  will,  wird  es  ihr  verweigert.  Es  sei  der  Militärbehörde
  im  Lager  gemeldet  und  könnte  nicht  ohne  weiteres
zurückgezogen  werden.  Sie  bringt  die  Bescheinigung  des
Kommandanten,  daß  die  Summe  von  ihm  freigegeben  ist.
Aber  mit  Achselzucken  wird  ihr  jetzt  erwidert,  daß  an  Deutsche
  überhaupt  kein  Geld  ausbezahlt  wird,  obgleich  sie  Beweise
  bringen  kann,  daß  diese  Summe  nicht  ihr  gehört.  Sie
ist  auf  ihren  Namen  eingetragen,  anders  ging  es  ja  nicht,
wird  niemanden  sonst  ausbezahlt  und  ihr  als  Deutschen  erst
recht  nicht.

Ein  anderes  Mal  kommt  aus  den  Lagern  die  Schreckensnachricht,
  daß  jeglicher  Verkehr  abgebrochen  ist.  Weder
Briefe  schreiben  noch  erhalten.  Sie  durften,  sowieso,  nicht
länger  als  zwei  Seiten  sein.  Nach  zehn  Tagen  wurde  dieser
Zustand  wieder  aufgehoben,  es  war  aber  lange  genug,  da
in  keiner  Weise  angedeutet  worden,  daß  es  nur  vorübergehend
  sein  könnte.  Es  ist  dies  alles  doch  ein  Katz=  und
Mausspielen,  das  der  Engländer  mit  dem  ihm  schutzlos
preisgegebenen  Deutschen  treibt.  Auf  der  Polizei  meines
Wohnortes  liegen  vier  Briefe  an  mich  vom  dortigen  holländischen
  Konsulat,  die  mir  nicht  ausgeliefert  werden.  Dazu
  hat  die  Polizeibehörde  des  betreffenden  Ortes  kein  Recht,
wenn  die  Briefe  von  dem  Zensor  durchgelesen  waren.  Aber
was  will  man  tun?  Ein  englischer  Verwandter  aus  London
schreibt  mir  nur  offene  Briefe  durch  die  Polizeibehörde,  um

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