Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

—  67  —

zur  Verheiratung  mit  einem  armen,  aber  braven  Burschen  versagt
—  kaum  aber  hatte  sie  diesen  verzeihlichen  Wunsch  geäußert,  als
der  mürrische  Feuerpudel  sie  wütend  anfuhr,  mit  den  Zähnen  er—
faßte  und  mit  solcher  Gewalt  in  die  finstere  Aacht  hinausschleuderte,
daß  sie  erst  unweit  ihrer  Behausung  sehr  unsanft  auf  dem  Boden
ankam.  Ihr  Schatz,  nachdem  er  einige  Zeit  darauf  von  ihr  den
erlittenen  Unfall  erfahren,  stellte  die  Sache  klüger  an.  Die  nächste
Nacht  begab  er  sich  an  den  Berg  in  der  Hoffnung,  die  Bekannt—
schaft  des  Pudels  zu  machen,  der  auch  sehr  bald  schnüffelnd  und
schnaubend  in  den  Sträuchern  erschien  und  ihn  durch  seltsame  Ge—
bärden  zum  Folgen  einlud.  Die  Aacht  war  rabenschwarz  und  bei—
nah  klopfte  Christophen  das  Herz,  als  er  dem  feurigen  Führer
durch  das  Gestrüpp  mühsam  nachkletterte.  Doch  siehe  da,  bald
stand  er  an  der  ersehnten  Pforte,  bald  auch  in  dem  geheimnisvollen,
köstlich  erleuchteten,  von  Edelsteinen  blitzenden  Saale;  aber  er  stellte
sich  entsetzlich  dumm  und  fingierte  förmlichen  Blödsinn  und  gerade
dadurch  erwarb  er  nicht  nur  des  Pudels  gnädigste  Gewogenheit,
sondern  auch  die  mehrerer  anwesenden  Berggeister,  wie  es  so  oft
heutzutage  noch  vielen  wirklich  dummen  Leuten  geht,  daß  sie  andern
gefallen.  Er  bewunderte  den  schönen  Eiskeller,  und  als  man  ihm
ganze  Körbe  voll  Diamanten  zeigte,  wunderte  er  sich  über  die
gläsernen  Haselnüsse.  Man  bot  ihm  davon  an,  aber  er  weigerte
sich  zu  nehmen,  weil  er  das  harte  Zeug  nicht  beißen  könne;  „nun
so  nimm  doch  deinem  Mlädchen  wenigstens  einige  mit!“  sagte  einer
der  Geister  und  füllte  ihm  alle  Taschen  mit  Diamanten.  Hierauf
empfahl  er  sich  ziemlich  tölpisch,  und  da  der  Pudel  ihm  wieder
hinableuchtete,  Kam  er  glücklich  ins  Tal.  Er  aber  lachte  sich  ins
Fäustchen,  die  Geister  getäuscht  zu  haben,  heiratete  sein  Mlädchen,
kaufte  sich  für  seinen  Reichtum  das  ganze  Dorf,  und  seine  ANachkommen
  khönnen  noch  heute  lachen.

80.  Eine  Teufelsdohle  besucht  die  Oberlausitzischen  Stände.
Gräße,  Bd.  II,  Nr.  776;  Haupt,  Sagenbuch  der  Lausitz,  Bd.  I,  S.  156.

Als  in  Böhmen  der  Dreißigjährige  Krieg  ausgebrochen  war,
hielten  die  Lausitzer  Stände  eine  Zusammenkunft  zu  Budissin  um  zu
beraten,  wie  sich  das  Land  in  solchen  Kriegsläuften  zu  verhalten

5