Full text : Für unsere Kleinen. Hessische Fibel. 2. Teil. (2)

11

und  lustig  ist's  auch,

wie's  Vöglein  im  Strauch.

Doch  geht  es  zur  Ruh',

lacht  es  freundlich  mir  zu.

Und  wenn  es  erwacht,

da  küßt  mich's  und  lacht.

Drum  lieb  ich's  so  sehr,
wie  nichts  auf  der  weiten  Erde  mehr.“

2.  Kindlein,  o  sprich,

warum  liebst  du  dein  Mütterlein  doch  so  inniglich?
Und  das  Kindlein  spricht:
„Das  weißt  du  nicht?
Weil's  mich  hegt  und  pflegt,
auf  den  Armen  mich  trägt,
wacht,  wenn  ich  bin  krank,
gibt  mir  Speis'  und  Trank,
gibt  mir  Kleider  und  Schuh'
und  viele  Küsse  dazu,
und  ist  mir  so  gut,
wie's  kein  anderer  tut.
Drum  lieb'  ich's  so  sehr,

kann  gar  nicht  sagen,  wie  sehr,  wie  sehr!“

Robert  Reinick.

16.  Gott  sieht  alles.

Brüderchen  und  Schwesterchen  waren  einmal  allein  zu  Hause.
Da  sagte  das  Brüderchen:  „Die  Mutter  ist  fort,  wir  wollen  uns
etwas  zu  essen  suchen  und  es  uns  gut  schmecken  lassen.“  Schwesterchen
sprach:  „Wenn's  niemand  sieht,  so  will  ich  wohl  mitessen.“  „Komm
mit  in  die  Speisekammer!“  sagte  das  Buiderchen,  „dort  steht  die
Milchschüssel,  von  der  wollen  wir  den  süßen  Rahm  abessen."“
Schwesterchen  sprach:  „Mit  nichten,  dort  sieht's  der  Nachbar,  der
hinter  dem  Fenster  Holz  spaltet.“  „So  komm  mit  in  die  Küche!“
spricht  das  Brüderchen,  „im  Küchenschrank  steht  der  Honigtopf.“
Schwesterchen  sprach:  „Mit  nichten,  dort  sieht's  die  Nachbarin,  die
an  ihrem  Feuster  sitzt  und  spinnt.“  —  „So  komm  mit  in  den
Keller!“  spricht  das  Brüderchen,  „dort  essen  wir  Apfel,  und  es  ist