Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

343 Bekenner 
kind Goethe nat. Trcht. 1, 5; mit abhäng. Satze: be- 
kennen. das cs eine strafe ist von gott Ind. 8, 22; mit 
unterdrücktem Acc.: bekennet nu dem herrn Efr. 10, 11; 
so man mit dem munde bekennet Röm. 10, 10. 2) ein- 
gssehen, als richtig anerkennen: bekenne das recht frei 
Sir. 4, 27; die (meine Gedanken) will ich dann treulich 
bekennen Bürger Kaiser u. Abt; keins von beiden 
wird bekennen, dasz sie nach demselben trachten 
Goetbe Div. 5,2; ohne Obji.: da du mich fragst, so 
darf ich dir bekennen Goethe nat. Tocht. 1, 5; als 
Empfänger, Schuldner: ich bekenne den empfang der 
gevannten summe, bekenne, dasz ich die summe er- 
halten habe; im Kartenspiel farbe bekennen, auf eine 
vom Andern angespielte Farbe die gleiche solgen lassen, 
bildlich: er soll farbe bekennen, sagen was eigentlich 
seine Meinung ist; als Schuldiger: (einem) sunde (J. Mos. 
5, 7), schande (2. Chr. 30, 15), ubertretung (Ps. 32, 5), 
missethat, schuld bekennen; er bekannte, dasz erschuldig 
sei; ich unterzeichneter bekenne dasz. Goethe 
Clav. 2; ich bekannte was wahr ist Schiller Kab. 5,2; 
er bekennt es gethan zu haben; ohne Obj.: der ver- 
brecher hat bekannt; er bekandte und leugnet nicht 
Joh. 1, 20; wie weit kamst du mit ihr? ich ermorde 
dich, oder bekenne! Schiller Kab. 4,3; in älterer Spr. 
kbeklagen. 
auch als Zeuge: so wöllen wir auf dich hekennen, das: 
wir einen jungen gesellen allein bei dir funden haben 
Suj. 21; und, wie mhd. — erkennen, als Sachver- 
ständiger: da ward die mainung Arrii fur kezerei be- 
kant Aventin 1, 1022; das bekennest du, che dn etwas 
davon gesehen hast Simpl. 2, 55. 3) refl. durch Er- 
klärung sich darstellen: sich 2u einer lehre, einem glauben 
bekennen; darzu bekennt er sich Henisch; mit zwil- 
lingen, wozu sie um ihr leben sich nicht bekennen 
kann Wieland Perv. 2, 7; sich als sunder. verbrecher, 
schuldig, fur schuldig bekennen; der czar, des sohn 
ieb mich bekenne Schiller Demetr. 1, 70. — Be- 
kenner, m. der bekennt (namentlich nach dem Verb. 1): 
diese wahrbeit verdammt ihren bekenner zum tode 
Schiller 4, 49; im altlirchlichen Sinne: bekenner und 
mürtyrer. — Bekenntnis, n., älter auch f. Bekennen einer 
Sache, mhd. bekantnisse, bekentnisse (namentlich im 
Sinne von Erkennen); in Bezug auf Lehre, Glauben, 
Wahrheit: eonsessio bekentenis, bekentuysz, bekantnus 
Dies.; fur Christo Jheso, der unter Pontio Pilato be- 
zenget hat ein gut bekentnis 1. Tim. 6, 13; lassct uns 
halten an dem bekentnis Hebr. 4,14; in Bezug auf 
Schuldiges, Schuld, Sünde: ein bekenntnis thun, ab- 
legen; das sundenbekenntnis in der Beichte; die bekand- 
nus desz französischen zanberers Gastredi Simpl. 4, 187; 
das bekünntnis willst dn noch haben Schiller Fiesko 
4, 12; auf innere Stimmung: die beiden ehleute machten 
umstandlieh ihre bekenntnisse Goethe Wablverw. 1,2; 
bekenntnisse einer schönen seele W. Meister 6: an den 
Begriff Erklärung rührend: den feind, welcher seiner 
selbst bekanntnus nach viermahl stärker .. gewesen 
Zinkgref Apophtb. 1,208; unter dem bekünntnis hebt 
sich mein busen königlich empor Schiller 5, 61. 
Beklagen, Klage führen, ahd. pichlagon, biclagön, 
mhd. beklagen; allgemein, einen, den verlust eines 
freundes, einen toten; den elenden stand der statt be- 
klagen Henisch; du sagst, man beneide mich be- 
klagen soll man mich vielmehr Schiller Kab. 2, 1; 
sprichwörtlich: besser bewahrt als beklagt; refl.: es wer- 
den sic beweinen und sich uber sie beklagen die könige 
Offenb. 18, 9; in maszen er sich ganz jämerlich be- 
klagt Fischart Garg. 82; ich bin nur stets gesessen 
und habe mich beklagt Opitz 2, 190; mit dem Sinne 
sich beschweren: da wil ich mich allererst beklagen 
Walther 32, 15; sich uber schlechte bebandlung, bei 
einem, gegen einen beklagen; mich uber euch recht 
bitter zu beklagen Wieland Klelia 5, 340; wie hier 
zu Schwytz eich alle redliche beklagen ob dieses land- 
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vogts geiz Schiller Tell 1, 2; in rechtlichem Sinne, 
Klage, Anllage erbeben, einen: ein man hette den an- 
dirn beclagit umb gelt Magdeb. Frag. 2, 2, 18; das nie- 
mand kain christen von des glanbens wegen beclagen 
oder anclagen solt Aventin 1, 878; davon jetzt noch 
als Rechtsansdruck der, die heklagte; beklagter leugnet 
alle verbindlichkeit. — beklatschen, 1) klatschend Beifall 
spenden, einen, etwas; bis der herr von Voltaire heraus- 
treten, und sich begaffen und beklatschen lassen muszte 
Lessing Dram. 36; dieser von der menge wuthend 
beklatschte schwank C FMeyer Nov. 2, 180. 2) durch 
Klatsch verleumden: man beklatschet jemanden Ade- 
lung. — bekleben, in älterer Spr. intrans., klebend sest- 
haften: ist etwas in meinen händen beklebt Hiob 31,7; 
die vögel bleiben an den stangen bekleben Stieler; 
jetzt trans. klebend bedecken, mit papier. leinwand Ade- 
lung; die wünde mit tapeten bekleben. — bekleiben, 
haften, wurzeln, mhd. bekliben, in älterer Spr. häufig, 
von Dichtern bis auf die heutige bewahrt: pflanzen, die 
oft versetzt werden, bekleiben nicht Henisch; masonei, 
welche so tiefe wurzeln in diesem neuen boden schlug, 
dasz sie beklieb Lessing Ernst u. Falk 5; ((ich Rose) 
die ich in thau und regen darf bekleiben Platen Lieder; 
auch — stecken bleiben: so mögt ihr denn im dreck be- 
kleiben Goethe Sat. 5. — bekleiden, mit Kleid ver- 
sehen, mhd. bekleiden, einen: das sie. wol bekleidet 
sein Jes. 23, 18; jr habt mieh bekleidet Matth. 25, 36; 
das auch Salomon nicbt bekleidet gewesen ist, als 
der selbigen (Lilien) eins 6, 29; ein kleid, nur schlecht 
und recht, bekleidet dich Bürger an den Mond;: mit 
etwas: mussen .. mit jrer schand bekleidet werden, 
wie mit einom rock Pf. 109, 29; war bekleidet mit 
kameelharen Marc. 1, 6; refl. sich mit einem hemd, 
rock, umhang bekleiden; bekleidet sich mit einem sack 
Ind. 9, 1; in weiterem Sinne, altar; wall mit rasen; 
die wand bekleiden, bewerlen Henisch; jene berge, 
vom fusz bis zum gipfel mit boben dichten bäumen 
bekleidet Goethe 16, 71; die dessen herzmuskel be- 
kleidende fettschicht C FMeyer Nov. 1, 125; endlich 
einen mit einer wurde, stelle bekleiden (dem mittellat. 
investire, eigentlich mit den Zeichen eines Amtes ver- 
sehen, nachgebildet); danach auch ein amt bekleiden 
Stieler; einen platz# bekleidet zu haben Goethe 
W. Meister 3, 11. — Bekleidung, k. das Belleiden: be- 
kleidung der armen zu weihnachten, einer wand mit 
tapeten, eines walles mit rasen; bekleidung eines amtes, 
einer würde: das dazu dienende: bekleidung, umickus, 
vestiarium Stieler; im winter ist warme bekleidung 
nötig; die holzbekleidung des hauses fieng feuer. — 
beklemmen, zusammenpressen, mhd. beklemmen im eigentl. 
Sinne von klemmender Fessel, uhd. nur noch auf be- 
engtes Inneres gewendet: ein .. ich weisz nicht was, 
das in der luft zu liegen schien, beklemmte mich Goethe 
Du W. 2; was kann dein herz beklemmen Schiller 
Tell 1, 2; hast du gefuhlt ein brustbeklemmend sehnen 
Freiligrath 2, 187; viel im Part. Prät.: beklemmtes 
herz Stieler; Verrina umarmt sie beklemmt Schiller 
Fiesko 1, 10; sie sind so beklemmt und traurig Iff- 
land Bewußts. 4, 3; da er . gich beklemmt fuhlte 
Keller Seldw. 2, 253. — beklommen, Part. bes mbd., 
jetzt verschollenen beklimmen, zusammenpressen, seit vor. 
Ih., von Niederdeutschland her, wo es sich erhalten hatte, 
dichterisch wieder in Gebrauch gekommen, auf das be- 
ängstigte Innere übertragen (wie schon mhd.: ir be- 
clummen herze Elis. 4204): schnauft der beklommne 
stier Hagedorn Fab. 2, 8; den beklommnen mutter- 
busen Schiller Kindem.; hier in diesen erdbeklomm-- 
nen luften Rückert Liebesfr. 1, 65; anch in verbaler 
Fügung: hat dir je den busen liebesschmerz beklom- 
men? Platen Gasel. 46. 
Bekommen, eigentlich berzukommen, in unmittelbare 
beklatschen — bekommen. 
Nähe gelangen, goth. bigiwan (= überfallen), ahd. di-