nicht mehr annehmen wollen, sondern allen Flehens
und Fußfallens ungeachtet frei herausgesagt: Altona
sollte und mußte brennen. Dazu ist noch ein
anderer Grund gekommen, indem der dänische Kommandant
erklärte, er habe von seinem König keine
Order Brandschatzung zu geben; darauf der Herr
General Steinbock gesagt, nun sollten sie gegen
Nachts erfahren, was er für Order hätte. Also
ging es die Nacht vom Sonntage zum Montage an,
da Altona an allen Ecken angesteckt und innerhalb
zwölf Stunden über 3—4000 Häuser aufs erschrecklichste
in die Asche gelegt worden; damit Altona,
welches Sodom in den Lüsten, Greueln umd Ungerechtigkeiten
gleich komme, auch gleiche Strafe mit
Sodom erfahren müsse zu einem abscheulichen Exempel
und göttlichen Zornspiegel aller Menschen.
Wie ging es aber nun mit uns? Das soll mein
lieber Leser auch hören. Gleichwie wir bei der
Flucht anderer Menschen nicht einen Zwirnsfaden
gerührt, sondern in einfältigem Vertrauen auf Gott
und seinen Schutz es gewagt haben, wenn es je auf
ein Plündern los gehen sollte, so glaubten wir,
daß uns nicht mehr, als was nützlich, geschehen
bönnte. Also schliefen wir dieselbe Nacht ohne alle
Sorge bis nach 12 Uhr. Da kommt Freund
mit seiner Frau und seinen Kindern und klopft stürmend
an unser Fenster mit ängstlichem Geschrei, ihm
aufzunachen; denn ganz Altona stünde im Feuer.
Worauf wir alle aufstanden, und da wir dies feurige
Trauerspiel mit Erstaunen gesehen, mit ihm
nach seinem Hause liefen und seine Sachen zu uns
schleppen halfen. Mittler Zeit kamen noch andere
bekannte Leute aus dem Feuer zu uns gelaufen,
welche gar wenig von dem Ihrigen gerettet. Wir
vereinigten uns im Gebet zu Gott, und da wir leider
sahen, daß auch schon um uns herum die nächsten
Häuser in vollen Flammen standen, hielten wir
noch brünstiger an. Da denn im Gebet meine Seele
eine rechte Freudigkeit empfand, womit ich auch die
andern tröstete und göttlicher Hilfe versicherte, kam
mir der Gedanke, was Gott vor Alters her getan,
und ob wir auch unwürdig wären, würde er doch
den schwachen Funken des Glaubens und Vertrauens
nicht zu schanden machen; sondern seinen
Namen bei seinen Kindern und wider der Welt Unglauben
verherrlichen.
Indessen machten wir uns fertig, auch davon zu
gehen mit den Kinderchen, wo sie das Unserige ja
ansteckenn sollten; denn wir hatten alles Goltes Willen
übergeben, wissend, daß wir nackend vom Mutterleibe
kommen und also wieder davon müßten:
doch blieb mein schwaches Vertrauen noch fest. Darum
als die Brenner endlich ankamen und alles voll
Angst und Schrecken ward, ging ich ihnen mit Freudigkeit
entgegen, und kaum hatte ich mit ihnen zu
reden angefangen, da wurden diese Soldaten zu
zahmen Lämmern, zogen ihre Hüte vor mir armen
Kreatur ab und der eine warf die Pochhacken aus
der Hand so weit er konnte. Ja, da meine Magd
aus Augst die Betten von oben herunterwarf, rede-Unser
Dommerland
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ten sie zu, man solle nur alles darinnen lassen, sie
würden unser Haus nicht anrühren; sie sollten wohl
ein Trinkgeld haben, aber von uns begehrten sie
nichts. Nur möchte ich mit ihrem Kapitän, der vor
der Pforte hielt, reden, damit sie keine Verantwortung
hätten; denn sie wären alles anzustecken kommandiert.
Ja, sie gingen gleich vom Hause weg
und zeigten mir den Kapitän, dessen Herz alsofort
gerührt ward, und billigte der Soldaten ihr Verschonen
Wir fielen hierauf sämtlich auf unsere Knie
und zerflossen fast von Tränen aus Dankbarkeit gegen
unsern ewigen Erretter. Es kamen darauf noch
ein paar Soldaten, die auch ganz zahm wieder weggingen.
Aber damit wars noch nicht aus, noch
wollte der Herr unser Vertrauen prüfen, und diese
letzte und dritte Probe war die heftigste und empfindlichste.
Denn kaum eine Stunde hernach kamen
von einem andern Kapitän Auskommandierte und
drangen ins Haus mit Feuer und bloßen Degen.
Ich redete ihnen zu. Aber diese Gesellen, die Lust
zu plündern gehabt, gaben mir zur Antwort, sie
müßten plündern; blieben aber dann im Hause bestürzt
stehen und haben keine Hand an etwas gelegt.
Diese nun sagten, ihre Order wiäre, anzustecken;
wo ich von ihrem Kapitän nicht andere Order
brächte, könnten sie nicht helfen. Der Kapitän
hielt hinter einem grausamen Feuer und der Nauch
war schon wie die dickste Finsternis. Ich stieg über
zwei Planken, sah aber noch keinen Kapitän; fragte
einige Soldaten, die hinter das Feuer liefen, wo
er hielt. Ich fragte, wie da durchzukommen wöäre,
da möchte ich zusehen, war die Antwort; num wagte
ich es auf Gokt, lief ins Feuer und fielen mir zu
beiden Seiten die brennenden Balken herunter. Ich
kam unversehrt hindurch und traf auch den Kapitän
an, dem ich freundlich remonstrierte, daß wir
Fremdlinge allhier wären, die im Exil lebten und
hätten mit niemanden etwas zu tun. Aber die Antwort
des Kapitäns war hart: Der Henker möchte
wissen, wer wir wären und das Haus einem andern
gehöre, so würde nur dem damit gedienet, dem
das Haus zustünde.
Kaum aber waren diese Worte heraus, so war
sein Herz gleich anders gerührt, und er ritt in
einem weiten Umweg und rief die Brenmer davon
ab, welchen unterweilen fast die Zeit zu lang werden
wollen, gingen aber darauf mit der größten
Freudigkeit davon; und also saßen wir mitten im
Feuer, welches auf allen Seiten um unser Haus
herum brannte; aber die Flammen haben uns nicht
ergreisen dürfen.
Nun wissen wir wahrhaftig, daß der Herr ein
lebendiger Gott ist und hilft allen, die ihm vertrauen.
Er tut große Wunder und hält fest an
seiner Zusage. Jesatas Kap. 43 da er spricht:
Fürchte Dich nicht; denn ich habe Dich erlöset. Ich
habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist
mein. Denn so Du durchs Wasser gehest, will ich
bei Dir sein, daß Dich die Ströme nicht sollen ersäufen.
Und so Du ins Feuer gehst, sollst Du