Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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diese  einem  transzendentalen  Ideal  zugrunde  legen,  von  der  als
höchste  Realität  das  Wesen  aller  Wesen  als  Gottesbegriff  gedacht  werden
kann.  Nach  einer  natürlichen  Illusion  lassen  wir  dabei  einen  Grundsatz,
  der  eigentlich  nur  für  Sinnendinge  gelten  kann,  für  alle  Dinge
gelten.  D.  h.  den  Begriff  der  Realität  der  uns  gegebenen  Sinnendinge
dehnen  wir  zu  einem  Inbegriff  der  Realität  aller  Dinge  aus.  Aus  der
Idee  vom  Inbegriff  aller  Realität  wird  in  der  Weise  das  Wesen  aller
Wesen  gemacht,  daß  durch  die  distributive,  d.  h.  verteilende  Einheit  des
Erfahrungsgebrauchs  des  Verstandes  in  die  kollektive,  d.  h.  zusammenfassende
  Einheit  eines  Erfahrungsganzen  dialektisch  verwandelt  wird.

Der  ontologische  Beweis  für  das  Dasein  Gottes  schließt  nun  aus
dem  Begriffe  Gottes  als  des  allerrealsten  Wesens  auf  seine  Existenz,
da  diese  und  zwar  als  notwendig  zu  den  Realitäten  gehört  und  im  Begriffe
  des  allerrealsten  Wesens  mit  enthalten  ist.  Nach  obigen  Ausführungen
  ist  der  Begriff  des  allerrealsten  Wesens  nur  ein  Gedankending,
  bei  dem  das  Sein  gerade  ein  Prädikat  ist,  das  sich  unserer  Erfahrung
  entzieht.  Legt  man  das  Sein  aber  schon  in  den  Begriff  des
Subjekts,  so  hat  man  nichts  weiter  als  eine  Tautologie,  d.  h.  ein  ana-Ilhtisches
  Urteil.  Die  Behauptung  aber,  die  bewiesen  werden  soll,  lautet:
Gott  ist,  und  diese  ist  wie  jeder  Existenzialsatz  ein  synthetisches  Urteil,
das  in  bezug  auf  Gedankendinge,  wie  im  vorhergehenden  erörtert,
niemals  a  priori  bewiesen  werden  kann.

Der  kosmologische  Beweis  schließt  daraus,  daß,  wenn  überhaupt
etwas  existiert,  auch  schechthin  ein  notwendiges  Wesen  als  dessen  Ursache
existieren  muß.  Dieser  Beweis  ist  nach  Kant  nicht  mehr  die  Außerung
einer  erlaubten  Hypothese,  sondern  die  dreiste  Ammaßung  einer  apopiktischen
  Gewißheit,  da  die  Prinzipien  der  Vernunft  zu  einer  Kausalreihe
über  die  Erfahrung  nicht  hinausführen  können,  und  über  diese  kann  man
wohl  etwas  als  möglich  aber  nicht  als  wirklich  und  notwendig  erkennen,
wie  schon  bei  der  dritten  Antinomie  dargelegt  ist.  Aber  selbst  wenn
man  auf  eine  erkennbare  schlechthin  notwendige  Ursache  käme,  so  ist  damit
  diese  noch  nicht  als  das  vollkommene  Wesen  erwiesen,  hierzu  müßte
erst  wieder  der  ontologische  Beweis  herangezogen  werden,  dessen  Ungültigkeit
  im  vorstehenden  dargelegt  ist.  ·

Der  physikotheologische  Beweis  schließt  aus  der  Zweckmäßigkeit
der  Natur  auf  die  absolute  Weisheit  und  Macht  eines  Urhebers.  Nach
Kant  verdient  dieser  Beweis  mit  Achtung  genannt  zu  werden,  da  er  der
älteste,  klarste  und  der  gemeinen  Menschenvernunft  am  meisten  angemessene
  ist.  Sachlich  hat  er  aber  nicht  die  geringste  Gültigkeit,  da  er
die  Vernunft  von  einer  Kaufalität,  die  sie  kennt,  zu  dunklen  und  unerweislichen
  Erklärungsgründen  führt,  die  sie  nicht  kennt.  Wenn  dieser
Beweis  von  der  Ordnung  und  Zweckmäßigkeit  der  Welt  auf  das  Dasein