Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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Teils  der  Kurfürsten,  die  Städte  zum  Ausschuls  zuzulassen,  allem
Anschein  nach  der  Plan,  einen  Gesamtausschuls  zu  verordnen,  gescheitert
  war.  Und  auch  der  anfängliche  Beschlufs  der  Stäude,
ohne  Ausschuls  zu  handeln,  war  wesentlich  aus  der  Besorgnis  geflossen,
  die  lutherisch  gesinnten  Städte  möchten  anderenfalls  bei  den
Beratungen  ihren  Standpunkt  zur  Geltung  bringen‘).  Es  erhellt
hieraus,  dafs  die  eingerissene  kirchliche  Spaltung  die  Stellung  der
Städte  auf  den  Reichstagen  zunächst  mehr  erschwerte  als  erleichterte.
Die  Altgläubigen  mufsten  in  den  Städten  einen  der  mächtigsten
Pfeiler  des  Luthertums  im  Reiche  erkennen  und  daher  nur  um  so
eifriger  darauf  bedacht  sein,  ihren  Einflufs  einzudämmen;  auf  der
anderen  Seite  aber  wurden  diejenigen  aus  dem  Herrenstande,  welche
den  Städten  kirchlich  nahestanden  und  mit  ihrer  Haltung  ın  der
Glaubensfrage  sympathisierten,  doch  vielfach  durch  die  Interessen
oder  Vorurteile  des  Standes  abgehalten,  für  die  Hebung  des  städtischen
  Elements  auf  den  Reichsversammlungen  wirksam  zu  sein.
So  begreift  es  sich,  wenn  wir  auch  dann  noch,  als  die  anfängliche
katholische  Majorität  auf  fürstlicher  Seite  bereits  zerfallen  und  die
Vornahme  der  Mifsbräuche  und  Beschwerden  beschlossen  war,  auf
städtischer  Seite  bittere  Klagen  vernehmen:  „Die  Städte,“  schrieb
Baumgärtner  am  9.  Juli  nach  Hause,  „werden  von  allen  Reichshandlungen
  dermafsen  gesondert,  wie  es  früher  auf  keinem  Reichstage
  geschehen  ist.  Wir  besorgen,  wir  mögen  thun,  was  wir  wollen,
so  werden  die  Geistlichen  in  ihren  Vorteil  beschliefsen  wollen.“
Noch  rühmt  Baumgärtner  in  dem  nämlichen  Schreiben  die
Einmütigkeit,  welche  die  iu  Speier  versammelten  Städteboten  zusammenhalte;
  aber  auch  diese  Einmütigkeit  erhielt  sich  nicht  lange
ungetrübt.  Bisher  hatten  die  Vertreter  der  drei  gleichgesinnten
mächtigen  Kommunen  Nürnberg,  Strafsburg  und  Ulm  durch  ihr
festes  Zusanımenhalten  dem  Häuflein  der  Städteboten,  unter  denen
sich  doch  auch  Vertreter  altgläubiger  Gemeinwesen  fanden’),  den

!)  Siehe  die  angezogene  Stelle  aus  der  bairischen  Relation  vom  1.  Juli.

!)  So  Köln,  über  dessen  Ankunft  s.  0.  —  Ferner  erschienen,  nach  Angabe
  von  T,  der  Bürgermeister  (Philipp  Wolff)  von  Worms  am  6.  Juli  (nicht
am  4.,  wie  oben  S.  204,  1  verdruckt  ist);  am  nämlichen  Tage,  nach  derselben
Quelle,  Konrad  Eberhard  und  Bonifazius  Wennitzer.  gen.  Beheim  von  Rotenburg
  a.  T.;  am  9.  Juli  der  Stadtschreiber  von  .-Hagenau,  Johann  Hug.  Diese
Stadt  war  durch  die  Strafsburgischen  Vertreter  in  Speier  unter  dem  26.  Juni
von  der  Eröffnung  der  Verhandlungen  in  Kenntnis  gesetzt  worden  (Konz.
Stra([sb.,  Thomas-Archiv).  "