Mittel= u. Südamerifa; „Deutsche Gesahr“. — Ausblick 97
— —
politische Anschluß an das Land, in dem sie Wurzeln schlagen wollten,
war wohl das naturgemäß Gebotene. Ahnlich steht es bei den Deutschen
Argentiniens und Chiles. Ihre Anhänglichkeit an ihre angestammte
Sprache und Sitte kann als Bürgschaft ihrer Treue gegen den Staat
gelten, dem sie nunmehr angehören. Einsichtige Politiker würdigen in
vollem Maße, was ihr Land den Ausländern zu danken hat, vor allem
den Deutschen. In dem Imperialismus der Vereinigten Staaten sehen
sie ernstere Gefahren, als sie je von deutscher Seite drohen könnten.
Vor wenigen Jahren erklärte der brasilianische Staatspräsident von
Rio Grande: nicht für Brasilien gäbe es eine deutsche Gefahr, sondern
nur für die auf Deutschland neidischen, mit ihm in der Einfuhr wetteisernden
fremden Mächte. — In Brasilten, Chile und Argentinien
ist das Verhältnis der maßgebenden Kreise zu den Deutschen im allgemeinen
ein ausgezeichnetes. Was Generaloberst v. d. Goltz in dem
klassischen Bericht über seine Eindrücke in Argentinien über die günstige
Lage der dortigen deutschen Kolonien aussagt, über die guten Beziehungen
zu den Behörden und deren Entgegenkommen, über die freundliche
Aufnahme, die jedem einwandernden Deutschen gesichert zu sein
scheint — v. d. Goltz betont, daß man deutsche Einwanderung besonders
lebhaft wünsche —, das gilt auch für Brasilien und Chile. Man
darf noch weiter verallgemeinern. In allen Staaten Südamerikas ist
der Deutsche willkommen. Nicht mehr, weil er schutzlos und also rechtlos
ist — das ist vorüber —, sondern weil er als ein hervorragend nützliches
Element, als ein Helfer gegen wirtschaftliche Rückständigkeit und
gegen politische Gefahren und Krankheiten gilt, als ein Vertreter des
Fortschritts und der ruhigen Ordnung zugleich.
Englische Siedlungskolonien. In den nachstehenden Ausfährungen
soll die Ubersicht über das Auslanddeutschtum zum Abschluß gebracht
werden. Eine schwer übersehbare Fülle von weit auseinanderliegenden
Gebieten, in denen Dentsche unter den verschiedensten Grundbedingungen
leben, kommt dabei in Frage. Die wichtigsten Komplexe
sind: die englischen Kolonien und: der nahe und ferne Orient. Wir
scheiden wiederum, wie schon bei den früheren Betrachtungen: bodenständige
Siedlung und: Beteiligung am städtischen Erwerbsleben und
in den freien Berufen. Deutsche Bauernsiedlungen sind im Bereich der
englischen Kolonien in beachtlichem Umfange in Südafrika, in Anstralien
und in Kanada zu verzeichnen.
ANuEG 102: Ooeuiger, Deutschtum im Ausland. 2. Auil. 7