Full text : Die Reichsbank 1876-1900. (1)

180  Alterthümer.

tiefes  Querthal  um  das  andere  zu  durchsetzen  hatte.  Der  auf  eine  so
lange  Strecke  schnurgerade  Zug  des  Rheinlimes  ist  ein  echt  strategischer
Gedanke  und  mochte  nebenbei  gerade  durch  das  Rücksichtslose  und  Grandios-Einfache
  seiner  Erscheinung  auf  die  Einbildungskraft  der  Barbaren  von
unvergänglicher  Wirkung  sein.

Die  römische  Grenzlinie,  welche  bei  Eck  (O.  A.  Ellwangen)  in  das
Württembergische  zieht,  war  bis  nach  Pfahlbronn  eine  dammartig  angelegte
Straße,  die  nach  den  Terrainverhältnissen  2—  4  Fuß  hoch  und  mit  einer
42  Fuß  breiten  Fahrbahn  angelegt  wurde.  Die  Straße,  welche  heute
noch  als  solche  auf  große  Strecken  benützt  wird,  hat  dieselbe  Structur,
wie  eine  römische  Heerstraße,  deren  Pflaster  mit  vielem  Mörtel  verbunden
ist,  was  zur  Ansicht,  daß  dieselbe  eine  Mauer  gewesen  sei,  Veranlassung
gegeben  haben  mag.  Die  Führung  der  Grenzstraße  ist  insofern  eine  von
den  übrigen  römischen  Heerstraßen  etwas  abweichende,  als  bei  derselben
das  Aendern  der  Richtung  nicht  in  Bögen,  sondern  in  Winkeln  bewerkstelligt
  wurde.  Der  Grenzstraße  entlang  waren  in  verschiedenen  Entfernungen
  im  Rücken  derselben  künstlich  aufgeworfene,  mit  Gräben  umgebene
  Hügel  („Burstel"“),  auch  verschanzte  Lager  und  befestigte  Wohnplätze
  angelegt,  von  denen  aus  die  Straße  überwacht  werden  konnte.

Der  andere  Theil  der  Grenzlinie,  welcher  von  Pfahlbronn  bis
an  den  Main  u.  s.  w.  zog,  bestand  aus  einem  wirklichen  Erdwall,  der  an
der  Außenseite  mit  einem  tiefen,  häufig  noch  6  m  breiten  Graben
versehen  war.  Der  Wall  ist  noch  jetzt  an  seinen  erhaltensten  Stellen
3  ½  m  hoch;  die  Breite  seiner  Grundfläche  beträgt  8—9  m  und  die
seines  Rückens  1  ½  m.  Zunächst  hinter  dem  Wall  bestand  eine  fortlaufende
  Linie  von  Wachthürmen  und  Wachhäusern,  welch'  letztere  500  bis
600  Schritt  von  einander  entfernt  standen.  Die  Reste  solcher  Wachhäuschen
machen  sich  durch  namhafte  Schutthügel  bemerklich  und  wenn  dergleichen
Hügel  abgetragen  werden,  so  findet  man  regelmäßig  die  Grundmauern,
die  aus  einem  Viereck  bestehen,  dessen  Seiten  9  r.  F  im  Licht  haben;
die  Dicke  der  Mauern  beträgt  2½  r  Fuß.  Die  viel  selteneren  Wachthürme
  waren  um  mehr  als  die  Hälfte  größer  und  stärker.

Außer  diesen  Wachhäuschen  bestanden  überdies  größere  Grenzgarnisonsplätze,
  die,  3—  3  ⅛  Stunden  von  einander  entfernt,  entweder  zunächst
  an  dem  Grenzwall  oder  in  geringen  Entfernungen  von  demselben
angelegt  waren,  und  zwar  bei  Welzheim,  Murrhardt,  Mainhardt,  Oehringen,
  Jagsthausen,  Osterburken  2c.  Ueber  die  Bauart  dieser  Kastelle
wurde  man  durch  die  neuliche  Aufdeckung  des  noch  ziemlich  erhaltenen
Kastells  bei  Mainhardt  aufgeklärt.  Dasselbe  bildete  ein  regelmäßiges
Rechteck  mit  abgerundeten  Ecken  und  bestand  aus  einem  Erdwall,  um  den
gegen  außen,  gegen  den  Graben  hin,  eine  senkrechte,  4  römische  Fuß  dicke