zahl von Deutschen, etwa 200000 Koͤpfe unter einer Gesamtbevölkerung
von nahezu zwei Millionen, erwehrt sich hier
mühselig, unter den schwierigsten Verhältnissen, übermachtiger
fremder Gewalten, und sindet doch noch die Kraft, alljährlich
Manner deutscher Bildung in das innere Rußland zu senden. —
Im königlichen Preußen ward allein Danzig der neuen Herrschaft
froh. Im Alleinbesitze des polnischen Handels sah der
Stadtadel von den Woiwoden begünstigt seinen Reichtum
berrlich gedeihen. Weithin erklang der Ruhm der Stadt, als
ein Danziger, Johann von Kolno, die Hudsonstraße und die
Küste von Labrador entdeckte. Zur selben Zeit, in den Kriegen
der beiden Rosen, flammte der deutsche Nationalstolz der Danziger
noch einmal hoch auf; der preußische Held der Hansa, Paul
Beneke, trieb auf der See die Engländer zu Paaren und brachte
reiche Beute heim, darunter jenes köstliche Gemälde „Das
Jungste Gericht“, welches noch heute als „das Danziger Bild“
in hohen Ehren bewahrt wird. Den Verrat an Deutschland
belohnte der Hof von Krakau anfangs durch reiche Gnade, er
schenkte der Stadt sogar seine Krone in ihr Wappen. Einmal
freilich bußte sie furchtbar für die alte Untat: durch ein hartes
Blutgericht des Polenkönigs (1526) ward das lutherische Bekenntnis
heimgesucht. Aber bald erkannten die Polen, mit
welchem schweren Ernste die Deutschen sich der neuen Lehre zuwandten;
sie wurden duldsamer, um ihre wichtigste Provinz
nicht zu verlieren. So behauptete sich Danzig, auch nachdem
die Hansa zerfallen, inmitten der polnischen Anarchie als eine
reiche freie Stadt, in einer ähnlichen selbständigen Stellung
wie Straßburg unter den Bourbonen.
Das übrige Land dagegen empfand schwer die Untreue, die
klägliche politische Unfähigkeit der Polen. Untergraben wurden
die Grundlagen reinerer Menschensitte, die deutscher Fleiß gelegt;
in Preußens Ober= und Unterständen ward das Gebaren
des polnischen Reichstags eifrig nachgeahmt. Ein Ziel nur
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