30 Deutsche Pflichttreue.
lassen, mußten das Wort des bittersten Abschiedes, vielleicht auf
Nimmerwiedersehen, aussprechen, doch ein jeder folgte dem Rufe der
Pflicht mit Freuden und mit größter Bereitwilligkeit, und keine Zukunft
soll vergessen, mit welchem Opfermuth das deutsche Volk im Jahre 1870
die höchsten Güter des Lebens auf dem Altar des Vaterlandes
niederlegte!
Tausende, welche nicht zu den Waffen verpflichtet waren, kamen
freiwillig, um als gemeine Soldaten in Reih und Glied zu treten.
In Berlin meldete sich ein längst aus dem Militairdienst ausgeschie—
dener Edelmann mit sechs Söhnen, und Vater und Söhne ergriffen
die Waffen. In Osnabrück brachte ein Bauersmann selber seine drei
Söhne zu einem Reiterregimente. Landwehrleute, welche man ihrer
bedürftigen Familien wegen zurücklassen wollte, erklärten, daß ihr Platz
in der Reihe der Vaterlandsvertheidiger sei. Ja sogar Knaben suchten
sich in Berlin mit in die Eisenbahnwagen zu stehlen, und einigen ge—
lang es; von Hannover aus mußte man sie mit Gewalt zurückbringen.
Ein Bauer in der Provinz Hessen brachte zu einem Hauptmann ein
schönes braunes Pferd und sagte: „Das Pferd schenke ich dem Herrn
Könige, darauf soll er in Paris einreiten!“
Ueberall, wo deutsche Herzen schlugen, regte sich die heiligste Liebe
zum Vaterlande. Von Amerika, von Asien kamen Telegramme und
großartige Geldsendungen an den König Wilhelm und das deutsche
Volk, und im fernsten Lande stiegen Gebete für das Heil des großen
deutschen Vaterlandes von den Lippen seiner Kinder zum Himmel empor.
Schon wenige Tage nach der Kriegserklärung gingen Militairzüge
nach dem Rheine ab. Nichts war erhebender, als diese jungen Krieger
zu schauen, die auszogen, um das Vaterland zu vertheidigen. Ihre
Eisenbahnwagen waren mit grünen Zweigen geschmückt, sie selber saßen,
so viel ihrer da Platz hatten, oben auf den Wagen, den Helm mit
Eichenlaub bekränzt, die treue Waffe in starker Hand und jauchzenden
Zuruf auf den Lippen. Die Seitenwände der Wagen waren mit den
originellsten Bildern bedeckt, Louis Napoleon fand sich in immer wiederholten
Karrikaturen, „Eilgut nach Paris“ las man an vielen Wagen,
und manche andere ähnliche Inschrift, welche Zeugniß ablegte von dem
Geiste der in den Herzen der deutschen Krieger lebte.