II. Die Erwerbung des Kaisertums. 447
Darstellung der Kämpfe zu versuchen, welche die Deutschen
von Weißenburg und Wörth zu den Riesenkämpfen von Metz
und zu dem Gottesgericht von Sedan, vor Paris und dann
weit in das Innere von Frankreich führten, da selbst von
den kriegerischen Ereignissen trotz amtlicher Berichterstattung
und reicher privater Mitteilungen manche noch Gegenstand
lebhafter Kontroverse sind, von den an entscheidender Stelle
ausschlaggebenden politischen Vorgängen aber unsere Kenntnis
zum mindesten zu lückenhatt ist, um den Anteil und die Befestustellen.
Erst eine spätere geit wird da Licht verbreiten
und den tiefern Zusammenhang der jetzt nur halb verständlichen
Vorgänge vollends aufklären. Das eine aber steht fest, daß
schon im Beginn des Krieges die öffentliche Meinung sich mit
elementarer Macht dahin äußerte, die Führerschaft in dem
geeinigten Deutschland gebühre Preußen, und auch als Form
dafür die Uebertragung des deutschen Kaisertums auf den
König von Preußen bezeichnete.
Schon in den ersten Augusttagen ertönte in Bayern aus
dem Munde des bisher zur Patriotenpartei gehörigen, jetzt
begeistert im national-deutschen Sinne wirkenden Professors
Sepp die Parole, wer Deutschland Elsaß und Lothringen
wiedergewinne, solle deutscher Kaiser sein, und fand in demselben
Maße jubelnderen Widerhall, als der überraschende
Siegeslauf der Heere die Erreichung jenes Ziels erhoffen ließ.
Auch forderte schon damals der Großherzog von Baden den König
von Bayern auf, im Namen der deutschen Fürsten den entsprechenden
Schritt zu thun, ohne daß er damit Erfolg gehabt
hätte. Nachdem aber der Gang der Ereignisse die endgültige Einigung
Deutschlands zur Thatsache gemacht hatte und auf Wunsch
der sübdeutschen Regierungen amtlich über beren Anschluß an
konmen lies, ,unterhandellt wurde, sand 5 aisertum auch
in Bismarck einen entschiedenen Vertreter. Er sah darin den
passendsten Ausdruck für den Zuwachs an Rang und Macht,
der seinem Könige als dem Präsidenten des deutschen Bundesstaates
zu teil wurde, ohne daß dadurch die Bundesfürsten,