Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

J.  Die  Lösung  von  Frantreich.  271

kämpfern  der  Freiheit,  der  politischen  so  gut  wie  der  Glaubens-=freiheit
  —  sollte  Brandenburg  hinfort  gehen:  nicht  in  der  irrungsreichen
  Vergangenheit,  nicht  in  der  gefahrenreichen  Gegenwart  —
in  der  Zukunft  lag  sein  und  seines  Herrscherhauses  Heil,  die
sie  frei  von  habsburgischer  und  bourbonischer  Weltherrschaftspolitik
  und  frei  auch  von  der  dunklen  kirchlichen  Reaktion  der
Stuarts  kraft  des  Selbstbestimmungsrechts  eines  werdenden
Volkes  und  im  Lichte  weitherziger  Toleranz  in  schweren  Kämpfen
aus  eigener  Kraft  sich  aufbauen  sollten.

Ein  großer,  kühner,  genialer  Zug  geht  in  diesen  letzten
Zeiten  durch  des  Kurfürsten  ruhig  besonnene  Politik.  Mehr  als
sonst  kommen  die  idealen  Momente  der  Zeit  in  ihr  zur  Geltung.
Aber  selbst  jetzt  verlor  er  Pommern  nicht  aus  dem  Auge,
meinte  vielmehr  in  der  alten  Art  eine  neue  Kombination  gefunden
  zu  haben,  um  dort  doch  endlich  an  das  Ziel  seiner
Wünsche  zu  kommen.  Als  Vermittler  in  den  Streitigkeiten,  die
seine  Consine,  die  ehemalige  Schwedenkönigin  Christine,  wegen
des  unregelmäßigen  Eingangs  der  ihr  zustehenden  Gelder  mit
der  Stockholmer  Regierung  hatte,  erbot  er  sich  seinerseits  die
betreffenden  Zahlungen  zu  leisten  gegen  Ueberlassung  Pommerns
oder  wenigstens  Stettins.  Durch  einen  besonderen  Gesandten
unterhandelte  er  in  Rom  mit  der  Königin:  während  er  die
eigentlich  Schweden  treffenden  Zahlungen  leistete,  sollte  sie  ihn
zum  Erben  einsetzen,  damit  ihre  so  auf  ihn  übergehenden  Forderungen
  an  Schweden  ihm  eine  Handhabe  böten,  um  dereinst
Pommern  ohne  Schwertstreich  an  sich  zu  bringen.  Sein  Tod
durchkrenzte  solche  Entwürfe.

Aber  auch  die  so  heiß  ersehnte  Entscheidung  in  England
erlebte  er  nicht  mehr.  Doch  weilte  all  sein  Denken  bei  dem
Unternehmen  Oraniens:  er  war  nicht  bloß  Mitwisser,  sondern
handelnd  an  der  Vorbereitung  beteiligt.  Im  Cleveschen  hatte
er  9000  Mann  bereit,  um  den  Niederrhein  und  die  Niederlande
  zu  decken,  wenn  der  Statthalter,  dem  an  ihn  ergangenen
Rufe  folgend,  mit  der  Flotte  und  dem  Heer  der  Republik  über
den  Kanal  setzte,  um  in  der  Freiheit  und  dem  Glauben  Englands
  die  Freiheit  Europas  und  das  Evangelium  zu  retten.  In
unscheinbarer,  aber  ebenso  entscheidender  wie  verdienstvoller