514 Ober-Militär-Aerste
Anwesenheit bei den gewöhnlichen Uebungen ihrer Truppentheile in und
bei der Garnison entbunden'), und wird auch ihre Gegenwart bei den
Special-Revuen und Musterungen niemals gefordert. Dagegen sind die
Ober-Militär-Aerzte der Truppentheile nicht davon befreit, ihre Truppentheile
zu begleiten, wenn diese sich auf mehrere Tage aus der Garnison
entfernen. Nach der kriegsministeriellen Bestimmung vom 3. April 1828
bleibt es in solchem Falle vielmehr den Anordnungen der Truppenbefehlshaber
überlassen, über die Regiments- und Bataillonsärzte zu disponiren,
wie es das Wohl der Truppen erheischt und sie bei Zusammenziehungen
theils zur Begleitung der Truppen, theils zur Behandlung der zurückbleiden
Kranken zu verwenden?) Es hat sich im 1. Armee-Korps als
vortheilhaft herausgestellt, die Bestimmung darüber, ob und wie viele
Ober-Militär-Aerzte die Truppen beim Ausmarsche begleiten sollen, dem
General-Arzte zu überlassen, und erfolgen daher hier alle Beorderungen
von Ober-Militär- und Hülfs-Aerzten nur durch diesen. Auch ist angeordnet,
dass den Requisitionen des General-Arztes in Bezug auf das ärztliche
und Lazareth-Gehülfen-Personal selbst dann Folge gegeben werde,
wenn der betreffende Befehl des General-Kommandos den Truppentheilen
noch nicht zugegangen sein sollte®).
Auf diese Weise werden alle Inconvenienzen vermieden und die exakte
Dienstführung, trotz des grossen Mangels an Militär-Aerzten, ermöglicht.
Geschälts-Umfang der Ober-Milltär-Aerszte.
Nach dem, oben im Allgemeinen angedeuteten Berufskreise der Ober-Militär-Aerzte,
besteht deren Geschäfts-Umfang in:
1) der Behandlung der erkrankten Soldaten, sei es im Lazareth oder
im Revier
2) der Behandlung der erkrankten Soldatenfrauen und Kinder;
3) resp. der Behandlung der Officiere des Truppentheils und deren
Familien;
4) der Untersuchung der Militärpflichtigen bei ihrem Eintritt in den
jenst;
5) der Vac- und Revaceination der Soldatenkinder und Rekruten;
6) der Ausstellung von Attesten über Dienstuntaugliche und Invaliden;
7) der Begleitung ihrer Truppentheile beim Verlassen der Garnison;
8) der Wahrnehmung anderweiter, mit dem Dienst beim Truppentheil
nicht direkt verbundener Geschäfte; (Ersatz-Geschäft etc.)
Es sei hier schon erwähnt, dass die Behandlung der Kranken im
Revier, sowie die Behandlung der Soldatenfrauen und Kinder gewöhnlich
den Hülfs-Aerzten, unter Ober-Aufsicht der Ober-Militär-Aerzte, übertragen
wird; da ferner die Officiere für sich und ihre Familien einen
Anspruch auf unentgeltliche ärztlilche Behandlung nicht haben, so ist es
denselben auch selbstverständlich überlassen, ob sie sich in Krankheitsfällen
an den Ober-Militär-Arzt ihres Truppentheils wenden wollen oder nicht,
Verhältniss der Ober-Millitär-Aerste zu den Lazarethen.
Betrachten wir nun zunächst den Ober-Militär-Arzt in seinem Verhältniss
zum Lazareth, so begegnen wir ihm hier in 2 verschiedenen
!) Kriegsmin. Erlass v. 4. August 119, 15. Mai 1833, 37. Mai 1826; Cirkulare an die
Genenah Aerzte vom 12. Mai und 3. Jul 1523.
Cirkular an die sämmtlichen MiluärcAerzte v. 1. Juni 1928 ad 4.
a Korne Befehle v. 39. Juni 1839 und 6, Juli 1880.