58 Barrikaden
Barrikäden (v. franz. barrique,
»Tonne«), aus Möbeln, Steinen, Erde
u. dgl. zur Verteidigung eilig hergerichtelt
Straßensperren, seit dem Mittelalter vorkommend.
Bassermannsche Gestalten, scherzhafte
Bezeichnung für verwegene, revolutionäre
Typen der bürgerlichen Gesellschaft; der
Ausdruck rührt von dem Buchhändler
Bassermann aus Mannheim her, welcher
als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
von den Berliner Revolutionären
eine besonders drastische Schilderung
gegeben hatte.
zehen (altdeutsches Wort, s. v. w.
unecht), der natürliche Sohn eines hochadligen
Mannes, auch wohl die Bezeichnung
für den aus der morgenatischen
Ehe eines Fürsten hervorgegangenen
Sprißlung.
Bataillon (franz., spr. 4aljohn, v. ital.
battaglione), im 16. Jahrh. jeder selbstindige
Schlachthaufe, gegenwärtig taktische
Einheit der Infanterie, 500—1000
Köpfe stark, aus 4 (Deutschland) bis 6
Kompanien bestehend, 2 (in Deutschland:
Infanterie 3, Fußartillerie 2) bis 5 ein Regiment
bildend oder (Pioniere, Jier-,
chützen, Fußartillerie) selbständig. Der
Bataillonskommandeuristein Major.
Batterie (franz.), Zusammenstellung
mehrerer Geschütze zu einem taktischen
Zweck, als Feld-, Belagerungs-, Festungs-,
Küsten= oder Strand= und schwimmende
Batterien; auch Bezeichnung für die diese
deckende Erdbrustwehr oder das Festungswerk;
auf Kriegsschiffen der Raum über
dem Batteriedeck, in dem die Geschütze
auggestent sind.
auerndienste, s. Fronen.
Baupolizei, Inbegriff aller Veranstaltungen,
welche die Regierung trifft, um
zu bewirken, daß durch Bauen und Gebautes
Sicherheit, Bequemlichkeit und
Ordnung gefördert und die durch beides
etwa entstehenden Gefahren abgewendet
werden. Die Vorschriften der B. bilden
die Bauordnung ; ihre Ausübung steht
entweder besondern Baukollegien oder der
allgemeinen Wohlfahrtspolizei zu. Vgl.
Kletke, Repertorium der baupolizeilichen
Gesetze im preußischen Staat (1873).
— Bayern.
Bahern, Königreich und Bundesstaat
des Deutschen Reichs, 75,863 qkm mit
(1880) 5,271,516 Einw., von denen 1875:
3,5 Mill. Katholiken, 1,4 Mill. Protestanten
und 51,335 Juden gezählt wurden.
Der östliche Teil des Staatsgebiets besteht
aus dem ehemaligen Kurfürstentum B.,
aus den ehemaligen preußischen Fürstentümern
Ansbach und Baireuth, den vormaligen
Bistümern Augsburg, Bamberg,
Eichstätt, Freising, Passau und
Würzburg, vielen ehemals freien Reichsstädten
(Kaufbeuren, Memmingen, Nördlingen,
Nürnberg, Regensburg, Schweinfurt,
Ulm u. a.), 13 Abteien (Elchingen,
Kempten, Ursberg 2c.) und verschiedenen
vormals reichsritterschaftlichen Besitzunen.
Der westlich vom Rhein abgesondert
iegende Gebietsteil, Rheinbayern oder
die Pfalzgenannt, setzt sich aus dem ehemaligen
Herzogtum Pfalz-Zweibrücken,
mehreren ehedem reichsfreien Städten, den
Besitzungen verschiedener kleiner Fürsten
und einigen von Frankreich abgetretenen
Gebietsteilen zusammen.
Areal u. Bevölkerung (1. Dez. 1880);
Regierungsbezirke OKilom. Einw.
1) Oberbayen. 17047 949809
2) Niederbaypren 10768 643847
3) Pfazszs 5 o37 676098
4) Oberpfalz und Regensburg 9665 526967
5) Oberfranken s ↄ00 574000
6) Mittelfranken 7559 642344
7) Unterfranken u. Aschaffenb. 8398 625 478
8) Schwaben und Neuburg 9491 632793
Zusammen: 75863 5271516
Die Hauptstadt der Monarchie ist München
mit (1880) 229,343 Einw. An der
Spitze des Staatswesens steht der König
ajestät) aus dem Haus Wittelsbach,
welch letzteres 1180 von Friedrich Barbarossa
mit dem damaligen Herzogtum
B. beliehen ward und seitdem in B. regiert.
Im Dreißigsährigen Krieg erhielt
er Herzog Maximilian I. die dem Kurfürsten
Friedrich V. von der Pfalz abgenommene
Kurwürde. Nachdem B. in dem
französisch-österreichischen Krieg von 1805
auf seiten Frangriichs gestanden hatte,
wurde der Kurfürst von Napoleon mit
dem Königstitel belohnt, welchen er seit
1. Jan. 1 führte. Schon 17. Sept.