Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

—  203  —

schon  in  dessen  Begleitung  in  Speier  eingezogen  war,  und  dem
Bischof  dieser  Stadt  selbst,  welcher  zuerst  unter  dem  14.  Juni  als
dort  anwesend  vermerkt  wird'),  fanden  sich  bis  zur  Eröffnung  des
Reichstages  nur  noch  der  Bischof  Wilhelm  von  Strafsburg?)  und  der
Koadjutor  von  Fulda°?)  ein.  Und  diese  blieben  neben  dem  Bischof
Konrad  von  Würzburg®),  der  am  3.  Juli,  und  dem-Koadjutor  von
Worms  und  Bischof  von  Utrecht,  Pfalzgraf  Heinrich,  der  vier  Wochen
nach  dem  Beginn  der  Verhandlungen  anlangte,  die  einzigen  geistlichen
  Fürsten,  welche  sich  überhaupt  in  Person  nach  Speier  begaben;
  es  war  umsonst,  dafs  der  Erzherzog  die  Bischöfe,  auch  in
ihrem  eigenen  Interesse,  mahnen  liefs,  persönlich  zu  erscheinen;
dafs  die  eigenen  Botschaften  sie  auf  die  Wichtigkeit  des  Reichstages
für  die  Zukunft  des  geistlichen  Standes  aufmerksam  machten?):  sie
blieben  in  der  grolsen  Mehrzahl  daheim,  wie  wenn  sie  der  Güte
ihrer  Sache  selbst  mifstraut  hätten®).

1)  In  dem  schon  angezogenen  Schreiben  Frankfurts  an  Northausen.

2)  Erkamam  16.  Juni,  Abends  spät,  laut  Aufzeichnung  (T)  des  der  Strafsburgischen
  städtischen  Gesandtschaft  beigegebenen  Schreibers  Wendelin  von
St.  Johann,  im  Stra[sb.  Thomasarchiv.

3)  Wendelin  nennt  (unter  dem  16.  Juni)  den  Abt  von  Fulda,  setzt  aber
hinzu:  „ist  einer  von  Henneberg“;  er  meint  den  Koadjutor  Johann  von  Henneberg,
  der  thatsächlich  dem  Stifte  vorstand;  der  Abt,  Hartmann  von  Kirchberg,
  hatte  sich  der  Regierung  im  Jahre  1521  begeben  und  lebte  in  Mainz.
Von  Prälaten  wird  des  Abtes  von  Weifsenburg  schon  bei  Eröffnung  des
Reichstages  gedacht;  den  Abt  von  Weingarten  dagegen,  den  Stimmführer
der  Prälaten,  finde  ich  zuerst  am  9.  Juli  erwähnt.

*)  Wie  aus  dem  erwähnten  erzherzoglichen  Schreiben  vom  30.  Mai  hervorgeht,
  hatte  Bischof  Konrad  unter  dem  21.  Mai  sein  persönliches  Erscheinen
versagt;  am  6.  Juni  (Mi.n.  Bonif.:  Würzb.  Kr.  A.,  Abschr.)  schrieb  er  dann,
er  wolle  baldmöglichst  kommen,  unter  der  Bedingung,  dafs,  wenn  andere
Fürsten  nicht  persönlich  erschienen,  er  wieder  heimkehren  dürfe.  Seine  Botschaft,
  Dr.  Hann,  hatte  er;  wie  es  scheint,  schon  bei  Eröffnung  des  Reichstags
  in  Speier.

5)  Vgl.  das  erwähnte  Schreiben  der  Botschaft  des  Bischofs  von  Augsburg,
  Dr.  Konrad  Renz,  vom  17.  Juni  (So.  n.  Viti).  Die  bischöflich  Bambergische
  Botschaft  schrieb  schon  im  angezogenen  Schreiben  vom  19.  Mai,  es
erfordere  die  unvermeidliche  Notdurft,  dafs  der  Bischof  den  Reichstag  iu
eigener  Person  besuche.

6)  Bischof  Philipp  von  Freising  fragte  unter  dem  1.  Mai  (d.  d.  Freising,
Philippi  et  Jakobi)  1526  bei  Herzog  Wilhelm  an,  ob  der  zu  diesem  Termin
angesetzte  Reichstag  zu  Stande  komme  und  ob  der  Herzog  denselben  zu  besuchen
  oder  zu  beschicken  gedenke,  er  scheint  sich  dann  nach  dem  Herzog
gerichtet  zu  haben,  da  auch  er  nur  Botschaft  sandte  München  St.A,,
Bair.  R.A.T.