164 IV. Präfidium. LArtt. 11.
Fällen des Absatzes III einen Staatsvertrag auch nicht unter Vorbehalt der
Zustimmung des Bundesrathes abschließen. Dies beweisen die Worte „zu
ihrem Abschlusse“, die der Wendung „zur Erklärung des Krieges“ in Absatz 11
genau entsprechen. Was hätte wohl in diesem letzteren Falle eine nachträgliche
Zustimmung für einen Sinn? Laband I1 S. 6138 f. (ausführlicher
1. Aufl. S. 170 f., dagegen M. Pröbst a. a. O. S. 293 ff.) meint
allerdings gerade bezüglich der Vorschrift des Absatzes II, sie lege dem Kaiser
eine staatsrechtliche Pflicht auf, beschränke aber nicht seine völkerrechtliche Legitimation.
Ich möchte aber doch meinen, daß, wenn eine Verfassungsvorschrift
eine Zustimmung als erforderlich zu irgend einem Akte erklärt, dies Mangels
entgegengesetzter ausdrücklicher Bestimmung den Sinn hat, diese Zustimmung
solle ein Erforderniß der Rechtsgiltigkeit des Aktes nach jeder Richtung sein.
Und hier vollends, wo es sich um Rechte der Verbündeten selbst handelt, die
sie zur Ausübung in ihrem Namen dem Kaiser übertragen haben, ist es geradezu
undenkbar, daß die Verbündeten sollten gewillt gewesen sein, die internationalen
Folgen eines verfassungswidrigen kaiserlichen Aktes blindlings auf sich
zu nehmen. Denn es ist wohl zu bemerken, ein Verstoß des Kaisers gegen
Artikel 11 Absatz II und III der Verfassung wäre nicht blos eine Verfassungsverletzung,
für die der Kaiser staatsrechtlich nicht haftbar gemacht
werden kann, sondern auch eine Vertragsverletzung gegen seine Bundesgenossen,
für welche er diesen verantwortlich ist. Diese ganze Darlegung beweist
meines Dafürhaltens mit voller Sicherheit das Eine, daß die Urheber der
besprochenen Verfassungsbestimmungen die Möglichkeit solcher Vorkommnisse
überhaupt gar nicht angenommen haben. Und in der That darf man es als
einen casus non dabilis ansehen, daß der Kaiser ohne die erforderliche Zustimmung
seiner Verbündeten einen Krieg erklärt oder Verträge abschließt.
Laband I S. 620 ff. legt zur Begründung seiner gegentheiligen Ansicht
auch darauf Gewicht, daß in den deutschen Ratificationsurkunden die
Zustimmung des Bundesrathes nicht erwähnt werde. Die Bedeutung dieses
Beweisgrundes wird, wie ich glaube, schon durch das wesentlich abgeschwächt,
was ich oben über die Sorglofigkeit in den Formen beim Abschlusse von
Staatsverträgen zu berichten hatte. Auch eines der von Laband angeführten
Formulare, S. 621 f., zeigt in einem anderen Punkte diese Nachlässigkeit.
Der Kaiser verspricht dort, den Vertrag „von Unseren Behörden genau vollziehen
zu lassen“, obschon es sich auf veutscher Seite durchaus nicht blos um
seine Behörden handelt. Ich glaube, daß man aus der Ratificationsformel
der Staatsverträge ebenso wenig staatsrechtliche Schlüsse ziehen kann, wie
aus der Eingangsformel der Reichsgesetze. Hievon abgesehen läßt sich die
Weglassung des Bundesrathes auch daraus erklären, daß der Bundesrath nicht
erst der Ratification des Vertrages zustimmt, sondern dem Vertrage bereits
vorher zugestimmt hat. Ist doch, wie auch Laband 1 S. 623 angibt, die
Uebung die, den Bundesrath mit solchen Verträgen bereits bei Eröffnung der
Verhandlungen zu befassen. Ueberdies müssen die Verträge richtiger Weise
angeben, daß der Kaiser sie im Namen des Reiches, d. h. der Verbündeten,