Full text : Zwischen Krieg und Frieden. Band 11. Das Deutsche Elend in London. (11)

Gefangenen  einen  Kubikzoll  Fleisch.  Die  Gesamtnahrung
besteht  aus:  morgens  sieben  Uhr  eine  Tasse  Tee  und  ein
Stuͤck  trocken  Brot,  mittags:  ein  Napf  der  besagten  Wassersuppe,
  pro  Mann  je  zwei  Kartoffeln  (nicht  mehr)  und  ein
Stuͤck  trocken  Brot.  Abends  wieder  den  Tee  und  trocken
Brot.  Da  selbst  dieses  Essen  oft  nicht  reicht,  sind  Be—
schwerden  erfolgt,  auf  die  hin  die  Beschwerdesteller  in  einen
besonderen  Stall  auf  drei  Tage  bei  Wasser  und  Brot
eingesperrt  wurden.  Die  entruͤstete  Beschwerde  zweier
Deutschen  wurde  mit  drei  Tagen  strengem,  14  Tagen  Mit—
telarrest  und  neun  Monaten  Festung  bestraft.  Das  Essen
wird  vor  dem  Stall  stehend  eingenommen.  Die  Latrinen
bestehen  in  einem  Eimer,  der  zur  gemeinsamen  Benutzung
mitten  im  Stall  steht  und  alle  24  Stunden  entleert  wird,
wobei  zu  bedenken  ist,  daß  sich  unter  den  Gefangenen  viele
Kranke  befinden.  Die  Luft  ist  infolgedessen  unertraͤglich.

Unter  den  Gefangenen  befinden  sich  13—14  deutsche
Trzte,  die  aus  eigener  Kraft  eine  Art  Organisation  unter
ihren  Mitgefangenen  geschaffen  haben.  Herr  Selcke  neunt
uns  die  Namen:  Prof.  Dr.  Reutlinger  (Buenos  Aires),
Dr.  Steidel  (Porto  Allegre),  Dr.  Oskar  Meier  (Blumenau-Brasilien),
  Dr.  Christian  Johnsen  (Blumenau,  geboren
  in  Flensburg),  Dr.  von  Mangelsdorf,  Dr.  Steinmeier
  (früherer  Schiffsarzt  auf  der  „Cap  Roca“),  Dr.  Luz
(Blumenau),  Dr.  Traubmann  (NRio),  Dr.  Oestetter  aus
Schwaben,  ferner  noch  vier  Trzte,  die  auf  dem  hollandischen
Dampfer  „Frista“  verhaftet  worden  sind.  Außerdem  neunt
Herr  Selcke  den  Grafen  von  Pappenheim,  Oberleurnant  bei
der  Garde  in  Berlin,  den  Herrn  von  Döhring,  österreichischen
  Militärattache  in  Buenos  Aires.

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