Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

222

der  nicht  auch  Ritter  war,  fiel  es  immer  unerträglich,  wenn
diese  Buͤrger  und  Handwerker  ihm  befehlen  oder  auch  nur
gleich  seyn  wollten.  Von  mancher  dieser  jetzt  so  trotzigen
Reichsstädte  wußte  er  sich  wohl  zu  erinnern,  wie  sie  erst
vor  kurzem  durch  kaiserliche  Gnade  Reichsstadt  geworden,
und  nun  unterstunden  sich  diese  Schusier  und  Fleischer  und
Becker  sogar  oft  an  der  Person  des  Kaisers  zu  freveln.
Karl  IV.  hatte  von  Glück  zu  sagen,  daß  er  bei  einem  im
Jahr  1360  zu  Eßlingen  gehaltenen  Reichstag,  da  unversehens
  zwischen  seinen  Leuten  und  den  Börgern  ein  Zank  ausbrach,
  nur  noch  mit  einer  beträchtlichen  Ladung  von  Schimpfwdrtern
  und  einigen  kleinen  Gewaltthätigkeiten  für  seine
Person  davon  kam.  Erst  seit  Ende  des  dreigehnten  Jahrhunderts
  war  es  aufgekommen,  daß  auch  Städteboten  bisweilen
  kamen,  wenn  der  Kaiser  mit  Fürsien  und  Herren  einen
  Tag  hielt.  Schon  dieses  war  ärgerlich  genug;  aber
noch  viel  ärgerlicher,  daß  diese  Neulinge,  sobald  sie  nur
ein  wenig  Luft  gewonnen,  sogleich  auch  hier  vollig  den  Meisier
  spielen  wollten.

In  den  Städten  war  durch  den  Handel  der  vorzöglichsie
Reichthum.  Das  machte  sie  dem  Kaiser  wichtig,  aber  auch
eben  das  machte  den  besten  Ritter  manchmal  lüstern,  ihnen
etwas  abzujagen.  Wenn  ein  Graf  von  Wirtemberg  rings  um
sich  herum  alles  zusammenkaufte  oder  wenigstens  Lehensherr
aller  umliegenden  Güter  wurde,  so  waren  die  Reichssiädte
und  ihr  Gebiet  eine  Gränzlinie,  über  welche  er  nicht  hinwegkommen
  konnte.  Oft  mußte  er  deßwegen  die  gelegensten  Güter
schwinden  lassen,  Güter,  die  ihm  zu  Ründung  seines  Landes
trefflich  getaugt  hätten  oder  wo  ihm  eine  schone  Wildfuhr  manchen
  vergnügten  Tag  gewährt  haben  würde.  Die  Bürger  in
den  Reichsstädte  waren  viel  weniger  mit  Abgaben  beschwert