Metadata : Bismarck und das päpstliche Rom.

„Meine  Herren!  Das  deutsche  Volk  wird  sich,  wenn  es  unseren
Beschluß  (der  Nicht-Intervention)  vernimmt,  wohl  erinnern,  daß  die
höchste  Autorität  der  Herren,  die  uns  heute  gegenüberstehen,  nicht  der
deutsche  Kaiser,  daß  sie  überhaupt  nicht  eine  deutsche
Autorität  ist.

Meine  Herren!  Die”  Frage  :st  heute?  Rom  oder  Deutschland?

  —

Die  unter  dem  päpstlichen  Banner  Gescharten  blieben
deswegen  erst  recht  auf  ihrem  Standpunkte  und  lehnten  die
Adresse,  welche  nur  ein  ‚Deutsches‘  Reich  kannte  und
eine  Intervention  zur  Herstellung  des  päpstlichen  Kirchenstaates
in  keiner  Form  wollte,  einmütig  ab.

Es  waren  dies  63  Stimmen,  diejenigen  des  Zentrums.
Die  Polen  enthielten  sich  der  Abstimmung,  desgleichen  die
Elsaß-Lothringer.  „Das  Zentrum‘,  bemerkt  dazu  sein  Majunke,
„stand  ganz  allein;  ihm  gegenüber  verbündeten  sich  alle  übrigen
Parteien  von  der  äußersten  Rechten  bis  zur  äußersten  Linken.
Es  standen  KatholikengegenNicht-,  respektive
Schein-Katholiken;  die  Majorität  des  Reichstages
hatte  bekundet,  daß  sie  ein  antikatholisches  Kaisertum
  zu  haben  wünsche.‘‘  Das  stimmte.

Zwischen  dem  Deutschen  Reiche,  wie  es  unter  den  Auspizien
  des  ‚‚ketzerischen‘‘  preußischen  Königtums  sich  entwickelt
  hatte  und  dem  Heiligen  Römischen  Reiche  deutscher
Nation,  mit  seinem  Kaisertum  von  Papstes  Gnaden,  gab  es  in
der  Tat  keinen  Ausgleich.

Während  noch  in  der  Thronrede  die  Wendung:  „Wiederherstellung
  des  Deutschen  Reiches‘  untergelaufen  war,
wurde  jetzt  in  einem  offiziösen  Artikel  zwischen  dem  alten  und
dem  neuen  Reich  der  Strich  klar  gezogen.

„Es  wäre  eine  bedenkliche  Verirrung,  wenn  man  unser  nationales
Kaisertum  vom  ı8.  Januar  1871  als  eine  staatsrechtliche  Fortsetzung
des  am  6.  August  1806  zu  Grabe  getragenen  Römischen  Kaisertums
ansehen  wollte.  Gerade  nach  zwei  Richtungen  muß  sich  das  neue  Deutsche
Reich  von  allen  Überlieferungen  des  alten  aufs  Entschiedenste  lossagen:
es  hat  nichts  zu  tun  mit  hierarchisch-theokratischen,  nichts  mit  kosmopolitischen
  Tendenzen.  Es  ist  ein  weltlicher,  ein  nationaler  Staat.  Mag
man  vielleicht  in  Rom  davon  träumen,  daß  in  diesem  neuen  Reiche  die
alte  Advokatie  des  Römischen  Stuhles  aufleben  könnte:  Der  neue  Kaiser
weiß  nichts  von  solchen  Pflichten.  Alles,  was  an  römisches  Kaisertum
erinnert,  jede  Einmischung,in;  die  Verhältnisse  Italiens,  ist  als  die  unglückseligste
  Reminiszenz  unserer  Vergangenheit  bis  auf  die  letzte  Spur