Full text : Bismarck Die gesammelten Werke. Band 5. (5)

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Goltz  und  den  Gesandten  in  Florenz  Grafen  von  Usedom  so  gut  wie  vollständig  aufgenommen
werden.  Zwar  sind  die  nach  Paris  gerichteten  Erlasse  z.  T.  schon  in  dem  aufschlußreichen
Werke  H.  Onckens,  „Die  Rheinpolitik  Kaiser  Napoleons  III.  von  1863  bis  1870  und  der
Ursprung  des  Krieges  von  1870/71“,  wo  sich  auch  die  wichtigeren  der  Goltzschen  Berichte
finden,  zum  Abdruck  gelangt;  die  Wiederaufnahme  aber  empfahl  sich  schon  deshalb,  damit
der  Leser  ein  möglichst  lückenloses  Bild  von  der  Gestaltung  auch  der  großen  europäischen
Politik  Bismarcks  in  den  Jahren  vor  dem  Deutschen  Krieg  gewinnt.

Von  innerpolitischen  Schriftstücken  Bismarcks  sind  in  der  vorliegenden  Bandhälfte  nur
einige  wenige  wiedergegeben  worden.  Wohl  fließen  auch  diese  seit  dem  Jahre  1864  reichlicher,
  aber  sie  betreffen  doch  meist  nur  Nebenmaterien.  In  den  für  die  preußische  Innenpolitik
  in  Betracht  kommenden  Registraturen  findet  sich  kaum  ein  einziges  Schriftstück,  das
für  die  inneren  Zusammenhänge  zwischen  Bismarcks  preußischer  Innen-  und  seiner  deutschen
Außenpolitik  charakteristisch  wäre.  Leider  war  es  nicht  möglich,  die  Protokolle  der  wichtigen
Ministerrats-  und  Kronratssitzungen  aus  den  Jahren  1865  und  1866,  die  für  diese  Zusammenhänge
  besonders  ergiebig  sind,  in  den  Rahmen  des  politischen  Schrifttums  Bismarcks  einzubeziehen.
  Dafür  suchen  die  einleitenden  Vorbemerkungen  zu  den  abgedruckten  Schriftstücken
  alles  zu  verwerten,  was  sich  aus  diesen  Protokollen,  den  sonstigen  Akten  und  der
Literatur  zur  Aufhellung  der  ganzen  Zusammenhänge  ergibt.

Wenn  man  hier  und  da  überhaupt  hat  bezweifeln  wollen,  daß  Bismarcks  Außenpolitik
auf  das  stärkste  von  seiner  konservativen,  auf  die  Zurückdrängung  der  liberalen  Opposition,
die  Wiederherstellung  und  Erhöhung  der  Macht  der  Krone  gerichteten  Innenpolitik,  die  bisher
gar  zu  sehr  unter  dem  Gesichtswinkel  einer  Rückversicherung  gegenüber  dem  eigenen  Könige
aufgefaßt  wurde,  beeinflußt  worden  sei,  so  wird  man  nun  aus  der  Gesamtheit  des  politischen
  Schrifttums  Bismarcks  nicht  ohne  Überraschung  sehen,  welche  große,  um  nicht  zu
sagen,  entscheidende  Rolle  dieser  Zusammenhang  in  der  Schicksalsfrage  der  Auseinandersetzung
  mit  Österreich  gespielt  hat.  Es  ist  keineswegs  an  dem,  daß  das  Zusammengehen  mit
Österreich  in  dem  Kampf  um  Schleswig-Holstein,  das  seinen  dokumentarischen  Niederschlag  im
vierten  Bande  fand,  für  Bismarck  lediglich  ein  Mittel  zum  Zwecke  war,  um  einen  äußeren
Machtzuwachs  für  Preußen  zu  erzielen.  Sein  eigentliches  Ziel  ging,  wenn  wir  recht  sehen,
dahin,  durch  Allianz  und  Waffenbrüderschaft  den  Kaiserstaat  im  Guten  für  den  Gedanken
der  preußischen  Vormachtstellung  im  Norden  Deutschlands  zu  gewinnen  und  so  unter  Befriedigung
  des  preußischen  Lebensinteresses  eine  treue  und  auf  die  Dauer  berechnete  Verbindung
  beider  deutschen  Großmächte  gegen  gemeinschaftliche  Feinde,  d.  h.  vor  allem  gegen
Konstitutionalismus  und  gegen  Revolution  herbeizuführen.

Dieser  Wunsch  einer  treuen  und  engen  Verbindung  mit  Österreich  in  konservativem
Sinne  ist,  das  läßt  Bismarcks  jetzt  in  so  reicher  Fülle  strömendes  politisches  Schrifttum
klarer  erkennen,  bei  ihm  trotz  des  immer  wachen  Mißtrauens  gegen  den  traditionellen
Nebenbuhler  viel  intensiver  und  nachhaltiger  gewesen,  als  man  anzunehmen  geneigt  war.
Das  lehrt  mit  besonderer  Deutlichkeit  die  weitere  Vorgeschichte  der  Gasteiner  Konvention,