III. Die Intervention in Frankreich. 297
war es freilich nicht, wenn er in der Akademie, deren Kurator
er blieb, den Lobredner der Revolution machte und in der
Verherrlichung der Fridericianischen Politik, die doch nicht sein
Werk gewesen, zugleich für seinen eigenen Nachruhm sorgte.
Die Geschichte Friedrichs des Großen, die er hatte verfassen
sollen, blieb ungeschrieben, und von der Sammlung der Denk—
schriften, Manifeste und Verträge, die er während seiner langen
Dienstzeit abgefaßt hatte, wurde die Ausgabe des dritten Ban-
des 1793 verboten, weil er den Abfall der preußischen Politik von
den Fridericianischen Traditionen allzu schlagend erwiesen hätte;
erst nach seinem Tode (27. Mai 1795) durfte er erscheinen.
Rasch vollendete sich nun der Umschwung in der preußischen
Politik, den Bischoffswerder angebahnt hatte. Am 6. Juli rief
der Kaiser von Padua aus die Fürsten Europas auf zur Be-
freiung der königlichen Familie und Herstellung der Ordnung
in Frankreich. Militärische Vorbereitungen erfolgten noch nicht.
Denn in Wien mißtraute man Preußen, und in Berlin fürchtete
man gegen Frankreich gehetzt zu werden, damit Oesterreich und
Rußland im Osten freie Hand bekämen. Da vereinbarte Bischoffs-
werder mit Kaunitz selbst am 25. Juli einen Vertragsentwurf,
der den Abfall von dem Hertzbergschen System besiegelte und
die Herrschaft des Systems Bischoffswerder inangurierte. Oester-
reich und Preußen verbürgten einander ihren Besitz, versprachen
einander von sonst etwa eingegangenen Bündnissen Mitteilung
zu machen und bestätigten die Friedensschlüsse von 1742, 1745,
1763 und 1779: — die Konvention von Reichenbach blieb un-
erwähnt. Gemeinsam wollten sie auf ein Einschreiten Europas
in Frankreich hinwirken, in Polen zusammen mit Rußland für
die Erhaltung der Freiheit, das heißt also die Beseitigung der
Verfassung vom 3. Mai eintreten und jede Konkurrenz unter
sich dadurch ausschließen, daß weder ein österreichischer, noch
ein preußischer, noch ein russischer Prinz König werden dürfte.
Vor allem tauschte der einstige Beschützer der Ungarn und Bürge
der belgischen Verfassung mit seinem neuen Alliierten die Zu-
sage gegenseitiger Hilfe gegen innere Unruhen. Als ob in
Preußen solche zu fürchten gewesen wären! Von den Reichen-
bacher Abmachungen war nun nichts mehr übrig. In diesem