316 Vom grohen Kurfürsten bis zu Friedrich d. Gr.
Oesterreich aber trat nach August II. Tod sofort für August III. ein, und Friedrich
Wilhelm hielt es trotz der glänzendsten Versprechungen Frankreichs für angezeigt, sich an
Oesterreich anzuschließen. Er erbot sich, mit seinem ganzen Heer für den Kaiser einzutreten,
allein dieser glaubte das Anerbieten nicht annehmen zu können, und die Entscheidung
dieses Feldzuges zeigte keinesweg glänzende Resultate. In Polen und Italien
entbrannte der Kampf hauptsächlich, das erste Kriegsjahr schloß mit dem Verluste der
Lombardei, und ebenso gingen Neapel und Sizilien an den Kaiser verloren.
Dem Wunsche des Friedens trat unter Führung des Hofkanzlers Sinzendorf eine
Gegenpartei gegenüber, welche zur Fortsetzung des Kampfes riet. Allein als nun Oesterreich
am 3. Oktober 1735 mit Frankreich den Frieden zu Wien schloß, fand man es wiederum
nicht für nötig, den König um Rat anzugehen. Dieser war natürlich über ein solches
Vorgehen aufs Höchste empört, nun endlich sah er ein, was man hinter einer Freundschaft
mit dem Hause Habsburg zu suchen habe, und sein Sohn Friedrich erschien nun
als der einzige Rächer seiner gekränkten Fürstenehre. Als der König im Mai 1740 zu
seinen Vätern versammelt ward, da durfte er wohl trotz all der Unterschiede, die sich
zwischen ihm und seinem Sohne geltend machten, die Ueberzeugung mit sich nehmen,
daß das, was er erstrebt und gewollt hatte, sich in dem Sohne herrlich vollenden werde.
Und der preußische Staat verdankte diesem Fürsten viel. „Schon ein Blick auf den
wohlgefüllten Schatz und das stattliche Heer bewies die Gediegenheit der Grundlage
dieses „spartanischen“ Staatsbaus, doppelt wertvoll in einer Zeit, da gewaltige Entscheidungen
am politischen Horizont aufstiegen. Ueberall waren die natürlichen Hilfsquellen
erschlossen, die Erträgsfähigkeit gehoben, der Wohlstand und die Kultur gesteigert. Von
dem aufgeklärten, einsichtigen und wohlwollenden Sinn des neuen Königs durfte man
eine gesegnete Zeit für Preußen, voll Regentenweisheit und täriger Fürsorge für
das Wohl der Untertanen erwarten. Und schon die ersten Regierungshandlungen geben
den großen einsichtigen Geist, die unermüdliche Arbeitskraft, das ernste landesväterliche
Streben wie auch den selbstbewußten Willen des jungen Monarchen kund. Im ganzen
wurde das System der Staatsverwaltung des Vaters fortgesetzt, nur wurde eine große
Reihe von Mißbräuchen und überlebten Einrichtungen in der militärischen und bürgerlichen
Administration abgeschafft. Des Königs humaner Geist zeigte sich u. a. alsbald
in Milderung der barbarischen Kriminaljustiz, in der Aufhebung der Folter, die damals
noch überall ein wesentlicher Bestandteil des Strafprozesses war. Am meisten wußte
Friedrich die militärischen Leistungen des Vaters zu schätzen. Wohl wurden auch hier
mancherlei Aeußerlichkeiten und Spielereien, wie das große Leibregiment abgeschafft,
allein an dem Wesen der trefflichen Armeeorganisation hielt Friedrich sest und baute auf
den bewährten Grundlagen im Sinne des Vaters fort. Wir werden den Staat Friedrichs
des Großen an einem andern Ort kennen lernen; zunächst war es mehr der Feldherr,
als der Staatsordner, der seinen gefeierten Namen durch die Welt erschallen ließ.“