Al#llen. (April 26. — Mai u.) 393
Antrag, das Garantiegesetz einfach auf die Lebenszeit Rius' IX. zu
beschränken und es als ungültig für seinen Nachsolger zu erllären.
Die Abtheilungen beschließen, Angesichts der Interpellation La Porta
vom 10. d. M., den voreiligen Antrag nicht in Betracht ziehen zu
wollen.
26. April. Der deutsche Kronprinz, der gewissermaßen als
Ersatz für den unterbliebenen Besuch des Kaisers selbst mit der
Kronprinzessin einen längeren Aufenthalt in Italien macht, stattet
dem Könige von Italien von Florenz aus einen Besuch in Neapel
ab. Das kronprinzliche Paar wird in Florenz, Venedig k. von der
Bevölkerung in gang freiwilliger Weise vielfach gefeiert.
1. Mai. II. Kammer: Behandlung der Interpellalion La
Porta über die Beziehungen zwischen Staat und Kirche.
La Porta erinnert zunächst an die Bestimmungen des Garanliegesetzes,
base sich sodann über die ganze Kircheupolitik der Regierung mißbilligend
und hebt namentlich hervor, daß die bestehenden Gesetze von den
Geistlichen und hauptsächlich von den Mitgliedern des höheren Elerus quꝛ
ungestraft verletzt würden. Insbesondere laufe die Art und Weise, in zelche
den Bischösen das Uxequalur von dem Minislerium ertheilt werde, den
sepen durchaus w#wider. Schließlich wünscht der Redner zu wissen, G.
welchem Grunde das Geseh üher die Verwallung der Kirchengüter der Kammer
bis jetzt nicht vorgelegt worden sei. Der Justiz= und Cultusminister Bigliani
weist in seiner Antwort darauf hin, daß in jüngster Zeit unbotmößtgkiten
des Clerus gegenüber den Staatsgesetzen nicht vorgekommen seien, sichert d
Vorlegung des Gesetzes über die Verwaltung der Klrchengüler zu und brtonl.
daß das Verfahren der Regierung sowohl mit den Gesetzen, wie mit den
Interessen des Landes im Einklange stehe. Minghetti hebt hervor, daß
Seitens der Oppositionspartei ein Wunsch auf Abänderung des Garanliegesetzes
nicht ausgeprochen. worden, daß dieselbe sich vielmehr a,i die Behauptung
beschränkt habe, daß nicht in Gemäßheit des Garanliegesetzes verfahren
worden sei und erllet ,daß er hierüber eine Discussion annehmen
könne. Er gebe zu, daß e iv vischen der Kirche und den freisinnigen Elementen
der Gesellschaft zu einem Conflikte gekommen sei, aber in diesem Conflikte
müsse jede Nation sich derjenigen Mittel bedienen, die ihr von ihren
Ueberlieferungen, Gesetzen und Inleressen vorgeschrieben würden. La Porta
ieht hierauf den Antrag zurück, den er an seine Inlerpellation geknüpft
atle. Der Tepukirte Mancini erklärt jedoch, daß er über den nämlichen
Gegenstand sofort eine weitere Inlerpellation an die Regierung richlen werde.
3.—8. Mai. II. Kammer: Debatte über die neue Interpellation
Mancini betr. das Verhältniß zwischen Staat und Kirche.
Mancini beantragt die Resolution: „Die Kammer fordert das Ministerium
auf, die Würde der Nation und die bestehenden Gesehhe unverletzt
ꝛ bewahren, die Rechte des Slaates und die Prärogalive dor wit dem Gesehe
om 13. Mai 1871 fesigehaltenen Civilgewalt zu schüten n d so bald wie
WWlich die nöthigen Vorsichtsmahregeln für Ordnung bes ürglichen Eigenlhums
des niedern Clerus und des Laienstandes in kirchlichen Angelegenheiten
auf der Basis der Freiheit vorzulegen, und geht zur Tagesordnung über.“