4. Erhebung Preußens zur Großmacht durch Friedrich den Großen. 111
führen; nur wenige wußten, daß er vor Begierde nach Kriegsruhm brannte.
Seine ersten Maßnahmen zeugten allerdings von großer Menschenfreundlichkeit.
Zu den Generalen sprach er: „Sie werden in mir einen Herrn finden, der
die Armec nicht weniger liebt und pflegt als der verstorbene König. Gegen
einige von Ihnen liegen Klagen vor über Härte, Ubermut und Habsucht;
stellen Sie dieselben ab. Ein guter Soldat muß ebensowohl menschlich und
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Friedrich der Große. (Nach einem Gemälde von Chodowierki.)
vernünftig sein als herzhaft und brav.“ Seinen Ministern sagte er: „Ich
denke, das Interesse des Landes wird auch mein eigenes sein; sollten beide
miteinander in Widerspruch geraten, so soll das Wohl des Landes stets den
Vorzug haben.“ Da ein harter Winter Not und Hunger im Gefolge hatte,
ließ Friedrich das von seinem Vater gesammelte Getreide zu billigem Preise
an die Armen abgeben. Die Folter wurde abgeschafft, die Unabhängigkeit
der Richter anerkannt, und die Presse erhielt größere Freiheit als bisher-Den
wegen seines Freisinns von Friedrich Wilhelm I. aus Halle vertriebenen
Professor Wolf rief Friedrich zurück, und dem Konsistorium, das wegen des