152 Zweiter Zeitraum.
Eberhard von Rochow, der auf seinem Gute Reckahn eine Musterschule
einrichtete und das erste Volksschullesebuch, den Kinderfreund, schrieb. Im
ganzen unterstützte der Adel den König nicht genügend, und die Bauern
schickten ihre Kinder zum Teil nur gezwungen zur Schule; selbst königliche
Behörden ließen es oft an dem nötigen Interesse fehlen. Deshalb erlahmte
zuletzt des Königs Eifer, und während er früher die Invaliden vom Lehrer—
beruf ausgeschlossen hatte, ließ er sie später wieder zu, falls sie sich dazu
eigneten. · ·
Die Kirche erfreute sich unter Friedrich dem Großen einer weitgehenden
Selbständigkeit; er sah nur darauf, daß keine Konfession auf das Gebiet der
anderen oder des Staates übergriff (S. 112). Doch wußte er den Wert
der Religion wohl zu schätzen und ermahnte wiederholt, die Jugend zu wahrer
Gottesfurcht zu erziehen. Wenn ihm die besonderen Lehrmeinungen der christlichen
Bekenntnisse auch bedeutungslos erschienen, so hielt er doch die Grundwahrheiten
des Christentums fest. Auf seinen Befehl hieß es fortan im
Kirchengebet: „Laß dir, o Gott, empfohlen sein deinen Knecht, unsern König!“
Um die Arbeitszeit zu verlängern, hob er den dritten Feiertag der drei
hohen Feste sowie von den vier Bußtagen drei auf und strich ebenso den
Katholiken siebzehn Feiertage. Weil die Jesuiten sich um den Jugendunterricht
verdient machten, behielt er sie im Lande, obwohl der Papst (1773)
den Orden aufhob.
Kunst und Wissenschaft förderte Friedrich durch Erbauung des Opernhauses,
des heutigen Universitätsgebäudes und der Bibliothek sowie durch
die Standbilder seiner Helden Schwerin, Seydlitz, Keith und Winterfeldt; bei
Potsdam entstanden Saussouci, das Neue Palais und schöne Garten= und
Parkanlagen. Schauspiel und Oper unterstützte er freigebig, in den im
Schloß abgehaltenen Konzerten blies er wohl selber die Flöte. Dieselbe
Fürsorge erfuhr die Akademie; leider waren die Gelehrten derselben sowie
die Schauspieler meistens Franzosen. Von Franzosen erzogen, hatte der
König schon frühzeitig Vorliebe für ihre Sprache und Litteratur sowie für
einige geistreiche Franzosen gewonnen; doch war er nicht ein Bewunderer
des Franzosentums überhaupt, wie sein Wort bezeugt: „Die Franzosen sind
gar zu liederlich und machen lauter liederliche Sachen.“ Aber er schrieb
und sprach am liebsten französisch. Die deutsche Litteratur seiner Jugend
vermochte ihn allerdings nicht zu fesseln; mit den späteren Werken seiner
Zeitgenossen sich eingehend zu beschäftigen, dazu fehlte ihm Muße und Neigung.
Klopstocks, Gleims, Kleists Werke beachtete er nicht; selbst die Bedeutung
Lessings und Goethes blieb ihm verborgen. Dennoch dachte er echt deutsch,
und „der erste wahre und höhere Lebensgehalt,“ sagt Goethe, „kam durch
Friedrich den Großen und die Thaten des Siebenjährigen Krieges in die
deutsche Poesie.“ Auch als Schriftsteller hat sich Friedrich der Große einen
Namen gemacht. Außer Gedichten, vielen Briefen, philosophischen und staatswissenschaftlichen
Schriften hat er eine „Geschichte des Siebenjährigen Krieges"
und eine „Geschichte meiner Zeit“ hinterlassen. Uber die deutsche Sprache
und Litteratur urteilte er: „Was ist rühmlicher für einen Deutschen, als rein
deutsch zu schreiben und zu sprechen. Wir werden unsere klassischen Schrift-