Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

III.  Ballin,  Bülow  und  Tirpitz.

soziale  Einrichtungen  aufzuwenden  wünschte,  nicht  anders
als  enttäuschend  sein.  Stein  kannte  den  Widerstand  zu
gut,  der  gegen  ein  politisches  Geschäft  im  Sinne  Lloyd
Georges  von  den  Marinekreisen  bis  zu  den  verbohrtesten
Alldeutschen  zu  erwarten  war.

Der  Zufall  wollte  es,  daß  am  selben  26.  August  zur
Bekämpfung  des  Flottenenthusiasmus  Wilhelms  II.  von
Norderney  ein  Schreiben  des  Kanzlers  an  den  Kaiser  abging
  folgenden  Inhalts:

Erst  Erinnerung  daran,  was  er  alles  seit  1897  in  Wort
und  Schrift,  in  Parlamenk  und  Presse  für  die  junge  Flotte
getan  hatte;  dann  die  Versicherung  seines  Bestrebens,  den
wachsenden  Baum  vor  Stürmen  zu  schühen,  die  ihn  entwurzeln
  könnten;  weiter  warnender  Hinweis  darauf,  daß,
wenn  die  Seerüstungen  ad  infinitum  so  weitergingen,
eine  Kriegsgefahr  unausbleiblich  sei,  und  daß  vielleicht  bei
weitrer  Steigerung  der  Unruhe  in  England  der  angekündigte
  Besuch  der  englischen  Majestäten  nicht  zustandekommen
  werde.  Endlich  nach  der  Schilderung  der
Gefahren  eines  Dreifrontenkrieges  Verkeidigung  Metternichs.
  Der  Botschafter  habe  aufs  bestimmteste  erklärt,  daß
ihm  auf  seinem  Londoner  Posten  nie  eine  Drohung  enkgegengetreten
  sei,  und  daß  die  Engländer  vor  allem  der
Notwendigkeit  einer  neuen  gewaltigen  Flottenverstärkung
überhoben  sein  wollten;  auch  Metternich  widerrate,  jetzt  in
offizielle  Besprechungen  über  die  Frage  einzutreten;  wenn
wir  aber  jede  Verständigung  über  den  Flottenbau  in  den
zahlreichen  unverbindlichen  Gesprächen,  die  jeder  Botschafter
  führen  müsse,  ab  ovo  kategorisch  und  für  immer
ablehnten,  so  wachse  die  Beunruhigung  in  England  in
geometrischer  Progression,  womit  eine  wirkliche  Kriegsgefahr
  entstehe.

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