Volltext : Unser Preußen.

Fichte  und  die  Akademie  (1805).  DAT

Kant  gefunden,  und  die  neueren  Modesysteme  [ScHELıLme’s  und
Heser's]  haben  doch  sein  System  noch  nicht  ganz  verdrängt.  Gewiss
  ist  es,  dass  sein  System  Epoche  gemacht  und  auch  auf  die
neueren  einen  beträchtlichen  Einfluss  gehabt  hat.  Die  Abweichung
seines  Systems  von  dem  unserigen  kann  meines  Erachtens  kein
Grund  sein,  einem  berühmten  Mann  den  Eintritt  in  die  Akademie
zu  versagen;  sonst  müsste  sich  die  philosophische  Klasse  auf  den
Meister  und  einige  seiner  Schüler  einschränken,  wo  sodann  die
Letzteren  entbehrlich  sein  würden«.

Alles  kam  auf  die  Voten  von  Biester  und  Nicoraı  an.  Jener  giebt
zunächst  Kıem  darin  Recht,  Jdass  alles  Persönliche  zu  verbannen
sei,  aber,  fährt  er  fort,  »völlig  verschieden  davon  ist  es,  wenn  man
etwa  veranlasst  wird,  im  Ganzen  etwas  näher  auf  den  Charakter
eines  Mannes  zu  achten,  der  ganz  auffallende  Streitigkeiten  geführt
hat,  und  nun  also  auch  die  Manier  erwägt,  wie  derselbe  bei
solchen  Gelegenheiten  zu  Werke  zu  gehen  sich  erlaubt.  Hier  kann
man  auch  wohl  an  das,  was  man  selbst  von  ihm  erlebte,  zurückdenken;
  aber  sicherlich  eben  so  unbefangen,  als  an  die  andern
(freınden)  Beispiele,  die  man  von  der  Manier  dieses  Mannes  in

Schriften  und  Zeitungen  lass.

»Das  lesende  Deutschland,  welches  gewiss  doch  viel  gewohnt  ist,
sah  mit  wahrem  Erstaunen  —  eine  Art  grässlichen  Erstaunens  könnte  man
es  nennen  —  auf  den  Ton,  den  Hr.  Fıc#sr  in  seinen  Schriften  annalını,
und  den  er  leider  bei  seinen  Schülern  eingeführt  hat,  die  meistens  jetzt
seine  Gegner  geworden  sind.  Dieser  Ton  (von  dem  Grunde  oder  Ungrunde
  seiner  Behauptungen,  von  seinem  Recht  oder  Unrecht  in  den
Streitigkeiten  hiebei  abgesehen)  war  bis  dahin  bei  philosophischen  Schriftstellern
  durchaus  unerhört,  und  ist  für  Alle.  die  nicht  selbst  lasen,  was
er  schrieb.  in  der  That  unglaublich.  Mit  welcher  Arroganz  oder  vielmehr
  hochmüthigen  Aufgeblasenheit,  mit  welcher  ganz  übertriebenen  Einbildung
  von  sich,  mit  welcher  ungesitteten  Plumpheit  und  schnöden  Wegwerfung
  gegen  Andersdenkende,  mit  welchen  rechthaberischen  Kitzel,
nicht  sowohl  den  Richter  als  den  Gebieter  zu  spielen,  er  schrieb,  haben
alle  Beurtheiler  seiner  Schriften  mit  dem  stärksten  Unwillen  bemerkt,  und
seine  lautesten  Freunde  nicht  geleugnet  (weil  dies  unmöglich  war),  aber
wohl  als  ganz  recht  von  seiner  Seite  und  als  verdient  für  seine  Gegner
darzustellen  gesucht...  Nun  gilt  zwar  der  Schluss  vom  schriftstellerischen
Charakter  nicht  ganz  sicher  auf  den  moralischen.  Aber,  wo  jene  ungeselligen
  Eigenschaften  sich  doch  so  häufig  und  so  unverhohlen  zeigen,  da
lässt  sich  vermuthen,  dass  sie  im  Gemüthe  selbst  wohnen,  zumal  wenn
der  Manu  nie  einen  Schritt  gethan  hat,  un  die  allerempörendsten  Äusserungen
  auch  nur  einigermaassen  zurück  zu  nehmen.«

Dann  geht  Biester  auf  das  System  Fic#te's  ein.  Er  spricht
dem  Philosophen  Scharfsinn  und  Consequenz  zu;  auch  der  Gegner,
dem  der  Nutzen  des  Systems  für  die  Wissenschaft  fraglich  ist,  muss

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