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Die Nachricht, vielleicht 1232 durch Wilhelm von Modena aus
dem Norden mitgebracht,7%%) machte auf den Papst einen erschütternden
Eindruck. 101) Wiederholt ermahnte er die Ordensritter, ihn zu
befreien; allein bald gab er die Hoffnung auf, daß derselbe je wiederkehre,
und scheint sich an den Gedanken gewöhnt zu haben, er sei
unter dem wilden Volke umgekommen. Sein Name wurde nicht mehr
genannt.
Die Preußischen Kriegsschaaren begnügten sich jedoch nicht mit
der Hinwegführung des Bischofs. Sie hatten gehofft die ganze christliche
Streitmacht zu überfallen; als sie diese nicht fanden, stürmten
sie, kühn geworden durch das Gelingen des ersten Versuchs und durch
den Besitz des Mächtigsten unter ihren Feinden, — wie sie nach
ihren Sitten glauben mochten —, über die Pomesanische Grenze
binaus in's Kulmerland, und von da nach Masovien, Cujavien und
Pommern und hausten so entsetzlich, daß die Bischöfe von Masovien
—— —
200) Nach Cod. d. Pr. I, 23. war Wilbelm von Modena 1230 abermals in
Livland. Im Jahre 1232 kehrte er nach Italien zurück. Cod. d. Pr. 1I, 29. Was
übrigens letztere Bulle betrifft, so ist sehr zu bezweiseln, ob die darin genannten
„„Pruteni“ die Preußen sind. Raynald. 1231. u. 43. stehen in einem Schreiben
desselben Papstes Pruteni, welche ebenfalls die eigentlichen Preußen nicht sein
können. Gregor hatte wohl keine recht klare Vorstellung von der Lage und dem Verhältniß
jener nordischen Völker und mochte den Namen Pruteni auch einmal gebrauchen,
wo er ein anderes Volk meinte. In unserem Schreiben Cod. d. Pr. 1,
28. liegt sicher ein solcher Fall vor; denn auf Preußen paßt nicht, was der Papst
sagt: Referente venerabili fratre nostro Mutinensi episoopo nuper accepimus,
quod vos (nämlich die angeredcten Pruteni) — parati estis recipere
verbum dei et eidem episcopo humiliter obedire. — Die Pomesanier könnten
es einmal gar nicht sein; denn daß sic 1231 sich sollen zur Taufe bereit erklärt, im
Winter den schrecklichen Raubzug gemacht, im folgenden Jahre 1232 sich wieder bekehrt
haben und doch im Winter 1233/34 wieder die blutige Schlacht an der Sirgune
geliefert haben, wäre doch ein zu rascher Wechsel. Und der Papfst sollte 1232
den Abfall von 1231 nicht erwähnt haben! — Auch die Urkunden I, 17. und 48.
im Voigt'schen Cod. d. Pruss. gehen nicht Preußen, sondern Livland an.
201) „Quod dolentes audivimus et conturbati referimus.“ Cod. d.
Pr. 1, 32.