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machte in dieser Zeit große Fortschritte. Noch gegen Ende des 18. Jahr—
hunderts waren die Straßen vieler Städte nachts dunkel, andere wurden
durch Ollampen spärlich erleuchtet. Das in England erfundene Gaslicht
wurde seit 1826 auch bei uns zur Beleuchtung der Fabriken, bald auch der
Straßen und Wohnräume verwandt.
Die Landleute gewannen durch die Verbesserung der Verkehrsmittel
für ihre Erzeugnisse größeres Absatzgebiet; da die Bauern persönlich frei und
Eigentümer ihres Bodens waren, arbeiteten sie mit größerer Lust. Dieser
Segen der Steinschen Reform wurde (1820) durch ein Edikt, betreffend die
Ablösung der bäuerlichen Lasten, auch den preußischen Bauern zwischen Elbe
und Rhein zu teil, und im folgenden Jahre wurde allen Gemeinden des ganzen
Staates gestattet, ihre Gemeindeländereien zu teilen, ihre Ländereien
zusammenzulegen (zu verkoppeln) und den Flurzwang aufzuheben. Anfangs
sträubten sich die Bauern gegen diese wohlthätige Maßregel, aber bald sahen
sie den großen Nutzen derselben ein. Manche Bauern steigerten den Ertrag
ihrer Ernte bald auf das Doppelte und Dreifache, besonders seitdem ihnen
Thaer und Liebig gezeigt hatten, wie man durch Anwendung der Natur—
wissenschaft auf die Landwirtschaft, vor allem durch geeigneten Fruchtwechsel,
dem Lande größere Erträge abgewinnen könne. Thaer, anfänglich Arzt in
seiner Vaterstadt Celle, errichtete in Möglin bei Neustadt-Eberswalde die erste
Vandwirtschaftliche Lehranstalt (1806).
In Paris hatten König Friedrich Wilhelm, Zar Alexander und
Kaiser Franz (1815) die heilige Allianz geschlossen, durch welche sie
sich verpflichteten, ihre Unterthanen nach den Vorschriften der christlichen
Religion zu regieren; später traten die meisten europäischen Staaten diesem
Bunde bei und durften sich vieler Jahre des Friedens erfreuen. Der
Deutsche Bund zeigte sich je länger desto mehr als verfehlt. Da die ge—
meinsame diplomatische Vertretung und der einheitliche militärische Oberbefehl
mangelte, so war er nach außen ebenso schwerfällig und ohne Ansehen wie das
alte Deutsche Reich; aber auch nach innen wurde seine Wirksamkeit dadurch
abgeschwächt, daß zu den wichtigen Beschlüssen, z. B. über Verfassungsänderung,
Einstimmigkeit erforderlich war, und daß den größeren Staaten nicht ein
ihrer Macht entsprechendes Stimmrecht eingeräumt wurde. Jeder, auch der
kleinste Staat hatte wenigstens eine Stimme, sterreich und die fünf König—
reiche hatten je vier Stimmen, Sachsen also soviel wie Preußen; ja es
konnte der Fall eintreten, daß Preußen von solchen Staaten überstimmt
wurde, die zusammen nicht so viele Einwohner hatten wie ein preußischer
Regierungsbezirk. Noch unhaltbarer wurde der Bund dadurch, daß beide
deutsche Großmächte zu demselben gehörten: sobald Preußen sich Osterreich
nicht mehr willig unterordnete, mußte es zum Bruch kommen.
Auch die Hoffnung des Volkes auf Einführung einer ständischen Verfassung
in den einzelnen Bundesstaaten, die ihm in der Wiener Bundesakte
versprochen war, erfüllte sich nur zum Teil. Friedrich Wilhelm III. hatte
im Mai 1815 seinem Volke ebenfalls eine Versammlung von Landesrepräsentanten
versprochen, und Stein, Hardenberg, Blücher, Schleiermacher, Arndt,
die verdientesten Männer, freuten sich dessen; aber die Gegner solcher Neuerung,