18 Erster Zeitraum.
ihm nicht an äußeren Mitteln, sich Ansehen zu verschaffen. 1412 erschien er
in der Mark und forderte die Stände zur Huldigung auf. Die Abgeordneten
der Städte, zuerst Berlin, gehorchten, ebenso die Ritter der Lande Teltow,
Lebus und Sternberg sowie die Bischöfe von Brandenburg und Lebus; die
Ritter des Havellandes aber, Dietrich und Hans von Quitzow und viele
andere, erschienen nicht. Sie wollten überhaupt keinen Herrn über sich haben
und hofften, der Kaiser werde sich um sie nicht kümmern können, mit dem
„Tand von Nürnberg“ aber würden sie leicht fertig werden. „Und wenn
es ein ganzes Jahr Burggrafen regnete,“ so prahlten sie, „sollten sie doch
hier zu Lande nicht aufkommen.“ Gleichzeitig rüsteten sie im stillen. Auch
Friedrich machte sich zum Kampfe bereit; er versuchte aber zuvor den Weg
der Güte und brachte dadurch noch manchen vom Adel auf seine Seite. Da
erstanden ihm neue Feinde in den Herzögen von Pommern, welche die
Herausgabe der Uckermark verweigerten und sofort in Brandenburg einfielen.
Friedrich konnte ihnen nur eine kleine Schar entgegenstellen und vermochte
deshalb in dem Gefecht am Kremmer Damm (1412) den Sieg nicht zu
erringen, so daß den ungehorsamen Rittern der Mut noch mehr wuchs. Auch
als Sigismund ihnen mit der Reichsacht drohte, unterwarfen sie sich nur
zum Schein; denn unter Friedrichs Augen plünderten und verbrannten sie
magdeburgische Dörfer. « ·
Zuletzt verlor der Markgraf die Geduld. Er schloß mit dem Erzbischof
von Magdeburg und dem Kurfürsten von Sachsen ein Bündnis, lieh von
dem Landgrafen von Thüringen ein schweres Geschütz, das der Sage nach
von den Vorspannbauern „faule Grete“ genannt wurde, weil es, wie alle
schweren Geschütze damaliger Zeit, nicht auf Rädern ruhte, daher schwer fortzuschaffen
war, und ließ sogar aus Kirchenglocken leichtere Donnerbüchsen
gießen; auch führte ihm seine Gemahlin Elisabeth (die „schöne Else"), eine
Tochter des Herzogs von Bayern, ein Ritterheer aus Franken zu. Darauf
belagerte er gleichzeitig vier feste Burgen der Raubritter. Zuerst fiel Friesack,
nordöstlich von Rathenow, nachdem der Burgherr Dietrich von Quitzow die
Flucht ergriffen hatte — er ist elend umgekommen. Die stärkste Burg war
Plaue am gleichnamigen See westlich von Brandenburg; aber auch ihre 4 m
dicken Mauern hielten den starken Büchsen nicht stand, Hans von Quitzow
geriet in Gefangenschaft. Schon vorher war Golzow an der Plaue südlich
von Brandenburg gefallen; jetzt ergab sich auch Beuthen bei Potsdam, und
dann unterwarf sich der ganze Adel des Havellandes. Friedrich ließ durch
die einberufenen Landstände die Strafe festsetzen, welche die Friedensbrecher
treffen sollte; sie war milde, den meisten erließ er sie bald in Gnaden. Ferner
verkündete der Markgraf mit Zustimmung der Landstände einen Landfrieden,
der jede Selbsthilfe untersagte; den Städten aber, die ihn kräftig unterstützt
hatten, gewährte er manche Vergünstigungen. Hierauf übergab er die Statthalterschaft
einstweilen seiner Gemahlin und eilte zum Kaiser auf das Konzil
zu Konstanz. 1
Dort war Friedrich wieder des Kaisers rechte Hand. Als Papst Johann
mit Hilfe Friedrichs von Osterreich aus Konstanz entwich, um das Konzil zu
sprengen, ward der Burggraf beauftragt, beide zurückzuführen, und er löste