Full text : Unser Preußen.

276  Dritter  Zeitraum.

bald  war  sein  ganzer  rechter  Flügel  vollständig  zertrümmert.  Schon  überschritten
einzelne  feindliche  Abteilungen  die  Elbe,  deshalb  befahl  der  König  allgemeines  Vorgehen
  auch  der  ersten  Armee.  Die  Schlacht  war  gewonnen,  Benedek  kämpfte  nur
noch  für  den  Rückzug;  aber  nun  zeigte  sich,  wie  gefährlich  seine  Stellung  mit  der
Elbe  im  Rücken  gewesen  war.  ätte  der  menschenfreundliche  König  nicht  die  Verfolgung
  eingestellt  und  besonders  dem  mörderischen  Artilleriefeuer  auf  die  zusammengeballten
  Massen  Einhalt  gethan,  das  österreichische  Heer  wäre  vernichtet  worden.

 

 

 

 

 

 

Auf  dem  Schlachtfelde  von  Königgrätz.

Der  fast  siebzigjährige  König  hatte  seit  8  Uhr  im  Sattel  gesessen  und  sich  während
des  Tages  nur  einmal  aus  der  Tasche  eines  Soldaten  erquickt.  Wiederholt  begab
er  sich  trotz  Bismarcks  eindringlicher  Warnung  in  Gefahr.  „Wohin  soll  ich  denn

ehen,“  erwiderte  er,  „wenn  meine  braven  Truppen  im  Feuer  sind?“  Wo  er  sich  den
Truppen  näherte,  um  sie  anzufeuern  oder  Verwundete  zu  trösten,  empfing  ihn  lautes
Hurra,  Offiziere  stürzten  herbei,  um  ihm  die  Hand  zu  küssen.  Erst  um  8  Uhr  traf
er  den  Kronprinzen.  Welch  ein  Wiedersehen!  Es  machte  auf  alle  Anwesenden  einen
ergreifenden  Eindruck,  als  Vater  und  Sohn  einander  umarmten  und  der  Heldengreis
dem  ruhmgekrönten  Sohne  den  höchsten  Kriegsorden  Preußens,  Pour  le  mörite,  umhängte,
  den  er  bis  dahin  selber  geltragen  hatte.  Die  Schlacht  von  Königgrätz
(„Dem  König  gerät's“),  wie  sie  der  König  nannte,  oder  Sadowa,  wie  sie  das  Ausland
  nennt,  ist  nach  Umfang  und  Folgen  eine  der  größten  Schlachten  aller  Zeiten.