Contents : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aum̃er  730

Beim  Angriff  der  Nebellen  auf  Durazzspielt
  Verrat  eine  große  Rolle.  Die  Wache,
die  auf  der  Brücke  stand  und  diese  hätte  leicht
verteidigen  lönnen,  ließ  sich  überrumpeln  und
ging  fluchtartig  zuruck,  worauf  rasch  Verstärkungen
  berangezogen  wurden,  die  auf  beiden
Seiten  der  Strabe  sich  in  die  dort  aufgeworsenen
  Schützengräben  legten.  Ueber  alle  Erwarlungen
  und  Pläne  müssen  die  Aufständischen
von  Duratzo  aus  genaue  Nachrichten  gehabt
haben.  Es  ist  Uar,  daß  Verräter  in  der  Stadt
sind  und  zwar  gut  unterrichtete  Verräter,  dio
mit  dem  Lager  der  Rebellen  in  Verbindung
slchen.  Der  plötzliche  Angriff  auf  Durago  war
sehr  geschidt  vorbereitel  und  erjolgte,  nachdem
die  Aufständischen  in  Ersahrung  gebracht  hatten,
daß  die  Verstärlungen  aus  Suoalbanien  und
die  Leute  Prenk  Vib  Dodar  sich  Duraszo  nä:
herten.  Nach  Eintreffen  dieser  Hilfelräfte  plante
die  albanische  Regierung,  energisch  hegen  die
Rebellen  vorzuschreiten  und  sie  von  dreie
anzugreifen.

Bei  dem  ersien  Angriss  wurde  auf  beiren
Seiten  unglaublich  viel  Munition  verpulvert.
Der  Oberst  Thomson  und  andere  holländische
Offiziere  versuchten  vergeblich,  die  Malissoren
aus  den  Schützengräben  heraus  zubringen,  damit
  sie  gegen  den  Feind  vorgingen.  Endlich
gelang  es  dem  Obersien  Thomson  doch,  eine
Anzahl  von  Malisforen  zum  sprungweisen  Vorgehen
  zu  bewegen.  Aber  taum  waren  diese
einige  Schritte  nach  vorn  gelaufen,  als  sie  ein
heftiges  Feuer  empfing.  Dabei  wurde  berst
Thomson  durch  eine  Gewehrkugel  am  Halse  son
schwer  verwundet.  daß  er  msammenbrach.  Als
die  Malissoren  dies  sahen,  liefen  sie  wieder  zurück
  und  verschwanden  in  den  Schützengräben.
Keiner  kümmerte  sich  um  den  gesallenen  Kommandanten.
  Der  Major  Rocissema  und  der
„Times“  Korrespondent  eilten  nach  vorne  und
brachten  Thomson  aus  dem  Feuerbereich.  Sie
schafften  ihn  in  ein  nohegelegenes  Haus,  wo  er
nach  wenigen  Minnten  verstarb.  Die  Leiche  wur
de  in  den  Konak  des  Fürsten  gebracht.

Der  Fürst  von  Albanien  sandte  an  die  Königin
  von  Holland  ein  Telegramm,  in  dem  er
ihr  den  Tod  Thomsons  meldet,  dessen  hereischer
  und  tluger  Führerschaft  er  den  Sieg  berdante.
  Die  holländische  Regierung  wird  die

Leiche  nach  Holland  überführen  lassen.  In  der
bolländischen  Kammer  ebrte  der  Präsid  ent  das
Andensen  des  Obersten  Thomson,  der  alo  Held
gestorben  sei  und  dessen  Tod  einen  großen  Verlust
  nicht  allein  für  Holland  bedeute.  Der  Ministerpräsident
  schloß  sich  diesen  Worten  an.

Sofs-  und  Personalnachrichten.

Regensburg,  16.  Juni.  Die  Königliche
Familie  trat  heute  mit  dem  neuen  Dampfer
Weri  Sophie  der  öslerreichisch-  ungarischen

 

Die  Fahrt  non  Negeneburg  bis  Straubing,  wowelbst
  die  Anlunft  gegen  12  Uhr  erfolgte,  gestaltete
  sich  bei  dem  prächtigen  Wetter  sehr  genußreich.
  Von  der  Terrasse  der  Walhalla
grüßten  Fanfarenklänge  und  bei  der  Vorbeisahrt
  an  den  zahlreichen  Ortschaften  wurden
den  Mojestäten  unter  Glockengeläute  jubelnde
Huldigungen  von  der  Bevöllerung  dargebracht.
In  Straubing  sanden  große  Feierlichkeiten  statt.
Die  Abfahrt  von  Straubing  erfolgle  turz  vor
2  Uhr  mit  dem  Dampfer  „Margit“,  weil  der
Dampfer  —i*i  zogin  Sophie“  wegen  der  hochgehenden
  Donan  die  Brücke  bei  Deggendorf  nicht
passieren  tann.  Nach  herrlicher  Fahrt  lief  die
„Margit“  mit  der  Königlichen  Familie  an
Bord  mit  großer  Verspätung  den  Ländeplat
in  Passau  an.  Bei  der  Fahrt  die  Dn
abwärts  war  die  Königliche  Familie  der  Geger

stand  herzlicher  rationen,  die  ihr  von  der  an

ihr  Cederst  *  dat.)gleichgüllig  sei.  Nun  aber
tehrte  ihn  e  Erinnerung  an  jene  Dinge  zurück,
  die  dind  Ausgamn  ihres.  Gespräches  gebil.
det  hauen.  Ernst  werdend  sagte  er:

„Du  willst  nicht,  daß  ich  mich  schon  jetzt  vor
der  Welt  deinen  Verlobten  nennen  darf  Sabine.
  Wie  aber  soll  ich  dann  jene  BVurschen  zur
Rechenschaft  ziehen,  die  es  wagen,  dich  zu  beß

  sie  doch  schwaßen!  Sie  können  mir
keinen  Spaden  tun.  Ich  verachte  das  Gerede
—  und  ich  glaube  dich  start  genug,  darin  mit
mir  überein  zustimmen.  Geh  fort,  wenn  sie  von
mir  sprechen  —  laß  sie  stehen!  Da  wirft  du
michtunn,  in  die  Lage  kommen,  dich  in  mir  gekränkt

hle

3u

„Es  wird  mir  schwer  werden,  nach  diesem
Nate'  zu  handeln.  Sabine!  Und  ich  wünsche
nicht,  noch  einmal  Zeuge  eines  derariigen
Gespräches  zu  sein.  Ich  wüßte  nicht,  ob  ich
dann  für  mich  einstehen  könnte.  Nun  aber,
Sabine,  nun  wirst  du  mir  auch  die  Ein  zelheiten
  dessen  nicht  shuldig  bleiben,  das  damals
Zwischen  dir  und  Winterseld  geschehen  ist.“

„Quäle  mich  heute  nicht  mit  jenen  Dingen,
mein  Freund!  Spater,  später  will  ich  dir  alles
erzählen.  Für  heute  aber  mustt  du  mir  ein
wenig  Ruhe  gönnen.  Sei  nicht  böse,  wenn
ich  dich  jetzt  sortschicke;:  aber  Herta  und  mein
Bruder  können  in  jedem  Augenblick  zurück
kommen,  und  ich  will  nicht,  daß  sie  dich  noch
hier  finden.  Es  ist  spät  geworden.“

Ein  verstohlener  Blick  auf  die  Wanduhr
zeigte  Herter,  daß  die  zehnte  Stunde  beinahe
erreicht  war.  Da  hatte  auch  er  es  sehr  eilig,
sich  zu  entfernen,  so  eilig,  daß  Sabine  sich  ein
wenig  gekränkt  sühlen  mochte.  Sie  küßten  sich

in  Passau  antam.

Seiten

 

dargebracht  wurden.  Durch  den  längeren  Aufenthalt
  in  Straubing  und  deggendorf  hatte  sich
die  Anlunft  in  Passau  um  über  eine  Stunde
verzögert,  so  daß  das  Schiff  erst  gegen  19  Uhe-Als
  Passau  in  Sicht  lam,
begann  ein  leichter  Regen  einzusetzen,  der  sich
bis  zum  Einzug  in  die  Stadt  zu  einem  kräftigen
Gemitterregen  entwickelte.

Berschiedene  Nachrichlen.

Ludwigeoburg,  16.  Juni.  Der  verh.
57jährige  Manrer  Jalob  Wild  wollte  in  einer
Wirtschaft  Feigen,  „wie  die  Franzosen  essen“.
Er  ließ  sich  ein  Pfund  rohes  Fleisch  vorsetzen,
das  er  mit  menigen  Bissen  essen  wollte.  Plötz--lich
  blieb  Wild  ein  Stück  Fleisch  im  Halse  steden.
Vis  ein  Arzt  zur  Stelle  war,  war  der  Eßkünstler
  -  erstickt.

1,  16.  Juni.  Nach  Unterschlagung  von
16  9  M.  in  WMiertpapieren  hat  sich  der  Buchhalter
  Detlef  erschossen.  Detlef,  der  bei  dem
Bankhause  Teichmann  angestellt  war,  befand
sich  gerade  auf  Urlaub,  als  die  Fälschungen  und
Unterschlagungen  aufgedect  wurden.  Als  die
Kriminalpolizei  in  der  Wahnung  Detlefs  ecschien,
  um  ihn  zu  verhaften,  ergriff  dieser,  ohne.
daß  die  Beamten  es  verhindern  konnten,  den
Revolver  und  schoß  sich  eine  Kugel  in  den
Kopf,  die  seinen  sofortigen  Tod  herbeiführte.

Essen,  16.  Juni.  Das  größte  Geschütz,  das
seit  Bestehen  des  Meppener  Schießplahes  von
Krupp  dorthin  trausportiert  wurde,  traf  am
Samstag  dort  zu  Versuchewesen  ein.  Es  ist
ein  Schiffsgeschütz,  38  zentimeter-Kaliber,  mit
einer  gesamten  Fee  nntunne  von  17  Metern;  der
Verschlußteil  hat  einen  Durchmesser  von  elwa
1  Meler.  Vei  voller  Ladung  beträgt  das  Pulvergewicht
  etwa  200  Kilogramm,  die  Schußweite
  etwa  24  Kilometer.  Ein  scharser  Schuß
tostet  etwa  10  000  Mark,  das  ganze  Geschütz
400  000  Marl.

Graz,  16.  Juni.  Sämtliche  17  Mitglieder
des  denutsch-  frecheitlich-bürgerlichen  Gemeinderatsllubs
  haben  ihre  Mandate  niedergelegt,  mit
der  Begründung,  daß  sie  als  Minderheit  die
Vergewaltigung  ihrer  Rechte  durch  die  Vereinsgung
  der  Beamten  und  Sozialdemotraten
im  Gemeinderate,  die  29  an  der  Zahl  sino
und  unter  der  Führung  des  sozialdemokratischen
  Vizebürgermeisters  stehen,  nicht  weiter  zulassen
  wollen.  Da  auch  Bürgermeister  Dr.  von
Jleischhacker  sein  Amt  niederlegte,  wird  voraussichtlich
  ber  Gemeinderat  aufsgelöst  werden.

Genf,  16.  Juni.  Zu  einem  traurigen  Ende
führle  5#.  bittere  Not  eine  mit  ihrem  Sohne
von  Frankfurt  a.  M.  nach  Genf  verzogene  Fraunamens
  Schwarm,  die  einst  als  Gattin  eines
Grohindunriellen  glücklichere  Tage  gesehen  hat-In

  einem  sehr  ärmlichen  Mansardenstübchen
leno  man  die  70jährige  Frau  in  halbverwestem
  Zustande  und  kaum  mit  einigen  Lumpen
bereckt  ror,  während  ihr  Sohn,  der  seit  Wochen
leine  ordentliche  Nahrung  mehr  zu  sich  genommen
  batte  und  sich  bei  seiner  toten  Mutter  aufhielt,
  den  Verstand  verloren  hatte.

Genf,  16.  Juni.  Die  Krise  der  schweizerischen
  Kantonalbanken  hat  eine  weilere  Verschärfung
  erfahren.  In  Uri  geht  das  Gerücht
von  dem  finanziellen  Zusammenbruch  der  dortigen
  Kantonalsparkasse  um,  die  in  der  letzten
Zeit  große  Verluste  infolge  verfehlter  Spelmationen
  und  unglücklicher  Kapitalsanlagen  zu
erleiden  hatte.  Die  finanzielle  Lage  der  Kasse
gilt  als  vollständig  erschüttert,  und  der  Direlrtor,
  ein  Württemberger  namen-Neudorffer,  dem
man  die  Schuld  an  den  unvorteilhaften  finanziellen
  Transaltionen  zuschreibt,  ist  bereits  in  Haft
genommen  worden.

 

 

äum  Abschied,  und  der  Abgeordnete  gab  das
Versprechen,  morgen  zur  ewöhnlichen  Besuchszeit
  wiederzukommen.  ann  aber  verließ  er
eilig  das  prachtvolle  Palais,  um  sich  abermals
einer  Droschke  anzuvertrauen.

Diesmal  aber  hatte  er  dem  Kutscher  das
Haus  in  der  Lutfsenstraße  als  Ziel  der  Fahrt
Penanm,  in  dem  der  Abgeorbnele  Raymar  sein

eben  im  Grabe  führ
10.  FKper

Der  Diener  zeigte  sich  nicht  verwundert,  als
er  Herter  noch  zu  so  später  Stunde  das  Haus
betreten  sah.

War  er  es  doch  gewohnt,  daß  der  Abgeordnete
  zu  ungewöhnlichen  Jeiten  bei  seinem
Herrn  Besuche  machte,  und  war  es  doch  überdies
  des  Wunderlichen  und  Gesusemes,  das  er
in  diesem  Hause  schon  gesehen  hatte,  so  viel

ewesen,  daß  er  das  Staunen  allgemach  verernt
  hatte

Auf  die  Frage  Herters,  ob  Herr  Raymar
noch  zu  sprechen  sei,  begab  er  sich  in  das  Zimmer

hinauf.  in  das  er  seinen  Herrn  tragen  mußte,
wenn  ihn  die  lästigen  Kopischmerzgen  nicht
plagten.  Raymor  gebot  ihm,  Herrn  Herter

sogleich  hereinzuführen.  Und  wie  stets  streckte
er  dem  Abgeorbneten  freundlich  die  Rechte  entgegen



rüß  Gott,  Rudolsf!  Es  ist  recht  spät  geworteht
  heute.  Und  ich  hatte  eigentlich  nicht
mehr  auf  deinen  Besuch  gehofft.“

„Du  weißt,  daß  ich  sieis  zu  halten  pflege,
was  ich  versprochen  habe  !“  gab  Herter  mit  un-Motzoierter.
  Gereiztheit  zurück.  „Verzeih,  wenn

ch  dich  habe  warten  lassen.  Aber  ich  hatte  eine
wichug.  Belprechung.  die  ich  nicht  ohne  weiteres
abbrechen  konnte

2

 

W  —

den  Usern  des  Stromes  wartenden  Bevöllerung.

Parie,  156.  Juni.
martre  sind  im  Laufe  des  Dienstags  vormitlags
  neue  Erdrutsche  erfolgt.  Im  Kommissariat
  spielten  sich  bei  der  Rekognoszierung  der
Leichen  erschütternde  Szenen  ab.  Unter  den
Toten  befindet  sich  auch  eine  Frau  Crone,  die
Witwe  eines  Generaldirektors,  die  auf  dem
Wege  zur-Kirche  in  die  Tiese  versank.  Der
NRentier  Vertran,  der  zur  Jeit  des  Unwetters
einen  Brief  in  den  Postiasten  werfen  wollle,
versank  ebenfalls  und  ertrank.

London,  16.  Juni.  Die  Erregung  im  englischen
  Publilum  gegen  die  Suffragetten  ist  derart
  gestiegen,  daß  die  Londoner  Gerichte  gestern
  viele  Fälle  von  Ruhestörungen  infolge
von  Augriffen  der  Zuhörer  auf  Wahlweiber,
die  im  Freien  Reden  hielten,  abzuurteilen  hatten.
Bei  den  Krawallen  hagelle  es  faule  Eier  und

Aepfel  auf  die  Rednerinnen,  die  von  der  Polizeii

nur  mit  Mühe  von  der  Lynchjuftiz  geschützt  werden
  konnten.

Die  Versicherungskammer
im  Jahre  1918.
München,  15.  Juni.

Der  soeben  veröffentlichte  Bericht  der  k.  Verlicherungs
  lammer  für  1913  läßt  ersehen,  daß
sich  die  vier  Zweige  der  staallichen  Versiche
rung  im  Vorfahre  befriedigend  weiler  entwickelt
haben.  Die  Versicherungssumme  der  Landes-Brandversicherungsanstalt
  hatte  infolge  der  Neuregelung
  der  Versicherung  öffentlicher  Gebäud:
einen  ansergewöhnlichen  Zuwachs  (über  800
Millionen  Martl)  und  erreichte  nahezu  den  Sland
von  10  Milliarden,  die  Landes-Hagelversicherungeanstalt
  hatte  trotz  einer  lleinen  Mehrung
der  Mitgliederzahl  einen  Rückgang  der  Aersicherungssumme
  von  283  auf  281  Millionen
Mark  (infolge  minderer  Güte  des  Saatgetreides)
  zu  verzeichnen.  Vieh=  und  Pferdeversicherung
  mehrten  ihre  Versicherungssumme  um  812

und  312:  Millionen  Mark.  Die  Schäden  waren
rethältnismüßig  in  der  Brandversicherung  ziemlich
  schwer  (85  Pfg.  von  1000  Mark  Versicherungssumme),
  in  der  Hagelversicherung  mittelschwer
  (1.48  Mark  von  100  Mark),  ebenso  in
der  Biehversicherung  (1,68  Mark  von  100  Mk.),
schwerer,  wenn  auch  nicht  übermäßig,  in  der
Pferdeversicherung  (nach  Abzug  der  Erlöse  3,01
Mart  von  100  Mk.).  Die  Beiträge  wurden  von
der  Brandversicherungsanstalt  zum  ersten  Male
nach  dem  Satze  von  7  10  (d.  f.  für  vollkommen
  massive  Gebäude  20  Pfg.,  für  öffenlliche
vollversicherte  Gebäude  dieser  üirt  28  Pfg.  auf
1000  Mk.)  erhoben,  ein  Sat,  der  voraussichtlich
  eine  längere  Reihe  von  Jahren  unverändert
beibehalten  werden  lann;  bei  der  Hagelversicherungsanstalt
  waren  nach  Abzug  der  Beitragserleichterungen
  (Rabatte)  für  langjährige  Mitglieder
  durchschnittlich  1,38  Mark  von  100  Mk.
Versicherungssumme  zu  entrichten;  bei  der  Viehund
  Pferdeversicherung  wurden  die  Beiträge  zum
ersten  Male  nach  den  von  der  Anstaltsverwaltung
  mit  Zustimmung  der  Landesausschüsse,  der
Bertretungen  der  Versicherten,  aufgestellten  neuen
  Grundsätzen  bemessen,  und  zwar  waren  durch
schnittlich  von  100  Ml.  Versicherungssumme  dort
1.54  Mk.,  hier  —  für  zuschlagfreie  Pferde  nach
Abzug  der  Erlöse  —  2.77  Mark  Anstaltsbeilrag
zu  entrichten.

Bayerische  Kachrichten.

Oberstdorf,  16.  Juni.  Die  Gemeindebürgerversammlung
  beschloß  mit  großer  Majorität,
die  Gemeindejagd  für  die  nächsten  fünf  Jahre
wicerum  dem  König  von  Bayern  gegen  die
Pachtsumme  von  jährlich  7000  Mt.,  also  eine
Erhöhung  pro  Jahr  um  2000  Mark,  zu  über- 



 

Im  Bezirk  Mont-Vonnerskat,

  13.  Jun  1  07#

lassen.  Auch  die  Weidenbesitzer  der  Alpen  Taufersberg,
  Biberalpe,  Haldenwang  und  Rappenalpc
  überließen  dem  König  unter  mäßiger  Erhöhung
  der  bisherigen  Pachtsumme  ihr  Jagdgcbiet.


Kirchham  bei  Pocking,  16.  Juni.  Vergangene
  Nacht  entstand  an  der  Östseite  unserer
Pfarrkirche  ein  Feuer,  dem  schließlich  die  ganze
Kirche  zum  Opfer  gefallen  ist.  Nur  der  Tucm
klieb  erhalten.  Ueber  die  Entstehungsursache
ist  nichls  näheres  bekannt.

Kirchenlatbach,  16.  Juni.  Auf  der  Bahntrecke

  Kirchenlaibach-Marstredwiz  wollten  heule
morgen  zwei  Mädchen,  die  zum  Ausjäten  des
Grases  auf  dem  Bahndamm  bestellt  waren,
einem  Güterzuge  ausweichen  und  wurden  dabei
von  einem  entgegenkommenden  Zuge  erfaßt.
Das  eine  Mädchen  wurde  auf  der  Stelle  getötel,
  das  andere  wurde  schwer  verletzt  in  das
Krankenhaus  Bayreuth  eingeliefert.

Banerisches  Oberland.

Lneubenern,  16.  Juni.  Am  kommenden
Sonntag,  abends  8  Uhr,  wird  der  Volls-Trachten-Erhaltungsrerein
  „Edelweiß“,  dessen
Tüchtigkeit  in  der  Aufführung  von  Vollsstüclen
läucit  beslens  belanni  ist,  mit  dem  neu  einstudierten
  Volksstück  „'s*  Almarösl  oder  Jenneweins
  Ende“  an  die  Oeffentlichkeit  treten.  Damit
  ist  den  Theaterfreunden  und  Gönnern  des
Vereins  Gelegenheit  geboten,  sich  genuhreiche
Stunden  der  Unterhallung  zu  verschaffen.

Raubling,  16.  Juni.  Der  Darlehenskaf#
senverein  Kirchdorf  a.  J.  hat  nunmehr  seinen
Sißz  nach  Naub  ing  verlegt.

Kolbermoor,  16.  Juni.  Die  silberne  Hoch
zeit  feierte  Hausbesitzer  Erhart  Brandl  mit
seiner  sehesran  im  Kreise  einer  großen  Schar
Kinde

V  Aibling,  16.  Juni.  Die  auf  Dienslag
vormittag  anberaumte  Verhandlung  vor  dem
Münchner  Schwurgericht  gegen  den  Säger  Luowig
  Sinzinger  aus  Mietraching  und  den  Taglöhner
  Albert  Doll  aus  Högling  wurde  abgesetzt,
  da  der  Hauptzeuge  nicht  geladen,  werden
konnte.

Grosikkarolinenfeld,  16.  Juni.  Der  Bader
  Josef  Weinzier!  in  Großlarolinenseld  wurde
als  Stellvertreter  des  Leichenschauers  für  die

 

Gemeinden  Großtarolinenseld  und  Taltenhausen
  verpflichtet.
Großkarolinenfeld,  16.  Juni.  Am  lonsmenden

  Sonnlag  sindet  hier  das  Gaufest  der
lath.  Burschenvereine  des  Mangsallgaues  und
zugleich  die  Fahnenweilhe  des  Orts-Burschen-Vereins
  statt.  Am  Morgen  ist  feierlicher
Gotiesdienst  mit  Generallommunion,  von  mil:
tags  an  Empfang  der  ankommenden  Vereine.
Nach  der  kirchlichen  Andacht  um  1½2  Uhr,  wobei
  die  Weihe  der  neuen  Fahne  vollzog  en  wird,
folgt  der  herlömmliche  Festalt,  an  den  sich  ein
Festzug  durch  den  Ort  anschließen  wird.  Hierauf
  wird  die  eigentliche  Gaufest--Versammĩung
beim  Neuwirt  stattfinden,  wobei  Musil,  Gesang
und  humoristische  Vorträge  Abwechslung  brin
gen  werden.  Die  Festrede  hält  Monsignore  Pichler
  aus  München.  «

Bepharting,  16.  Juni.  Laut  Beschluß  der
Delegierten-Versammlung  des  Mangfallgau-Sängerbundes
  findet  das  heurige  Gausängertreffen
  am  Sonntag  den  12.  Juli  in  Beyharting
  statl.  Die  Festlichkeit  wird  auf  dem  Sommerleller
  der  Brauerei  Kalleis  abgehalten.

Sbersberg.  16.  Juni.  Der  20  Jahre  alte
Oelonomenssohn  Basthafar  Spies  von  Polng
ließ  scch  vor  einiger  Zeit  einen  Zahn  Fihen.
Nach  einigen  Tagen  siellten  sich  neuerdings
Schmerzen  ein,  denen  eine  Lähmung  der  Kiefergelenkle
  folgte.  Der  junge  Mamn  begab  sich
ins  Krankenhaus  München  r.  d.  J.,  w#  er  nun

 

„Jarf  man  fragen,  um  was  es  sich  haudelt?“


„Es  war  einc  rein  private  Angelegenheit.
und  du  wit  entschuldigen,  wenn  ich  nicht  gern
darüber  rede."“

Raymars  Miene  wurde  ernst.

„Bitte  sehr,  ich  bin  nicht  indiskret!  Aber
du  Hchrinnt  nicht  sonderlich  guter  Laune.  Sollie
ich  dich  irgendwie  getränkt  haben?“

„Durchaus  nicht!  Und  wenn  ich  in  schlechter
Stimmung  bin,  muß  wohl  jene  lästige  Belrschung
  die  Schu'd  daran  tragen.  Uebrigens,

ich  hätte  doch  eigentlich  Grund,  dir  zu  zür-*N



„Laß  hören!  Wenn  deine  Vorwirsfe  bercchiigt,
  sind,  bin  ich  gern  bereit,  Abbitte  zu
leisten.“

„Nicht  so  feierlich,  um  des  Himmels  willen!
Die  Sache,  die  ich  meine,  ist  ja  eigentlich  nicht
der  Rede  wert,  eine  Bagatelle.  Du  bist  eben
nicht  ganz  Vn  gegen  mich  gewesen,  Manfred.“

Dieser  Ton  mußte  den  anderen  notwendig
verletzen.  Wenn  es  ihm  jedoch  darum  zu  tun
verlesen.  war,  Raymar  zu  einer  gereizten  Aeußerung
  zu  vrranlafeen.  glückte  ihm  sein  Vorhaben
Freilich  zeigte  sich  eine  kleine  Falte  auf
zu  Stirn  des  6estenigen  Abgeordneten;  aber
er  blieb  doch  gelassen,  und  seine!  Sümme  klang
ruhig  und  freundlich,  als  er  erw

„Das  ist  kuin  Vorwurf,  den  buerse,  nicht
verdiene!  hör  en,  was  ich  dir  verheimlicht
  haben'  sollte

„Zweierlei,  etwas,  das  in  der  Vergangenbeit
  egt  und  ein  anderes  in  der  Gegenwart.
Oder  hättest  du  mir,  um  das  zweite  vorweg  zu

nehmen,  davon  gesprochen,  daß  du  dich  in  die
Behandlung.  des  Herrn  Doktor  Cedersksöld  begeben
  hast

 

 

Raymar  zeigte  sich  leicht  überrascht.

„In  der  Tat,  ich  hielt  es  für  zu  unwichtig,
um  darüber  zu  reden,  oder  ich  habe  es  vergessen.
  Jedenfalls  geschah  es  durchaus  nicht
bosichuch,  daß  ich  dir  nicht  davon  sprach.  Woher

hast  du  übrigens  die  Kenntnis  erholten?  Hat
Martin  aus  der  Schule  geplaudert  7“
„Martin?  O  nein!  Er  ist  der  korrektesle
Laller“  Diener,  und  es  würde  ihm  nicht  einftuen
irgend  etwas  zu  erzählen,  das  er  hier  gesehe
eten  Aber  der  Herr  Doktor  selbst  sprach  —
avo

lh  das  ist  allerdings  eine  grobe  Indiskretion!
  Ich  werde  den  Herrn  natürlich  zur
Rede  siellen.  Denn  was  dir  gegenüber  nichts
zu  sagen  hatte,  konnte  doch  sehr  unangenehm
werden,  wenn  die  Mitteilung  an  eine  andere
Adresse,  kam.“

Du  hast  keine  Ursache,  Cederskjöld  zu  zürnen,
  Monfred!  Laß  dir  erzählen,  wie  sich  die
Sache  zutrug.“

Er  sagte  ihm,  daß  er  den  Arzt  in  seinem
Hotel  aufgesucht  hatte,  um  ihn  wegen  Raymars
Leiden  zu  befragen,  und  wie  sich  dann  da
merkwürdige  Zusammentrefen  ergeben  hüite
Unverldandt  lag  der  Blick  des  ehemaligen  Abgeordneten
  auf  seinem  Gesicht,  und  Herter  verspürte
  ein  seltsames  Unbehagen,  hatte  ein  Gefühl,
  wie  wenn  ihn  der  andere  bls  auf  den
Leund  seiner  Seele  durch  chaue.  Als  er  seinen

Bericht  beendet,  trat  ein  kleines,  peinliches
Schweigen  ein.  Dann  sagte  Raymar  ruhig:
„Das  erklärt  die  Sache  allerdings,  und
ich  habe  niemandem  einen  Vorwaf  zu  machen-Für
  deine  Bemühungen  in  meinem  Intere
bin  ich  dir  verbslichtet.  Rudolf!  Aber  du  prehe
wenn  ich  nicht  irre,  von  einer  anderen  „Ver-  «