Aum̃er 730
Beim Angriff der Nebellen auf Durazzspielt
Verrat eine große Rolle. Die Wache,
die auf der Brücke stand und diese hätte leicht
verteidigen lönnen, ließ sich überrumpeln und
ging fluchtartig zuruck, worauf rasch Verstärkungen
berangezogen wurden, die auf beiden
Seiten der Strabe sich in die dort aufgeworsenen
Schützengräben legten. Ueber alle Erwarlungen
und Pläne müssen die Aufständischen
von Duratzo aus genaue Nachrichten gehabt
haben. Es ist Uar, daß Verräter in der Stadt
sind und zwar gut unterrichtete Verräter, dio
mit dem Lager der Rebellen in Verbindung
slchen. Der plötzliche Angriff auf Durago war
sehr geschidt vorbereitel und erjolgte, nachdem
die Aufständischen in Ersahrung gebracht hatten,
daß die Verstärlungen aus Suoalbanien und
die Leute Prenk Vib Dodar sich Duraszo nä:
herten. Nach Eintreffen dieser Hilfelräfte plante
die albanische Regierung, energisch hegen die
Rebellen vorzuschreiten und sie von dreie
anzugreifen.
Bei dem ersien Angriss wurde auf beiren
Seiten unglaublich viel Munition verpulvert.
Der Oberst Thomson und andere holländische
Offiziere versuchten vergeblich, die Malissoren
aus den Schützengräben heraus zubringen, damit
sie gegen den Feind vorgingen. Endlich
gelang es dem Obersien Thomson doch, eine
Anzahl von Malisforen zum sprungweisen Vorgehen
zu bewegen. Aber taum waren diese
einige Schritte nach vorn gelaufen, als sie ein
heftiges Feuer empfing. Dabei wurde berst
Thomson durch eine Gewehrkugel am Halse son
schwer verwundet. daß er msammenbrach. Als
die Malissoren dies sahen, liefen sie wieder zurück
und verschwanden in den Schützengräben.
Keiner kümmerte sich um den gesallenen Kommandanten.
Der Major Rocissema und der
„Times“ Korrespondent eilten nach vorne und
brachten Thomson aus dem Feuerbereich. Sie
schafften ihn in ein nohegelegenes Haus, wo er
nach wenigen Minnten verstarb. Die Leiche wur
de in den Konak des Fürsten gebracht.
Der Fürst von Albanien sandte an die Königin
von Holland ein Telegramm, in dem er
ihr den Tod Thomsons meldet, dessen hereischer
und tluger Führerschaft er den Sieg berdante.
Die holländische Regierung wird die
Leiche nach Holland überführen lassen. In der
bolländischen Kammer ebrte der Präsid ent das
Andensen des Obersten Thomson, der alo Held
gestorben sei und dessen Tod einen großen Verlust
nicht allein für Holland bedeute. Der Ministerpräsident
schloß sich diesen Worten an.
Sofs- und Personalnachrichten.
Regensburg, 16. Juni. Die Königliche
Familie trat heute mit dem neuen Dampfer
Weri Sophie der öslerreichisch- ungarischen
Die Fahrt non Negeneburg bis Straubing, wowelbst
die Anlunft gegen 12 Uhr erfolgte, gestaltete
sich bei dem prächtigen Wetter sehr genußreich.
Von der Terrasse der Walhalla
grüßten Fanfarenklänge und bei der Vorbeisahrt
an den zahlreichen Ortschaften wurden
den Mojestäten unter Glockengeläute jubelnde
Huldigungen von der Bevöllerung dargebracht.
In Straubing sanden große Feierlichkeiten statt.
Die Abfahrt von Straubing erfolgle turz vor
2 Uhr mit dem Dampfer „Margit“, weil der
Dampfer —i*i zogin Sophie“ wegen der hochgehenden
Donan die Brücke bei Deggendorf nicht
passieren tann. Nach herrlicher Fahrt lief die
„Margit“ mit der Königlichen Familie an
Bord mit großer Verspätung den Ländeplat
in Passau an. Bei der Fahrt die Dn
abwärts war die Königliche Familie der Geger
stand herzlicher rationen, die ihr von der an
ihr Cederst * dat.)gleichgüllig sei. Nun aber
tehrte ihn e Erinnerung an jene Dinge zurück,
die dind Ausgamn ihres. Gespräches gebil.
det hauen. Ernst werdend sagte er:
„Du willst nicht, daß ich mich schon jetzt vor
der Welt deinen Verlobten nennen darf Sabine.
Wie aber soll ich dann jene BVurschen zur
Rechenschaft ziehen, die es wagen, dich zu beß
sie doch schwaßen! Sie können mir
keinen Spaden tun. Ich verachte das Gerede
— und ich glaube dich start genug, darin mit
mir überein zustimmen. Geh fort, wenn sie von
mir sprechen — laß sie stehen! Da wirft du
michtunn, in die Lage kommen, dich in mir gekränkt
hle
3u
„Es wird mir schwer werden, nach diesem
Nate' zu handeln. Sabine! Und ich wünsche
nicht, noch einmal Zeuge eines derariigen
Gespräches zu sein. Ich wüßte nicht, ob ich
dann für mich einstehen könnte. Nun aber,
Sabine, nun wirst du mir auch die Ein zelheiten
dessen nicht shuldig bleiben, das damals
Zwischen dir und Winterseld geschehen ist.“
„Quäle mich heute nicht mit jenen Dingen,
mein Freund! Spater, später will ich dir alles
erzählen. Für heute aber mustt du mir ein
wenig Ruhe gönnen. Sei nicht böse, wenn
ich dich jetzt sortschicke;: aber Herta und mein
Bruder können in jedem Augenblick zurück
kommen, und ich will nicht, daß sie dich noch
hier finden. Es ist spät geworden.“
Ein verstohlener Blick auf die Wanduhr
zeigte Herter, daß die zehnte Stunde beinahe
erreicht war. Da hatte auch er es sehr eilig,
sich zu entfernen, so eilig, daß Sabine sich ein
wenig gekränkt sühlen mochte. Sie küßten sich
in Passau antam.
Seiten
dargebracht wurden. Durch den längeren Aufenthalt
in Straubing und deggendorf hatte sich
die Anlunft in Passau um über eine Stunde
verzögert, so daß das Schiff erst gegen 19 Uhe-Als
Passau in Sicht lam,
begann ein leichter Regen einzusetzen, der sich
bis zum Einzug in die Stadt zu einem kräftigen
Gemitterregen entwickelte.
Berschiedene Nachrichlen.
Ludwigeoburg, 16. Juni. Der verh.
57jährige Manrer Jalob Wild wollte in einer
Wirtschaft Feigen, „wie die Franzosen essen“.
Er ließ sich ein Pfund rohes Fleisch vorsetzen,
das er mit menigen Bissen essen wollte. Plötz--lich
blieb Wild ein Stück Fleisch im Halse steden.
Vis ein Arzt zur Stelle war, war der Eßkünstler
- erstickt.
1, 16. Juni. Nach Unterschlagung von
16 9 M. in WMiertpapieren hat sich der Buchhalter
Detlef erschossen. Detlef, der bei dem
Bankhause Teichmann angestellt war, befand
sich gerade auf Urlaub, als die Fälschungen und
Unterschlagungen aufgedect wurden. Als die
Kriminalpolizei in der Wahnung Detlefs ecschien,
um ihn zu verhaften, ergriff dieser, ohne.
daß die Beamten es verhindern konnten, den
Revolver und schoß sich eine Kugel in den
Kopf, die seinen sofortigen Tod herbeiführte.
Essen, 16. Juni. Das größte Geschütz, das
seit Bestehen des Meppener Schießplahes von
Krupp dorthin trausportiert wurde, traf am
Samstag dort zu Versuchewesen ein. Es ist
ein Schiffsgeschütz, 38 zentimeter-Kaliber, mit
einer gesamten Fee nntunne von 17 Metern; der
Verschlußteil hat einen Durchmesser von elwa
1 Meler. Vei voller Ladung beträgt das Pulvergewicht
etwa 200 Kilogramm, die Schußweite
etwa 24 Kilometer. Ein scharser Schuß
tostet etwa 10 000 Mark, das ganze Geschütz
400 000 Marl.
Graz, 16. Juni. Sämtliche 17 Mitglieder
des denutsch- frecheitlich-bürgerlichen Gemeinderatsllubs
haben ihre Mandate niedergelegt, mit
der Begründung, daß sie als Minderheit die
Vergewaltigung ihrer Rechte durch die Vereinsgung
der Beamten und Sozialdemotraten
im Gemeinderate, die 29 an der Zahl sino
und unter der Führung des sozialdemokratischen
Vizebürgermeisters stehen, nicht weiter zulassen
wollen. Da auch Bürgermeister Dr. von
Jleischhacker sein Amt niederlegte, wird voraussichtlich
ber Gemeinderat aufsgelöst werden.
Genf, 16. Juni. Zu einem traurigen Ende
führle 5#. bittere Not eine mit ihrem Sohne
von Frankfurt a. M. nach Genf verzogene Fraunamens
Schwarm, die einst als Gattin eines
Grohindunriellen glücklichere Tage gesehen hat-In
einem sehr ärmlichen Mansardenstübchen
leno man die 70jährige Frau in halbverwestem
Zustande und kaum mit einigen Lumpen
bereckt ror, während ihr Sohn, der seit Wochen
leine ordentliche Nahrung mehr zu sich genommen
batte und sich bei seiner toten Mutter aufhielt,
den Verstand verloren hatte.
Genf, 16. Juni. Die Krise der schweizerischen
Kantonalbanken hat eine weilere Verschärfung
erfahren. In Uri geht das Gerücht
von dem finanziellen Zusammenbruch der dortigen
Kantonalsparkasse um, die in der letzten
Zeit große Verluste infolge verfehlter Spelmationen
und unglücklicher Kapitalsanlagen zu
erleiden hatte. Die finanzielle Lage der Kasse
gilt als vollständig erschüttert, und der Direlrtor,
ein Württemberger namen-Neudorffer, dem
man die Schuld an den unvorteilhaften finanziellen
Transaltionen zuschreibt, ist bereits in Haft
genommen worden.
äum Abschied, und der Abgeordnete gab das
Versprechen, morgen zur ewöhnlichen Besuchszeit
wiederzukommen. ann aber verließ er
eilig das prachtvolle Palais, um sich abermals
einer Droschke anzuvertrauen.
Diesmal aber hatte er dem Kutscher das
Haus in der Lutfsenstraße als Ziel der Fahrt
Penanm, in dem der Abgeorbnele Raymar sein
eben im Grabe führ
10. FKper
Der Diener zeigte sich nicht verwundert, als
er Herter noch zu so später Stunde das Haus
betreten sah.
War er es doch gewohnt, daß der Abgeordnete
zu ungewöhnlichen Jeiten bei seinem
Herrn Besuche machte, und war es doch überdies
des Wunderlichen und Gesusemes, das er
in diesem Hause schon gesehen hatte, so viel
ewesen, daß er das Staunen allgemach verernt
hatte
Auf die Frage Herters, ob Herr Raymar
noch zu sprechen sei, begab er sich in das Zimmer
hinauf. in das er seinen Herrn tragen mußte,
wenn ihn die lästigen Kopischmerzgen nicht
plagten. Raymor gebot ihm, Herrn Herter
sogleich hereinzuführen. Und wie stets streckte
er dem Abgeorbneten freundlich die Rechte entgegen
rüß Gott, Rudolsf! Es ist recht spät geworteht
heute. Und ich hatte eigentlich nicht
mehr auf deinen Besuch gehofft.“
„Du weißt, daß ich sieis zu halten pflege,
was ich versprochen habe !“ gab Herter mit un-Motzoierter.
Gereiztheit zurück. „Verzeih, wenn
ch dich habe warten lassen. Aber ich hatte eine
wichug. Belprechung. die ich nicht ohne weiteres
abbrechen konnte
2
W —
den Usern des Stromes wartenden Bevöllerung.
Parie, 156. Juni.
martre sind im Laufe des Dienstags vormitlags
neue Erdrutsche erfolgt. Im Kommissariat
spielten sich bei der Rekognoszierung der
Leichen erschütternde Szenen ab. Unter den
Toten befindet sich auch eine Frau Crone, die
Witwe eines Generaldirektors, die auf dem
Wege zur-Kirche in die Tiese versank. Der
NRentier Vertran, der zur Jeit des Unwetters
einen Brief in den Postiasten werfen wollle,
versank ebenfalls und ertrank.
London, 16. Juni. Die Erregung im englischen
Publilum gegen die Suffragetten ist derart
gestiegen, daß die Londoner Gerichte gestern
viele Fälle von Ruhestörungen infolge
von Augriffen der Zuhörer auf Wahlweiber,
die im Freien Reden hielten, abzuurteilen hatten.
Bei den Krawallen hagelle es faule Eier und
Aepfel auf die Rednerinnen, die von der Polizeii
nur mit Mühe von der Lynchjuftiz geschützt werden
konnten.
Die Versicherungskammer
im Jahre 1918.
München, 15. Juni.
Der soeben veröffentlichte Bericht der k. Verlicherungs
lammer für 1913 läßt ersehen, daß
sich die vier Zweige der staallichen Versiche
rung im Vorfahre befriedigend weiler entwickelt
haben. Die Versicherungssumme der Landes-Brandversicherungsanstalt
hatte infolge der Neuregelung
der Versicherung öffentlicher Gebäud:
einen ansergewöhnlichen Zuwachs (über 800
Millionen Martl) und erreichte nahezu den Sland
von 10 Milliarden, die Landes-Hagelversicherungeanstalt
hatte trotz einer lleinen Mehrung
der Mitgliederzahl einen Rückgang der Aersicherungssumme
von 283 auf 281 Millionen
Mark (infolge minderer Güte des Saatgetreides)
zu verzeichnen. Vieh= und Pferdeversicherung
mehrten ihre Versicherungssumme um 812
und 312: Millionen Mark. Die Schäden waren
rethältnismüßig in der Brandversicherung ziemlich
schwer (85 Pfg. von 1000 Mark Versicherungssumme),
in der Hagelversicherung mittelschwer
(1.48 Mark von 100 Mark), ebenso in
der Biehversicherung (1,68 Mark von 100 Mk.),
schwerer, wenn auch nicht übermäßig, in der
Pferdeversicherung (nach Abzug der Erlöse 3,01
Mart von 100 Mk.). Die Beiträge wurden von
der Brandversicherungsanstalt zum ersten Male
nach dem Satze von 7 10 (d. f. für vollkommen
massive Gebäude 20 Pfg., für öffenlliche
vollversicherte Gebäude dieser üirt 28 Pfg. auf
1000 Mk.) erhoben, ein Sat, der voraussichtlich
eine längere Reihe von Jahren unverändert
beibehalten werden lann; bei der Hagelversicherungsanstalt
waren nach Abzug der Beitragserleichterungen
(Rabatte) für langjährige Mitglieder
durchschnittlich 1,38 Mark von 100 Mk.
Versicherungssumme zu entrichten; bei der Viehund
Pferdeversicherung wurden die Beiträge zum
ersten Male nach den von der Anstaltsverwaltung
mit Zustimmung der Landesausschüsse, der
Bertretungen der Versicherten, aufgestellten neuen
Grundsätzen bemessen, und zwar waren durch
schnittlich von 100 Ml. Versicherungssumme dort
1.54 Mk., hier — für zuschlagfreie Pferde nach
Abzug der Erlöse — 2.77 Mark Anstaltsbeilrag
zu entrichten.
Bayerische Kachrichten.
Oberstdorf, 16. Juni. Die Gemeindebürgerversammlung
beschloß mit großer Majorität,
die Gemeindejagd für die nächsten fünf Jahre
wicerum dem König von Bayern gegen die
Pachtsumme von jährlich 7000 Mt., also eine
Erhöhung pro Jahr um 2000 Mark, zu über-
Im Bezirk Mont-Vonnerskat,
13. Jun 1 07#
lassen. Auch die Weidenbesitzer der Alpen Taufersberg,
Biberalpe, Haldenwang und Rappenalpc
überließen dem König unter mäßiger Erhöhung
der bisherigen Pachtsumme ihr Jagdgcbiet.
Kirchham bei Pocking, 16. Juni. Vergangene
Nacht entstand an der Östseite unserer
Pfarrkirche ein Feuer, dem schließlich die ganze
Kirche zum Opfer gefallen ist. Nur der Tucm
klieb erhalten. Ueber die Entstehungsursache
ist nichls näheres bekannt.
Kirchenlatbach, 16. Juni. Auf der Bahntrecke
Kirchenlaibach-Marstredwiz wollten heule
morgen zwei Mädchen, die zum Ausjäten des
Grases auf dem Bahndamm bestellt waren,
einem Güterzuge ausweichen und wurden dabei
von einem entgegenkommenden Zuge erfaßt.
Das eine Mädchen wurde auf der Stelle getötel,
das andere wurde schwer verletzt in das
Krankenhaus Bayreuth eingeliefert.
Banerisches Oberland.
Lneubenern, 16. Juni. Am kommenden
Sonntag, abends 8 Uhr, wird der Volls-Trachten-Erhaltungsrerein
„Edelweiß“, dessen
Tüchtigkeit in der Aufführung von Vollsstüclen
läucit beslens belanni ist, mit dem neu einstudierten
Volksstück „'s* Almarösl oder Jenneweins
Ende“ an die Oeffentlichkeit treten. Damit
ist den Theaterfreunden und Gönnern des
Vereins Gelegenheit geboten, sich genuhreiche
Stunden der Unterhallung zu verschaffen.
Raubling, 16. Juni. Der Darlehenskaf#
senverein Kirchdorf a. J. hat nunmehr seinen
Sißz nach Naub ing verlegt.
Kolbermoor, 16. Juni. Die silberne Hoch
zeit feierte Hausbesitzer Erhart Brandl mit
seiner sehesran im Kreise einer großen Schar
Kinde
V Aibling, 16. Juni. Die auf Dienslag
vormittag anberaumte Verhandlung vor dem
Münchner Schwurgericht gegen den Säger Luowig
Sinzinger aus Mietraching und den Taglöhner
Albert Doll aus Högling wurde abgesetzt,
da der Hauptzeuge nicht geladen, werden
konnte.
Grosikkarolinenfeld, 16. Juni. Der Bader
Josef Weinzier! in Großlarolinenseld wurde
als Stellvertreter des Leichenschauers für die
Gemeinden Großtarolinenseld und Taltenhausen
verpflichtet.
Großkarolinenfeld, 16. Juni. Am lonsmenden
Sonnlag sindet hier das Gaufest der
lath. Burschenvereine des Mangsallgaues und
zugleich die Fahnenweilhe des Orts-Burschen-Vereins
statt. Am Morgen ist feierlicher
Gotiesdienst mit Generallommunion, von mil:
tags an Empfang der ankommenden Vereine.
Nach der kirchlichen Andacht um 1½2 Uhr, wobei
die Weihe der neuen Fahne vollzog en wird,
folgt der herlömmliche Festalt, an den sich ein
Festzug durch den Ort anschließen wird. Hierauf
wird die eigentliche Gaufest--Versammĩung
beim Neuwirt stattfinden, wobei Musil, Gesang
und humoristische Vorträge Abwechslung brin
gen werden. Die Festrede hält Monsignore Pichler
aus München. «
Bepharting, 16. Juni. Laut Beschluß der
Delegierten-Versammlung des Mangfallgau-Sängerbundes
findet das heurige Gausängertreffen
am Sonntag den 12. Juli in Beyharting
statl. Die Festlichkeit wird auf dem Sommerleller
der Brauerei Kalleis abgehalten.
Sbersberg. 16. Juni. Der 20 Jahre alte
Oelonomenssohn Basthafar Spies von Polng
ließ scch vor einiger Zeit einen Zahn Fihen.
Nach einigen Tagen siellten sich neuerdings
Schmerzen ein, denen eine Lähmung der Kiefergelenkle
folgte. Der junge Mamn begab sich
ins Krankenhaus München r. d. J., w# er nun
„Jarf man fragen, um was es sich haudelt?“
„Es war einc rein private Angelegenheit.
und du wit entschuldigen, wenn ich nicht gern
darüber rede."“
Raymars Miene wurde ernst.
„Bitte sehr, ich bin nicht indiskret! Aber
du Hchrinnt nicht sonderlich guter Laune. Sollie
ich dich irgendwie getränkt haben?“
„Durchaus nicht! Und wenn ich in schlechter
Stimmung bin, muß wohl jene lästige Belrschung
die Schu'd daran tragen. Uebrigens,
ich hätte doch eigentlich Grund, dir zu zür-*N
„Laß hören! Wenn deine Vorwirsfe bercchiigt,
sind, bin ich gern bereit, Abbitte zu
leisten.“
„Nicht so feierlich, um des Himmels willen!
Die Sache, die ich meine, ist ja eigentlich nicht
der Rede wert, eine Bagatelle. Du bist eben
nicht ganz Vn gegen mich gewesen, Manfred.“
Dieser Ton mußte den anderen notwendig
verletzen. Wenn es ihm jedoch darum zu tun
verlesen. war, Raymar zu einer gereizten Aeußerung
zu vrranlafeen. glückte ihm sein Vorhaben
Freilich zeigte sich eine kleine Falte auf
zu Stirn des 6estenigen Abgeordneten; aber
er blieb doch gelassen, und seine! Sümme klang
ruhig und freundlich, als er erw
„Das ist kuin Vorwurf, den buerse, nicht
verdiene! hör en, was ich dir verheimlicht
haben' sollte
„Zweierlei, etwas, das in der Vergangenbeit
egt und ein anderes in der Gegenwart.
Oder hättest du mir, um das zweite vorweg zu
nehmen, davon gesprochen, daß du dich in die
Behandlung. des Herrn Doktor Cedersksöld begeben
hast
Raymar zeigte sich leicht überrascht.
„In der Tat, ich hielt es für zu unwichtig,
um darüber zu reden, oder ich habe es vergessen.
Jedenfalls geschah es durchaus nicht
bosichuch, daß ich dir nicht davon sprach. Woher
hast du übrigens die Kenntnis erholten? Hat
Martin aus der Schule geplaudert 7“
„Martin? O nein! Er ist der korrektesle
Laller“ Diener, und es würde ihm nicht einftuen
irgend etwas zu erzählen, das er hier gesehe
eten Aber der Herr Doktor selbst sprach —
avo
lh das ist allerdings eine grobe Indiskretion!
Ich werde den Herrn natürlich zur
Rede siellen. Denn was dir gegenüber nichts
zu sagen hatte, konnte doch sehr unangenehm
werden, wenn die Mitteilung an eine andere
Adresse, kam.“
Du hast keine Ursache, Cederskjöld zu zürnen,
Monfred! Laß dir erzählen, wie sich die
Sache zutrug.“
Er sagte ihm, daß er den Arzt in seinem
Hotel aufgesucht hatte, um ihn wegen Raymars
Leiden zu befragen, und wie sich dann da
merkwürdige Zusammentrefen ergeben hüite
Unverldandt lag der Blick des ehemaligen Abgeordneten
auf seinem Gesicht, und Herter verspürte
ein seltsames Unbehagen, hatte ein Gefühl,
wie wenn ihn der andere bls auf den
Leund seiner Seele durch chaue. Als er seinen
Bericht beendet, trat ein kleines, peinliches
Schweigen ein. Dann sagte Raymar ruhig:
„Das erklärt die Sache allerdings, und
ich habe niemandem einen Vorwaf zu machen-Für
deine Bemühungen in meinem Intere
bin ich dir verbslichtet. Rudolf! Aber du prehe
wenn ich nicht irre, von einer anderen „Ver- «