202 Rechtsprechung.
kommen zwischen Gläubigerin, Drittschuldner und Schuldner Rechnung tragen.
Würde eine Frau aus Unvernunft oder Haß ihrem Manne nicht mehr genügend Lohn
zur eigenen Lebsucht übrig lassen, so würde sie ja nur die Henne schlachten, die ihr die
goldenen Eier legen soll. Es ließe sich dem auch von vorneherein dadurch vorbeugen,
daß eben für die Vierteljahrerate er Unterhaltsrente der Wochenlohn nur zu dem
bestimmten erforderlichen Betrag gepfändet wird.
st. Landgerichtsdirektor Karl Vogl, Nürnberg.
die Unterhaltsrente auf ein Vierteljah hlen, läßt sich durch ein Überein-Rechtsprechung.
Reichsgericht (Zivilsachen).
Inwieweit und unter welchen Voraussehungen kann wegen übelständen, die
durch einen staatlich genehmigten Eisenbahnbetrieb veranlaßt werden, der Rechtsweg
beschritten werden?
Die Kläger sind Eigentümer von Grundstücken, die in der Nähe des (östlich) an der
Stadt, zwischen dieser und den Vorstädten sich hinziehenden Bahnhofs von W. liegen.
Die klagende Stadtgemeinde besitzt dort Promenaden, Anlagen auf dem früheren
Glacis, die anderen Kläger sind Hauseigentümer am Kaiserplatz und Kaiserring. Gegenüber
diesen Grundstücken, im westlichen Teil des Bahnhofsgeländes, befinden 2 Güter-Entladestellen,
wo unter anderem die für eine Kpchenmehlsakrtt in O. bei W. anlangenden
Wagenladungen von ungereinigten Knochen sowie auch die von den Landwirten
der Umgegend als Dungsteff bezogenen Fleischabfälle aus Schlachthäusern in
Fuhrwerke umgeladen werden. Ebenda befinden sich Dunglagerstätten, wo der bei
der Reinigung der Viehwagen gewonnene Mist aufgestapelt wird. "
Die Kläger behaupten, daß die von den verwesenden Fleischteilen und dem aufgestapelten
Dung, namentlich bei östlichen Winden, nach ihren Grundstücken gelangenden
Gerüche das Maß des Erträglichen bei weitem überstiegen und geradezu gesundheitsgEsährüch
seien. Ungeachtet aller seit Jahren erhobenen Vorstellungen werde dem
elstande nicht abgeholfen, insbesondere träfen trotz der in Aussicht gestellten Anweisungen
an die Versandstationen die Knochen= und Dungladungen nach wie vor
in mangelhafter, den Vorschriften der Eisenbahnverkehrsordnung vom 26. Oktober
1899 (Anl. B — RGBl. S. 607 Nr. XXXII 3, LII) und vom 23. Dezember 1908 (Anl. C
— RGBl. S. 151, 337 — Abschn. VI) nicht entsprechender Verpackung ein.
Die Kläger erhoben mit dem Antrag
dem Bellceten. bei Strafe die Entladung von Knochen= und Abfallsendungen,
die nicht geruchssicher verpackt seien, sowie die offene Lagerung von Dung an
der bezeichneten Stelle zu untersagen,
Klage — änderten jedoch im Laufe der ersten Instanz den Antrag dahin,
den Beklagten bei Strafe dazu zu verurteilen, daß er gegen die übermäßige
Zuführung übler Gerüche von den Entladestellen und den Dunglagerstätten
Vorkehrungen treffe. s—ielr2
Das Landgericht wies, nachdem der Beklagte die Einrede der Unzulässigkeit des
Rechtswegs erhoben hatte, aus diesem Grunde die Klage ab.
In der Berufungsinstanz stellten die Kläger die Anträge: ç
1. in erster Linie den Beklagten (der W Preuß. Eisenbahnfiskus) bei Strafe
dazu zu verurteilen, daß er die Zuführung übler Gerüche von den
Entladestellen und den Dungstätten unterlasse,
2. eventnell nach dem Klageantrag dem Beklagten die Zuführung zu untersagen,
3. eventuell ihn nach dem Antrage erster Instanz zu Vorkehrungen gegen die
Zuführun übler Gerüchte un Z„
4. in letzter Linie zum Ersatz des durch die Gerlcche entstandenen und noch entstehenden
Schadens zu verurteilen.