Masikur — Menstruation. 743
Darm für sie abstumpfte. Wir erinnern noch an Mondaminspeisen, Dampf—
obst, z. B. Pfirsiche ohne Zusätze im eigenen Safte gedämpft, in allen großen
Delikatessen-Handlungen für Schwerkranke im Winter zu erhalten, ebensolche
Dampferdbeeren, Biskuit, Ananas, welche umso besser von Magen und Darm
aufgenommen werden, je ausgiebiger man vorher für Entleerung gesorgt hat.
Maltkur. Bei gewissen Nervenleiden und Schwächezuständen wird
von der neueren Schulmedizin die Mastkur angewendet, um natiürliche
Körperfülle zu schaffen und den Nerven verlorengegangenes Fett wieder zu
geben. Man läßt den Kranken zu diesem Zwecke das Bett vollständig hüten,
führt ihm ausgiebige Nahrung so viel als möglich zu (zweistündlich!) und
massiert ihn, um Bewegung für die Lymphe und das Blut zu schaffen. Es ist
nicht zu bestreiten, daß manche Kranke durch längere Bettruhe oder durch Vermehrung
ihres Körpergewichts gebessert wurden; viele aber können die Mastkur
nicht ertragen; unerträgliche Verdauungsbeschwerden, zunehmende seelische
Störungen zwingen sie, dieselbe aufzugeben. Nur gewisse Fälle werden sich
daher zur Mastkur ohne Nachteile, ohne seelische Qualen eignen. Man sei
vorsichtig damit!
Melancholie. Schwerere Geisteskrankheiten werden oft durch Trübsinn
und Schwermut eingeleitet; aber es gibt auch eine selbständige Form der Melancholie,
die heilbar ist, wenn sie nicht mit allgemeinem Verfall einhergeht. Blutarmut,
Trägheit des Stoffwechsels, allgemeine Nervenschwäche sind die Grundlagen,
auf denen sich Melancholie entwickeln kann, um so leichter, wenn Kummer
oder ein tiefer Schmerz mitwirken. (Siehe Grübelsucht und Geisteskrankheiten.)
Menstruation, krankhafte. Man unterscheidet unregelmäßige, zu
starke, zu lange anhaltende, schmerzhafte und zu geringe Menstruation. Bei
Nervösen ist die Unregelmäßigkeit eine häufige Erscheinung, auch bei
Frauen mit Eierstockserkrankungen und bei jungen, schwächlichen Mädchen;
zu stark ist sie bei Blutarmen, dann bei Gebärmutterentzündung, bei Rückwärtslagerung,
bei Geschwülsten; zu lange anhaltend bei Schwächezuständen
und besonders bei chronischer Gebärmutterentzündung oder bei Geschwülsten;
schmerzhaft bei Knickungen, besonders nach vorn, bei Entzündungen, bei
Veranlagung zu Krämpfen; zu gering bei schweren inneren Krankheiten,
bei mangelhafter Entwicklung der Genitalien, bei allgemeiner Schwäche. Bei
Tuberkulose bleibt sie ganz aus, zuweilen ist ihr Verschwinden nur durch
eine gewisse Sparsamkeit des Organismus zu erklären, in anderen Fällen
wieder durch ein krankhaftes Versiegen der geschlechtlichen Funktionen überhaupt.
Aus diesen kurzen Andeuntungen ersieht man schon die Mannigfaltigkeit der
Störungen in der Menstruation, und jedes kann sich sagen, daß darnach
auch die Behandlung sehr verschieden sein muß. (Man lese über das
„Geschlechtsleben“ im I. Teile, Kapitel sieben.) Da gesundes Nervenleben
und gute Blutbeschaffenheit immer seltenere Vorzüge unter der heutigen
Menschheit werden, so ist auch die beschwerdenfreie Menstruation bei wenigen