6. Altere Geschichte Preußens. 39
sich ganz der Verwaltung und Erweiterung Preußens. Deshalb verlegte
der Ordensmeister Siegfried von Feuchtwangen 1309 seinen Sitz nach
Marienburg an der Nogat, wo für ihn des Ordens Haupthaus prachtvoll
wie ein Königsschloß erbaut war. In demselben Jahre erwarb der Orden
erst durch Kampf mit Waldemar dem Großen (S. 9), dann durch Vertrag
die von den flavischen Kassuben bewohnten Gebiete zwischen der unteren
Weichsel und der Persante, die seitdem den Namen Pommerellen führten.
An der Spitze des Ordenslandes stand der Hochmeister. Seine höchsten
Beamten und Ratgeber waren die Großgebietiger; jede Provinz, wie
Preußen, Livland, wurde von einem Landmeister verwaltet. Ihm waren
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Das Hochschloß der Marienburg von Südosten.
die Gebietiger untergeordnet, denen für ihre Provinz dieselben Ver—
pflichtungen oblagen, wie den Großgebietigern für den ganzen Orden. Der
Marschall befehligte das Ordensheer, der Spittler hatte die Aufsicht über
die Spitäler, der Treßler (trésor — Schatz) hatte die Schatzkammern und der
uTrapirer (chap = Stoff, Tuch) die Kleidung und Waffen unter sich. Die
Ordensritter waren über das ganze Land zerstreut und wohnten ctwa je
dreißig zusammen in Konventen, denen ein Komtur vorstand. Speise
und Trank der Brüder waren sehr mäßig, oft kärglich; alle schliefen in einem
Raume, ein Strohsack war ihr Lager, eine leichte Decke ihr Schutz im ungeheizten
Zimmer, ihre Kleidung ein schwarzer Mantel und darüber ein weißer
mit schwarzem Krenz. Wohl dreimal mußten sie jede Nacht ihren Schlaf