Full text : Unser Preußen.

56  Zweiter  Zeitraum.

seinen  Vorfahren  eingerichtete  Postwesen  bedeutend.  Neben  der  Botenpost
bestand  damals  schon  eine  Reitpost  zwischen  Berlin  und  Königsberg;  Friedrich
Wilhelm  richtete  eine  solche  auch  zwischen  Berlin  und  Kleve  ein  sowie  eine
Fahrpost,  welche  westwärts  bis  Utrecht,  ostwärts  bis  Königsberg  fuhr  und
außer  Briefen  auch  Personen  beförderte.  Die  Post  erleichterte  nicht  nur  den
Verkehr,  sondern  bildete  auch  ein  Band,  das  die  weit  zerstreut  liegenden
brandenburgischen  Gebiete  verknüpfte.  Das  wichtigste  Mittel  zur  Hebung
des  Binnenverkehrs  war  der  Bau  des  Friedrich  Wilhelms-Kanals  bei
Müllrose,  der  in  einem  Lauf  von  drei  Meilen  Oder  und  Sprec  verbindet.
An  der  Ausführung  dieses  Unternehmens  hatte  der  Kurfürst  solche  Freude,
daß  er  in  dem  vollendeten  Kanal  öffentlich  speiste,  bevor  er  die  Schleusen  öffnen
ließ.  Auch  sorgte  der  Kurfürst  dafür,  daß  zur  Erleichterung  des  Verkehrs
Brücken  und  Wege  ausgebessert  und  an  den  Straßen  Wirtshäuser  angelegt
wurden.  Die  Einwohnerzahl  Berlins  hob  sich  unter  ihm  von  etwa  6000
auf  20  000.

Daneben  vernachlässigte  er  die  Sorge  für  die  geistigen  Bedürfnisse
seiner  Unterthanen  keineswegs.  Die  halb  verfallene  Universität  Frankfurt
stattete  er  mit  reichlichen  Mitteln  und  Freiheiten  aus  und  gründete  auf
Wunsch  der  kleveschen  Stände  eine  neue  (reformierte)  zu  Duisburg.  Er
berief  den  berühmten  Geschichtsschreiber  Samnel  von  Pufendorf,  der  mit
freier  Benutzung  aller  Akten  die  Geschichte  der  kurfürstlichen  Regierung
schreiben  sollte.  Das  Joachimsthalsche  Gymnasium  (S.  35)  verlegte  er  nach
Berlin,  unterstützte  das  „Zum  grauen  Kloster“  reichlicher  als  bisher  und
stiftete  das  Werdersche  Gymnasium.  Auch  legte  er  den  Grund  zu  der  Königlichen
  Bibliothek  und  zu  der  Gemäldegalerie,  setzte  sogar  schon  eine  Behörde
zur  Beaufsichtigung  des  Arzeneiwesens  ein  und  gab  (1659)  die  Genehmigung
zur  Errichtung  der  ersten  Buchhandlung  in  Berlin.

Das  Hauptaugenmerk  aber  richtete  der  Kurfürst  stets  auf  das  Heer;
denn  er  wußte  wohl,  daß  Brandenburg  wegen  seiner  Lage  leicht  in  Krieg
verwickelt  und  nur  durch  eine  tüchtige  Armce  sicher  gestellt  werden  konnte.
Er  vergrößerte  daher  das  Heer  von  Jahr  zu  Jahr;  1655  konnte  er  schon
mit  26000  Mann  und  72  Geschützen  ins  Feld  ziehen.  Friedrich  Wilhelm
führte  auch  als  einer  der  ersten  Fürsten  in  seinem  Heere  die  Uniform  ein.

Treffliche  Gehilfen  bei  der  Gründung  und  Führung  des  Heeres  waren  der
General  Otto  v.  Sparr,  früher  kaiserlicher  Generalfeldzeugmeister,  der  sich  besonders
um  das  Geschützwesen  verdient  gemacht,  aber  auch  die  brandenburgischen  Truppen
oft  geführt  hat,  und  der  Feldmarschall  Georg  Derfflinger.  Dieser  war  von
evangelischen  Eltern  in  Osterreich  geboren,  wegen  religiöser  Bedrückung  mit  ihnen
nach  Böhmen  ausgewandert,  hatte  im  böhmischen,  dann  im  sächsischen  und  darauf
bis  1648  im  schwedischen  Heere  gedient.  Nach  dem  Friedensschluß  ließ  er  sich  auf
den  Gütern  seiner  Gemahlin,  der  Schwester  seines  Waffengefährten,  bei  Küstrin
nieder.  Bei  Beginn  des  schwedisch-polnischen  Krieges  trat  er  auf  Wunsch  des  Kurfürsten
  als  ältester  Generalwachtmeister  in  brandenburgische  Dienste  und  wurde  der
Schöpfer  der  brandenburgischen  Reiterei.

Zur  Erhaltung  des  Heeres  sowie  zur  Hebung  des  Landes  bedurfte
Friedrich  Wilhelm  bedeutender  Geldmittel;  aber  die  Stenern  waren  in  allen
Landesteilen  verschieden,  mußten  von  den  Ständen  bewilligt  werden  und