Abriß der Ortsgeschichte. 1143
reger und Neu-Ulm gleichsam als Vorstadt von Ulm zu betrachten. Die
vielseitigen Beziehungen zwischen diesen beiden Städten werden mit Ausnahme
des gewöhnlichen Markt= und Waarenverkehrs noch dadurch bedingt, daß
die ausgedehnte Schifferinnung von Ulm auf der baherischen Seite laut Vertrag
vom 5. August 1821 ihre Schiffbau= und Holzlagerplätze behielt und
Ulmer Oekonomen auf 6000 Tagwerk Grundbesitz das Eigenthumerecht haben.
Die nach dem Allgäu, dem Bodensee, nach Stuttgart und nach Augsburg-München
auslaufende Eisenbahn gibt der Handelsthätigkeit uud dem
Verkehr mächtigen Aufschwung und fördert sichtlich den Wohlstand. unserer
Stadt. Neu-Ulm hat eine Garnison und ist als Brückenkopf der Bundesfestung
Ulm stets mit Militär besetzt. An königlichen Behörden finden wir
hier außer dem schon erwähnten Bezirksamte noch ein königl. Landgericht,
und die Eisenbahnstation Neu-Ulm, welcher äußerst bedeutende Verrechnungen
zufallen und obliegen. Burlafingen,'!) Pfarrdorf im Landkapitel Weißenhorn,
gehörte ehemals zum Bisthum Konstanz und der St. Clara-Ordens-Frauen-Abtei
Söflingen. Hier besaßen zuerst die Grafen von Kirchberg Vogtei-Rechte
und mehrere Ortsantheile als Kloster Reichnau'sche Lehn, die sie den
Rittern Conrad von Weinberg und Ernst von Stöffeln afterlehnweise überließen,
von welchen dieser lehnbare Besitz als weiteres Afterlehn an die Güssen
von Güssenberg und an Ulmer Bürger gelangte, bis dann diese Theile und
nach und nach der ganze Ort theils durch Kauf, theils durch fromme Schenkungen
an das vom Grafen Hartmann von Dilingen 1251 von Ulm nach
Söflingen verlegte Clarissinnen-Kloster kam, welchem auf unsern Ort bis zur
Säkularisation auch das Patronatsrecht zustand, das aber mit den Kloster-Besitzungen
durch den Reichs-Deputations-Entschädigungsreceß 1803 an die
Krone Bayern fiel. Finningen, ) Pfarrdorf im vorgenannten Landkapitel,
war eine Hauptstation der Römer (sieh S. 975 dieses Bandes), gehörte
zur Grafschaft Holzheim und später zu den hieraus gebildeten Herrschaften
Wullenstetten und Pfaffenhofen und theilt das Schicksal der letzteren
indem es lehn-, pfand= und kaufweise von 1362 bis es durch den Presburger-Frieden
1806 an die Krone Bayern kam, in verschiedene Hände fiel. So
sehen wir den Ort Finningen bei der Familie von Elrbach, von Stain, von Ehinger,
bei Herzog Georg dem Reichen von Bayern, bei Jakob Fugger, dann
bei der Patricier-Familie von Roth, bei der Karthause Buxheim und endlich
1782 wieder eingelöst bei Oesterreich. Das Kirchenlehn, ein bischöfliches Lehn,
kam im Jahre 1338 kaufweise von Graf Bruno von Kirchberg und seinen
Söhnen an Konrad von Weißenhorn und endlich durch den Bischof Peter
von Augsburg im Jahre 1440 an die Karthause Buxheim. Holzbeim,)
1) Sieh Jahresbericht des hist. Vereins für Schwaben 1839 u. 1840 S. 54—56.
2) Raiser's Beiträge für Kunst u. Alterthum Jahrg. 1831 S. 39 u. 40.
1) Raiser's Oberdonau-Kreis II. Abth. S. 10, Note 21 und dessen Geschichte der
Reichsabtei Elchingen. §. 20 S. 90—96.