Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Die  neue  Russen  ·  Offensive.
1  Das  Ziel  der  ÖOffensive.

Dem  „Jüricher  Tagesanzeiger"  zufolge  geht
rus  offizissen  aint  en  Meldungen  hervo#r,  daß
der  große  gegenwärt  g  im  Gang  befinoliche  rufiche
  Angriff  über  Kalurkz  auf  das  Petroleum-.
  von  Siry  und  dem  wichtigen  Beslidenpaß
  abziele.

Botmsche  Aunoschan.

Die  neuen  Steuern.

Der  württembergische  Finanzminister  hat  kürzlich
  angedentet,  d.##  neue  Neich-  steuern  vdommen
würden.  Auch  im  sächsischen  Landtag  hat  der
dortige  Finanzminister  ähnlicher  gesag.  Wie
die  „Tägliche  Runyschau  berichtet,  sind  die
Andeutungen  auf  den  geplanten  Ausbau  der
Warenumsatzsteuer  Zu  beziehen:  u.  a.  eine  Ware
oll  auch  in  den  einzelnen  Abschnitten  ihrer  Herlellung
  zur  Steuer  herangezogen  werden.  Es
leuchtet  ein,  daß  sich  hierbei  eine  Fülle  von

Steuermoglichkeiten  ergibt.

Verschiedene  Nannichten.

Berlin,  12.  Juli.  Dos  Kriegswucheramt
tat  eine  Gesellschaft  von  acht  Kettenhändlern
ermittelt,  die  1000  Zentner  Schinien  uno  Spel
aum  Preise  von  8.  40  Marl  das  Pfuno  verschieben
  wollten.  Die  Warc,  als  deren  Eigentümer
sich  ein  gewisser  Friedr.  Knapp  bezeichnete,  wuroe
auf  einem  Fabrikhof  in  Weißensee  vorgefunden
und  beschlagnahmt.  Ein  anoeres  Kettenhandelgeschäst,
  an  dem  sieben  Personen  beteiligt  warzen,
  konnte  das  Kriegswucheramt  verhenoern,  indem
  es  für  50100  Mark  Leberwurst  in  Dojen
beschlagnahmte,  als  deren  Besitzer  sich  ein  Banlier
  Maehrdorf  in  Nikolassee  gusgegeben  hatte.
Di.  Ware  lagerte  in  einem  Spedilionsgeiae-  ut
in  der  Reichenbergerstraße.  In  ver  Schlegelstr.
Nr.  4  nahmen  Beame  des  Kriegswucheramts
dem  vielfach  vorbestraften  Fuhrhalter  Ihloff
zuri  geschkachtete  und  vier  lebende  Rinder  ab.
Wegen  verbotener  Scqhachtung  wurde  der
Schweinemäster  Wilhelm  Kurzweg  in  Weißenlee
  seslgenommen.  Er  hatte  auf  einem  sreiem
Platz  am  Wedoing,  in  der  Stahlheimer#tr.  23.
der  dem  Hausbesitzer  Grimm  gehört,  ein  Nind
eschlachtet  und  zerlegt.  Das  Fleisch  uno  30  lebende
  Schweine  tonnten  beschlagnahmt  werden

Berlin,  12.  Juli.  In  Schleswig-  Holslein
werden  die  großen  sislalischen  Terfmoore  des
Landes  angesicht?  der  Schwierigleilen  der  Kohlenveriorgung
  nach  Möglichteit  abgetorft.  Bedeutende
  Moorlündereien  sino  in  diesem  Sommer
  Bränden  zum  Opfer  gesallen.

Rünchen#er  Neirglet.
München.  12.  Juli.  Auf  Antrag  des  gemeindlichen
  Anlehens-  und  Finanzauoschusies
beschloß  das  Gemeindekollegium,  zur  Bewilligung
  von  Darlehen  an  Angehörige  des  gewerblichen
  Mitrelnandes  und  der  sreien  Berufe  einen
Betrag  von  200000  Mgri  zur  Verfügung  zu
stellen.  Wie  kiebel  mitgekeilt  wurde,  stehen  aus
Staatsmitteln  für  die  Gewahrung  von  Darlehen
an  noticidende  Hundels-  und  Gewerbetreibende
6  Millionen  Mark  zur  V  ersüun  .
münchen.  12.  Juli.  Den  Arbellerdedarf
nurle  ein  Schumiler  aus,  der  in  ver  Roile  cimnco
  Arbeitervermittlers  in  München  umsungreich:
  Betrugereien  verudle.  Der  Ma.u  Gohnte
vomt  9.  bis  13.  Juni  unter  dem  Namen  Otto
Proturisi  ous  Halle  a.  —.,  in  inem  der
ernen  Ganthofe  Muncheis;  er  stelite  fich  bei  verschiedenen
  Firmen  vor  und  ectlar#,  Jus  Thuüringen
  Arbeiler  vermitlein  zu  wollen,  zeigte  Belege
  von  Firmen  in  Berlin  und  Hamburg  vor

 

 

 

und  erhielt,  da  er  Vertrauen  erweckle,  vorschußnse
  Beträge  bis  zu  1800  Mark  für  die  zu  ver.
mittelnden  Arbeiter.  Diese  kamen  jedoch  nicht
und  auch  der  emrüer  ließ  nichts  mehr  von

lich  hören

#werssche  Nachrichien.

Candshut,  12.  Juli.  Die  Ernte  ill  zurzeit
  in  Niederbayern  in  vollem  Gange  ung
bringt  ausgezeichnete  Erträge,  die  die  des  Vor
jahres  bedeuteno  übersteigen.  Auch  Obst,  besonders
  Kirschen,  gibt  es  in  Menge,  leider  kann
aber  wegen  des  Leutemangels  dieser  Reichtum
nicht  voll  ausgebentet  werden.  Besonders  reich
tragen  auch  der  Hollunder  und  Himbeer  und
Taubeersträucher;  gut  angesetzt  haben  die  Nußbäumc
  und  Hiselnußstauden.

Erlangen,  12.  Juli.  Auf  eine  Eingabe  genehmigte
  der  Magisral  einen  Kreoit  von  Mark
30  000  für  die  durch  den  Krieg  in  Bedrängnis
geratenen  Ueinen  Hewerde-  und  Dandeltreibenden.
  Diese  Kreditbem  lligung  wurde  vom  Versi#=zenden
  als  Grundstock  einer  Hilfeleistung  auf
bieiler  Grundlage  bezeichnet.  Die  Notwenodieleit
auch  einer  Unterstützung  wurde  im  Magistrat
von  verschiedenen  Seiten  betont.  -

 

Pirmasens,  12.  Juli.  In  der  geheimnisvollen
  Naubmordsach-  Löwenthal-Gebhardl

wurden  die  beiden  Ehefrauen  der  verhafteten
Gebhardt  Vater  und  Sohn  ebenfalls  festenommen
  und  in  das  Amtsgerichtsgesängnie
eingeliefert.

Sweibrücken,  12.  Juli.  In  einem  nahe  der
elsassischen  Grenze  gelegenen  Dorf  flürzte  ein
achtjähriges  Mädchen  beim  Pflücken  von  Walserblumen
  in  ein  Altwasser  des  Rheins.  Auf
Das  Geschrei  einer  am  Ufer  beschäftigten  Waschfrau
  eilten  mehrere  Leute  herbei,  die  aber  nicht
den  Mut  hatten,  das  Kind  zu  retten.  Da  —
die  Wäscherin  ihren  Hund  ins  Wasser.  Das
Tier  verstand,  packte  das  Kind  vorsichtig  am

 

Genick  und  brachte  es  glücklich  ans  User,  wo#“
es  Wiederbelebungsversuche  wieder  in  Leen

urückriefen.
Die  Bu#hzwischenzählund
am  1.  Jum

Der  Vestand  an  Rindern  im  Deulschen  Reiche
betrug  am  1.  Juni  ds.  Is.  21462  671  Etücd,
datunter  2  379  238  Kälber  im  Aner  v#n  weniger
  als  drei  Monaten.  Im  übrigen  sehte  sich
der  Bestand  zusammen  aus  10.6  Min-  jonen  Küähen
  und  JFärsen  über  zwei  Jahre  ait,  1,4  Miel
Bullen,  Stiere  und  Ochsen  über  wel  Jahre
alt  und  sieben  Millionen  Jungrindern  im  Alter
von  drei  M#naten  bis  noch  nicht  zwei  Juhren.

Stellen  wir  einen  Vers#leich  mit  der  letzten
Zwischenzählung  vom  1.  März  1917  an.  10  ergibt
  sich  bei  den  Kühen  eine  Abnahme  von
100  030  Stück,  bei  Bullen  und  Oc#n  eine
solche  von  8449  Stück  und  bei  Jungoieh  eine

Verminderung  von  44069  Stück.  Nux  bei
Kälbern  haben  wir  ganz  naturgemäß  eine  Zunalme
  um  250  325  Stült
Hiem  bemerlt  das  „Wochenblalt  des  landw.
Vereins.  Wir  sehen  also,  daß  die  Erbbhung
der  Fleicchration  bereits  in  der  turzen  Spanne
Zeit  in  unsere  Milch-  und  Jungviehbeftände
mertlich  eingegriffen  bat  Noch  viel  ungünstiger
bat  sich  aber  das  Bilo  deit  der  letzten  Zahlung
  für  diese  geslaltet.  Der  Jroße  Mangel  an
nur  einigermaßen  brauchbarem  Schlach:  viel  hat
ein  viel  Kärieres  Eingreisen  in  unsere  Milchund
  Jungviebhbeflände  in  den  letzten  iech  Wochen
  zut  Folge  gehabt.  J  ½  berechti  1  war  dakher
  die  Forderung  der  Lanzwirte,  um  mögluchst
Poldige  Re  **  g  der  Fleischration  im  Iniereise
  der  Bieln##:  uno  Canz  besonders  im  In- 



1916.

teresse  der  Versortu  ng  der  Allgemeinheit  mit
Milch  und  Fett.  Ver-  eleicht  man  weiter  den
Milchviehbestand  oer  Zählung  vom  1.  Juni
1917  mit  dem  vom  1.  etember  1913  jo  laben
wir  jetzt  rund  700  000  Stück  Kühe  weniger.
Zieht  man  weiter  in  Betracht,  daß  infolge  fast
Länzlichen  Kraftfuttermangels  die  Milchleiflung
der  Kübe  bedeutend  zurüfk#regangen  ist,  daß  ferner
  aus  dem  gleichen:  Grund  die  Auszuchtlälber
  länger  mit  Milch  ernährt  werden  müisen,
jo  ergibt  sch  eigentlich  von  selost  die  Foc  berang.
daß  oie  Abschlachtung  von  nur  einigermaben
brauchlaren  Kühen  im  Interesse  der  Vollser--nährung
  hintangehalten  werden  muß.  :

Gegenüber  der  Zählung  am  1.  Dezember  vor.
Jahres  ergeben  sich  folgende  Veränderungen:
Der  Rinderbestand  geizt  eine  Zunahme  um
588  442  Stück  28  Prozent,  die  Küle  und
Färsen  Laben  um  51  861  Stüc  0.5  Prozent
abgenommen.  die  Bullen,  Stiere  %%  Ochen
weisen  eine  Abnahme  um  44140  Stüf  =  30
Wrem  auf,  das  Jungoieh  nahm  um  138  164
Stück  —  2,8  Prozent  zu,  die  Kälber  zeigten
ene  kin  um  496  279  Stück=  26.4  Prozent.
  Im  Vergleich  zur  Zählung  am  1.  Dezem--ber
  1913  hat  sich  zwar  der  gesamte  Rinderbestand
  infolge  der  mit  den  natürlichen  Ablalbeverhaältaisen
  zufammenhängenden  Zunahme  der
Kälber  bei  der  Juni-Zählung  um  463  649  Siüs

24,2  Prozent  gegenüber  dem  1.  Dezember
1913  um  467727  Stück  2,2  Prozent  vermelrt.
  Dagegen  haben  die  Kuhe  um  mehr  als
eine  halbe  Million,  genau  um  692  310  Stuck
6,  1  Prozent  abgenommen.

Die  Schweinehaltung  hat,  wie  nicht  anders
zu  erwarten  war,  ebenfalls  seit  der  Zwischenzählung
  einen  neuerlichen  Rüägang  erfohren  u.
zwar  im  ganzen  Reich  um  245  451  Stück.  Die
Jungschweine  unter  einem  halben  Jahre  habten
sich  dagegen  um  runo  80  000  Stück  vermehrt.
Die  Gesamtzahl  an  Schweinen  belief  sich  am
1.  Juni  1917  auf  12,7  Millionen  Stück,  das
find  runo  12  9011000  Stück  weniger  als  am
1.  Dezember  1913.  Hoffen  wir,  daß  oie  Beurige
  Getreide-,  Hadfruchternte  reichlich  ausfällt,
damit  auch  für  unsere  Schweinehallung.  elwas
übrig  bleibt.  Vorläufig  aber  ist  das  gesamte
Brotgetreide  einschlieblich  Gerste  oer  neuen
Ernte  beschlagnahmt.  Die  Gerste  soll  reillos  zur
Brotversorgung  herangez'gen  und  die  Kartoff#eln
  ausschließlich  für  die  menschliche  Nahrung
verwendet  weroen.

Der  Bestand  an  Schafen  hat  im  Initeresse  der
Wollerzeugung  eine  Vermehrung  erfahren.  Er
betrug  am  1.  Juni  1917  6,1  Millionen  Slüc.
Die  Zunalme  betrug  im  Vergleich  zur  Zählung
im  März  bs.  Joe.  248  097  Stück  uno  gegenuber
der  Zählung  am  1.  D#cember  1913  646032

Stück.

Der  banerische  gansbssitz.

München,  9.  Juli.

Der  Landesverband  Bayer.  Grund-  u.  Hausbesitzer
  hielt  Freitag  und  Samsiag  in  München
seinen  ersten  Uerbandstag  im  Laufe  des  Krieges.
  Die  öffemliche  Tagung  fand  am  Samstag
statt.  Obervürgermeister  Dr.  v.  Vorsc  hieß
die  Tagung  im  Namen  der  -  willkommen.
Die  Rede,  die  großen  Beifall  fand  und  gedruckt
allen  Stadtwerwaltungen  zugesandt  werden  soll,
betonte,  daf  trotz  der  gewaltigen  Erschütterungen
der  baye##ch:  Grund-  u.  Hausbesitz  scch  auirecht
erhielt  und  sogar  auf  der  nie  versagenden  Grundlage
  der  Selbsthilie  auch  für  die  Uebergangswirtchaft
  und  darüber  hinaus  höchst  ersprießlich  wirtende
  Schöpfungen  des  Gemeinfinnes  ins  Leben
rie

 

—:

f.

Zunächlt  behandelte  der  Verbandsvorsitzende
Humar  die  Steuernot  des  bayerischen  Hausbesitzes
  und  seine  wirtschaftliche  Lage  im  oritten

  

 

Von  einsamen  jsenschen.

Koman  von  Fritz  Gankyer
W  W-Wiederumiipdieii.«1)iienoqurl)tseines

gegrbetieiiWomsciealiepihniimitziiBode
zwanginidihrdeiiuiisindeiiRcckeisleiitt
haue-undgeionliianiikueimieIliiddazii
tqaipwslicheinunivilepkqeiiueoiioieReii
nigra-.Beitr-nieecluiiiiliodkreiiiptaiid
er  ihn  wicklich?

Jedenialls  war  er  da.

Erst  seit  Stunden  kannten  sie  sich  und  schon
suchte  sie  ihn  zu  beeinfluslsen,  drangte  sie  sich
in  seine  Seele  und  seziette  seine  Gesuhle.  Was
berechtigie  sie  dazu!?

Kühler  und  oschguluger  als  bisher  sagte
er:  „VBielleicht  lonme  ich  auch  um  der  Kunst
willen  hungern.  Aber  es  ill  unnutz,  davon  zu
reden  und  daruber  nachzudenten.  Es  wird

nie  zu  einem  Versuch  kommen,  meine  Starke
in  dieser  Hinsicht  zu  prüfen;  denn  ich  bin  durch
mein  Wort  gefesselt.
ie  empfiond  das  Abweisende  in  seinem
Ton  und  zuckte  leicht  zusammen.  Dos  leuchtende
  Stcahlen  in  ühren  vellen  Augen  erlosch
und  machte  einem  tefen  Wedanern  Plotz.

Ja,  er  war  mirklich  ein  Schwacher,  einer,
ber  au  taulend  Bedenken  llebte  und  sich  nicht

loszureißen  vermochte  mit  einem  einzigen
bühnen,  starken  Ruck.  Und  es  war  Torheit,  sich
noch  langer  Mühe  zu  gebven,  ihm  den  rechten
Be

—4  iragte  sich,  was  sie  veranloßt

jeder  andere  Mensch,  den  mon  nur  gerade

 

H#  es  überhaupt  zu  versuchen.  War  #hr
olfgang  Warnick  nicht  genau  ebensobtel  wie

aiswanehern  hat?  War  er  ihr  überhaupt
nicht  noch  bei  weitem  weniger,  dieser  unent-[hlossene
  Traumer:

Sie  jand  keine  entscheidende  Antwortk.
Jedenfalls  tat  er  ihr  leid.  Und  um  seiner
selbst  willen  reckie  sich  ihr  iesunn  noch,  einmal
  auf.  ie  gab  sich  Mühe,  das  Abweisende
in  seinem  Ton  zu  vergessen,  1  5%  agte:

„Ich  schotze  es  als  die  Aichte  Iu  end
eines  Mannes,  wenn  er  sein  Wort  hä  anz
gewiß.  Aber  ich  bzate  ihn  nicht  für  lt  sn
es  einzulosen,  wenn  er  mit  seinem  Versprechen
das  Wahre  in  ch,  unterbindet  und  knebelt
wle  elnen  Silau

„Kennen  Se-  —  Wahre  in  mir,  Fräuleln
Reimarus?=  frogte  Wolfgang,  ohne  zu  überlegen
  was  er  sprach,  und  run'elte  die  Stir

Eleonore  sprang  auf  und  #uup  die  Zöhne
in  die  Unterlippe.  Dann  sagte  sie  kühl,  mit
einem  Anflug  von  Spott  i  der  Stimme:

allem,  was  Sie  mir  gesagt  haben,
anloubte  ich  es  zu  kennen.  Aber  ich  tauschte
mich  wo  Sle  sab  an  ihm  vorüber  und
blickte  auf  das  glitzernde  Wasser.  „Ich  denke,
mein  Bruder  wird  leine  ***  e  vollendet  haben.
Wir  wollen  zu  ihm

Sie  schritkt,  ohne  *  Entgegnung  von  ihm
abzutmarten,  noch  dem  Wege  zurüc  Wolsgang
solgte  langsam  mit  gesenktem  K’#pll.

.„Nun  i#m  sie  verletzt“,  dachte  er.  „Ich  bobe
des  W  gewollt,  ader  sie  wird  nun  nicht

mehr  in  der  visLerigen  Weise  zu  mir  reden.“
Und  e  dieseem  Gedanlen  emen  er  orlelchtert
  ulng

Alle  s,  das  würde  sie  nicht.  Eleonore
war  u  dn  etzt  und  bereute  jedes  Wort,  das

ne  n  zu  Wölsgäng  gelprochen.  Er

 

Hriegesahe  Trotz  allen  Bemühungen,  das  Pro
lem  der  Wohnungsfrage  zu  fösen,  wurde  biol
durch  oie  grenzenlose  Verzettelung.  und  Jerspi
terung  von  Krästen  und  Mitteln  nichts  Prai
sches  erreicht.  Unter  den  Misltänden  ist  die  #
steuerung  der  Wohnungen  zu  nennen,  an  #
der  Staat  und  die  Gemeinden  durch  die  Steugesegebung
  einen  Hauptteil  der  Verantworin
tragen.  Alle  diese  Umsathst#uern  haben  auer“!
Bantätigkeit  ungemein  erschwert,  da  jede  Ster
die  Wohnungsbeschaffung  erschwert,  und  die  *
pothelennot  hervorgerufen.  Durch  den  Krieg  ñ
nun  alle  Schwierigleilen  auf  dem  Wohnun:
mallt  außerordentlich  vergrößert  worden.  1
Maßnahmen  des  Staales  waren  selbilverstür
lich  bei  weilem  nicht  hinreichend,  den  wirtscha
lichen  Notstand  auch  nur  eingermaßen  zu  bel
ben.  a  der  Sthat  durch  seine  Gesetgebm
wozu  noch  die  Metallbeichlagnahme,  die  Kohl
notverordnungen  usw.  kommen,  die  Nollage  h
beiführte  oder  mitverschuldete,  muß  er  auch  u
der  diese  Schäden  beseitigen  helfen.

ie  Aufgaben  des  Staales  lassen  sich  h
dahin  zusammenfassen:  Entlastung  des  (Orm
und  Hausbesitzes,  des  grundsätzlichen  Träge
des  privaten  Hauebesitzes,  vor  allem  ourch  ei
durchgreisende  Aenderung  der  bayer.  Stem
gesetzgerung,  die  Aufhebung  der  21  fachen  (0
meindeumlage,  der  Umsatzsteuern  und  der  We
zuwachssteuer.  Den  Bau  von  Kleinwohnung
tönnte  der  Staat  fördern  durch  Ausdehnur
Steuersreiheit  wie  bei  den  Bangenossenschaft
auf  zwölf  Jahre.  Auf  dem  Gebiete  des  N.,
kredits  muß  der  Staat  die  Selbsthilfebestreb.
gen,  wie  sie  die  Gründung  der  Landesbanl  di
stellt,  tatträftig  unterstützen.  Aber  auch  für  d
Meliorationspreblem  werden  nicht  weniger  di
gende  Mittel  notwendig  sein.  IJn  bezug  c#
Baulätigkeit  ist  das  gesunde  Umernehmern
durch  Erleichterung  und  Verbesserung  der  Be
vorschriften  in  jeder  Weise  zu  fördern.  Weiwird
  der  Staat  alsbald  nach  Friedensschluß  j
die  Zujührung  und  Erleichterung  des  Bezu
von  Baumaterialien  und  Rohstessen  zu  sor)
haben.

Die  Gemeinden  haben  vor  allem  für  die  We
nungspflege  und  die  Wohnungoaussicht  zu  sso
gen  und  für  eine  richzige  Wohnungsstatis
Sie  müssen  die  Selbsthilleunternehmungen  dun
finanzielle  Beihilfe  (Haftübernahme)  förde
Die  Baulätigkeit  soll  künfiig  mehr  als  bieherr
dem  be  stehenden  Hausbesitz  Hand  in  Hand  geb
Die  Mieter  sollen  die  Wohmnungen  pileglich  u
zwemähzig  behandeln.  den  Wohnungswe  ch
einschränsen.  Der  Hausbesitzer  muß  erkenn
daß  eine  Gesundung  seiner  eigenen  Verhältui
nur  im  Zusammenhang  mit  einer  Gesundung  l
ganzen  Wohnungsfrage  ersielt  werden  jann.  F
ner  mul;  auf  eine  wirtschaftliche  Kraftigung
soliden  Hausbesitzes  hingearbeilet  werden.  A
gabe  aller  am  Wohnungsmartt  beteiligten  F
toren  ist  es  endlich,  die  zukunftigen  Entwicklun,
ziele  richtig  und  lar  zu  erkennen.  Ist  die  We
nungsfrage  so  gelöst,  dann  haben  wir  zugie
den  sozialen  Frieden  um  ein  mächtiges  Stül!
sördert

Die  interessanten  Darlegungen  Humars  wi
den  vom  Verbandstag  ohne  Aussprache  :
Kenntnis  genommen.

Landtagoabgeordneter  Huksch  gab  in  der  A
sprache  der  Hoffnung  Raum,  daß  in  der  ko
menden  Tagung  des  Landtages  sich  lämtli
Parteien  darüber  klar  werden,  daß  eine  sofort
Hilfe  für  den  Hausbesitz  auf  dem  Wege
Steuergeisetzgebung  natwendig  sei.  Sow
liberale  Fraltion  in  Betracht  komme,  iönne
versprechen,  daß  diese  hierfür  eintreten  wert

An  Stelle  des  Akgeordneten  Sch#rnagl,
durch  eine  Reise  an  die  Front  am  Erscheinen!
bindert  war,  verbreitele  sich  dann  Vorisitzen

 

 

#r  wirruic
ein  Schwächling,  oistteicht  gar  ein  Feigling.
Und  nun  verachtete  i

Der  Maler  ous  thnen  schon  enigegen
und  winkle  lachend  mit  der  Hond.  Aber  als
er  die  ernsten  Gesichter  der  veiden  sah,  schwand
das  Lächeln  aus  seinen  Züge

Was  war  geschehen?  ?2

Cr  vermied  eine  Frage  nach  dem  Grunde
der  Veränderung  und  versuchte,  die  alle  Stimmung
  durch  heiteres  Geplaouder  wieder  herbeizuführen.


Aber  es  gelang  ihm  nicht.  Wolsgang  sproch
sast  nbertaum  nicht  mehr  und  ging  mit
einem  finsteren  Gesicht  neben  den  Geschwistern
Dber.  Elconore  gab  einsilbige  Antworten  und
zwang  sich  nur  manchmal  zu  einem  leisen
Lachelne

So  lag  es  über  dem  Rest  ihrer  Wanderung
wie  ein  boser  Druck.

Sie  waren  ofl  drei  froh,  als  sie  wleder
im  Zuge  jatzen  und  nach  Verlin  zurückluhren.
Sie  halten  ein  leeres  Abteil  besliegen,  und  jeder
laß  stumm  in  seine  Ecke  gedrückt,  Horst  der
Schwester  gegenüber,  Wolsgang  auf  derselben

ut,  auf  der  Eleonore  Platz  genommen  hatte.

Er  vermied  es,  sie  anzusehen,  und
obachtete  die  langsom  vorübergleitende  Landschaft.
  Sie  kam  ihm  jetzt  entsetzlich  vonal  vor.
Wie  hatte  er  bei  der  Fahrt  vor  wenigen  Stunden
  auch  nur  einen  Funken  Interelse  dalür
haben  können!  Auch  sein  Urtell  über  Eleonore
  hate  er  vollstandig  geandert.  Sie  erschien
  ihm  jeßzt  kokelt,  selbstherrlich,  hatte  wohl
das  Bestreben,  ihre  Meinung  anderen  aufzudrängen,
  und  war  anscheinend  davon  über.
zeugt,  immer  das  Nechte  zu  sagen.  Gang  ge- 



wise  so  war  sie!

 

Humar  kurz  über  die  Errichtung  von  Grunofta

Die  raumlihe  Entsernung  von  #hr  en:
fand  er  als  eine  Wohliat.  Und  als  da-  ?
teil  auf  den  letzten  Stationen  vor  Berlinei
äu  füllen  begann,  blieb  er  ruhig  sipen.
Arbeiter  schoben  ihre  breiten  Gestalten  zioisen
ihn  und  Eleonore.  Niemund  hätte  gend
daß  die  drei  ersien  Injassen  zusammengeh#nt
und  von  einem  gemeinsamen  Ausslutqenen
kehrten.

Die  Schauen  des  Oktoberabends  hockt
schon  in  der  Stadt,  als  sie  auf  dem  Bahni
Friedrichstraße  den  Zug  verließen.  Sie  u#mel
aale  drei  erleichtert  auf  und  hafteten  die  Trepp
hinab.  Im  treibenden  Strom  des  gerade
Viese  Stunde  besonders  starken  Straßenverlel
reichten  sie  sich  die  Hande  zum  Abschied.
standen  sast  auf  derselben  Stelle.  wo  We
hang  und  Horst  vor  wenigen  Tagen  zum  erit

Rkale  sich  begegnet  warer

Woligang  erinnerte  4%  dessen,  alo  er  Elnores
  Hand  in  der  seinen  hielt.  „Ich  gehi
nicht  zu  euch,“  dachte  er,  „es  wäre  besser
wesen,  wenn  unsfre  Wege  sich  nie  getrei
hätten.“

Eleonore  erwog  Aehnliches.  Und  als
am  Arm  des  Brudes  nach  der  Weidendamn
Brücke  zu  dahinschritt,  sagte  sie:  „Wenn  #
allein  draußen  gewesen  wören,  lämen  r
srober  heim.  Ich  bin  aus  demem  Findli
*  46  georden.  Er  scheint  selbt  m

wissei  s  will.“  Eie  ergzahlte  v
der  iltrt  altt#n  -  Wohgeno  und  ließ  ein
spöttischen,  leicht  gereigten  Ton  hinduichtilugt

—